Auguste-Viktoria-Krankenhaus beginnt COVID-19-Impfungen

7 Jan. 2021
Mitarbeitende des Auguste-Viktoria-Krankenhauses verabreichen sich gegenseitig die Impfung. Durch die Impfung können sie die Hochrisikopatientinnen und -patienten, um die sie sich kümmern, besser zu schützen. Fotos: LWB/E. Shaheen

Mitarbeitende des Auguste-Viktoria-Krankenhauses verabreichen sich gegenseitig die Impfung. Durch die Impfung können sie die Hochrisikopatientinnen und -patienten, um die sie sich kümmern, besser zu schützen. Fotos: LWB/E. Shaheen

Oberste Priorität hat medizinisches Personal

JERUSALEM, Palästinensergebiete/GENF (LWI) – Im Auguste-Viktoria-Krankenhaus des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Ostjerusalem haben die Impfungen gegen COVID-19 begonnen. Mitarbeitenden des Krankenhauses wurden am 31. Dezember 2020 die ersten Impfdosen verabreicht.

Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus ist Teil des Krankenhausverbunds Ostjerusalem, in dem sich sechs Gesundheitseinrichtungen zusammengeschlossen haben, die spezialisierte Behandlungen für Palästinenserinnen und Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen anbieten. Weil diese Krankenhäuser in den Zuständigkeitsbereich des israelischen Gesundheitsministeriums fallen, werden sie in die israelische Impfkampagne einbezogen. „Das Gesundheitsministerium hat drei Krankenhäuser in Ostjerusalem ausgewählt, die die Impfungen bei allem medizinischen Personal und allen anderen Mitarbeitenden der Ostjerusalemer Krankenhäuser durchführen werden“, erklärte Sieglinde Weinbrenner, Leiterin des LWB-Länderprogramms in Jerusalem. Die ersten Impfungen der Kampagne wurde mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer durchgeführt, der in Israel bereits eine Zulassung erhalten hat.

Schutz von Patientinnen und Patienten

Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus führt die Impfungen des eigenen Personals sowie die Impfungen des Personals des Krankenhauses der Roten Halbmond-Organisation durch. Es kann derzeit bis zu 300 Personen am Tag impfen, seine Kapazitäten aber auch noch weiter ausbauen.

Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus ist das einzige Krankenhaus im Gazastreifen und im Westjordanland, das onkologische Behandlungen und pädiatrische Dialyse anbietet. „Ziel der Impfungen am Auguste-Viktoria-Krankenhaus ist zum aktuellen Zeitpunkt vor allem der Schutz des medizinischen Personals und der anderen Mitarbeitenden der Krankenhäuser, nicht der Schutz der allgemeinen Bevölkerung“, sagte Weinbrenner. Die Impfungen der 350.000 Palästinenserinnen und Palästinenser, die in Ostjerusalem leben, werde das israelische Gesundheitsministerium koordinieren, so Weinbrenner, und dabei Hochrisikogruppen und Menschen im Alter von über 60 Jahren vorrangig behandeln.

Sorge um Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen

„Wir sind zwar sehr erleichtert, unsere eigenen Mitarbeitenden schützen zu können, gleichzeitig aber auch sehr besorgt über die allgemeine Situation im Gazastreifen und im Westjordanland“, sagt Maria Immonen, Direktorin des LWB-Weltdienstes. Nach Angaben des Amtes der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) hat die Palästinensische Autonomiebehörde finanzielle Unterstützung durch die COVAX-Initiative beantragt. COVAX ist ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geschaffener Mechanismus zur globalen Risikoverteilung, durch den auch Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen ein fairer Zugang zu COVID-19-Impfstoffen garantiert werden soll.

Während dieser Antrag dort bearbeitet und geprüft wird, entwickelt die Palästinensische Autonomiebehörde einen Nationalen COVID-19 Bereitstellungs- und Impfplan, in dem die Strategien für die Bereitstellung der Impfstoffe, die Durchführung der Impfungen und die Überprüfung der Impfprogramme in den Palästinensergebieten detailliert dargelegt wird.

„Man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, wie schwierig die Erarbeitung und Organisation der Impfprogramme überall auf der Welt ist, das zeigen die Nachrichten aus aller Welt jeden Tag. Und die Herausforderungen in den Entwicklungsländern sind noch um ein Vielfaches größer, weil die Gesundheitsinfrastruktur und logistischen Kapazitäten nicht sehr gut und fragil sind“, so Immonen.

„Das alles ist schon in den Industrieländern sehr kompliziert – und in Ländern, die von Konflikten und Naturkatastrophen gebeutelt oder mit anderen humanitären Herausforderungen konfrontiert sind, ist es das noch viel mehr. Wir alle müssen die Bemühungen unterstützen, die bestrebt sind, allen einen gleichberechtigten Zugang zu dem Impfstoff zu garantieren. Ohne eine solche globale Anstrengung können wir die Pandemie nicht unter Kontrolle bringen.“

Von LWB/C. Kästner. Deutsche Übersetzung: Andrea Hellfritz, Redaktion: LWB/A. Weyermüller