Gendergerechtigkeit und der biblische, theologische, lokale Kontext

21 Apr. 2015
Frauentreffen im Vorfeld der asiatischen Kirchenleitungskonferenz. Foto: LWB/Christy Chok

Frauentreffen im Vorfeld der asiatischen Kirchenleitungskonferenz. Foto: LWB/Christy Chok

Asien: LWB-FKG unterstreicht Beitrag von Frauen für eine integrative Kirche

(LWI) – Übersetzungen des Grundsatzpapiers des Lutherischen Weltbundes (LWB) zum Thema Gendergerechtigkeit in lokale Sprachen helfen, Frauen zur aktiven Mitwirkung am Dienst der Kirche zu bevollmächtigen, einschliesslich der Übernahme von Leitungsverantwortung und der Beteiligung an Entscheidungsprozessen.

Bei Sitzungen des LWB-Programms “Frauen in Kirche und Gesellschaft” (FKG) in Asien hat FKG-Referentin Pfarrerin Dr. Elaine Neuenfeldt betont, es sei ermutigend, das Grundsatzpapier in koreanischer und japanischer Sprache in der Hand zu halten. Sie dankte im Namen des LWB für die neusten übersetzten Ausgaben und für weitere derzeit laufende Übersetzungen in andere grössere Sprachen der Region.

Im Rahmen der Kirchenleitungskonsultation der Region Asien, die vom 12. bis 15. April stattfand und von der Taiwanischen Lutherischen Kirche, der Lutherischen Kirche Taiwans und dem China Lutheran Seminary gemeinsam ausgerichtet wurde, hatte LWB-FKG eine Reihe Sitzungen der weiblichen Teilnehmerinnen angesetzt.

Neuenfeldt erläuterte, die Veröffentlichung des Grundsatzpapiers 2013 und seine Verbreitung in den Kirchen hätten „bekräftigt, dass eine Haltung des von Respekt geprägten Dialogs“ mit dem lokalen Kontext erforderlich sei, um die Vielfalt der Perspektiven zur Gendergerechtigkeit in der LWB-Kirchengemeinschaft auszudrücken. „Die Notwendigkeit, die Diskussion vorrangig in der biblischen und theologischen Reflexion zu verankern, wurde erneut unterstrichen“, ergänzte die Frauenreferentin.

Im Rahmen der asiatischen Kirchenleitungskonferenz sprach Neuenfeldt über den Schwerpunkt, den der LWB anlässlich des 500. Reformationsjubiläums 2017 beim Beitrag von Frauen in der Kirche setzt. Sie erläuterte den Prozess „Frauen in Bewegung: Von Wittenberg nach Windhuk“, der Anfang des Jahres gestartet ist, und verwies insbesondere auf das Element der Frauengeschichte(n), das einen wichtigen Beitrag dazu leiste, im Hören auf weibliche Stimmen die Geschichte der Kirchen kritisch zu beleuchten.

Ranjita Christie Borgoary, FKG-Referentin bei den Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Indien (VELKI) und FKG-Koordinatorin der Lutherischen Gemeinschaft West- und Südasien (WESALUC - West and South Asian Lutheran Communion), stellte fest, Frauen seien in vielen Kirchen der Subregion, zu der Bangladesch, Indien, Myanmar, Sri Lanka und Thailand gehören, nicht in vollem Umfang in Leitungsstrukturen und Entscheidungsprozesse eingebunden. Entsprechend mache die geringe weibliche Präsenz in kirchlichen Leitungspositionen es Frauen schwer, einander zu ermutigen und aufzuzeigen, wie ihr Beitrag Bedeutung für die Kirche als Ganze haben könne.

Borgoary nannte Unterschiede im Einkommen von männlichen und weiblichen kirchlichen Mitarbeitenden als eines der Probleme im Zusammenhang mit der Gleichstellung der Geschlechter, an denen die VELKI arbeiteten. Es seien Bibelarbeiten geplant, auf deren Grundlage diskutiert werden solle, wie Frauen in den 11 LWB-Mitgliedskirchen der VELKI an der Führungsverantwortung beteiligt werden könnten.

Ermutigende Berichte

Aus anderen Teilen der Region war jedoch auch Ermutigendes zu hören. Nora Samosir, FKG-Vertreterin in der Lutherischen Gemeinschaft Südostasien (SEALUC - South East Asian Lutheran Communion), erklärte, in Singapur hätten Frauen und Männer am Arbeitsplatz – auch innerhalb der Kirche – den gleichen Status. Die Herausforderungen lägen eher in der Einbindung der Beiträge von Frauen in die Entscheidungsfindung kirchlicher Strukturen. SEALUC entwickle daher ein dreijähriges Trainingsprogramm, das Frauen zur Übernahme von Führungspositionen in ihren Kirchen befähigen soll.

Eine zentrale Erkenntnis der FKG-Vertreterinnen lautete, dass Ausbildung und Kapazitätsaufbau alleine nicht ausreichen, um Frauen zur Übernahme von Leitungsfunktionen zu ermutigen. Die Teilnehmenden betonten, die kirchlichen Strukturen müssten neu definiert und umgestaltet werden, so dass sie der Vielfalt der Gaben in der Gemeinschaft Raum geben. Weiterhin betonten die Frauenvertreterinnen den Wert von gegenseitigen Besuchen mit dem Ziel, über die eigenen Netzwerke hinaus voneinander zu lernen.

„Frauen voll in kirchliche Ämter und in alle Instanzen der Kirche zu integrieren, ist ein Schlüsselelement für den Aufbau nachhaltiger und integrativer Kirchen. Dazu gehört, für Richtlinien zu sorgen, die die gleichberechtigte Präsenz von Frauen im Blick auf die Anzahl wie die Mitwirkung gewährleisten“, so Neuenfeldts Fazit.

Die asiatische Kirchenleitungskonsultation 2015, an der Kirchenleitende einschliesslich von Frauen- und JugendvertreterInnen teilnahmen, stand unter dem Motto „Ganzheitliche Leitung im Sinne der Nachhaltigkeit“.

(Ein Beitrag von Christy Chok, Basler Christliche Kirche Malaysias.)