Zeit der Schöpfung: Berufen, Gottes Haushalterinnen und Haushalter zu sein

3 Sep. 2019
Eine von 20 sogenannten "grünen Orten" im und um das Minawao-Lager für nigerianische Flüchtlinge in der Region Far North, Kamerun. Ein fünfjähriger Pflanz- und Erntezyklus stellt sicher, dass Holz als Brennholz und Triebe für den Dachbau genutzt werden können. Dies ist ein Schritt zur Linderung der Auswirkungen auf die Umwelt in und um Minawao, das rund 58.000 Flüchtlinge aus Nordost-Nigeria aufnimmt. Foto: LWB/Albin Hillert

Eine von 20 sogenannten "grünen Orten" im und um das Minawao-Lager für nigerianische Flüchtlinge in der Region Far North, Kamerun. Ein fünfjähriger Pflanz- und Erntezyklus stellt sicher, dass Holz als Brennholz und Triebe für den Dachbau genutzt werden können. Dies ist ein Schritt zur Linderung der Auswirkungen auf die Umwelt in und um Minawao, das rund 58.000 Flüchtlinge aus Nordost-Nigeria aufnimmt. Foto: LWB/Albin Hillert

Artenvielfalt ist ein Gottesgeschenk und muss geschützt werden

Genf (LWI) – „Als Jüngerinnen und Jünger Christi aus aller Welt haben wir gemeinschaftlich die Aufgabe, Haushalterinnen und Haushalter von Gottes Schöpfung zu sein“, erklärt der Lenkungsausschuss für die Zeit der Schöpfung 2019. Der Lutherische Weltbund (LWB) lädt seine Mitgliedskirchen ein, bei den Aktivitäten und Aktionen für den Erhalt der Schöpfung zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober mitzumachen und diese Wochen als Zeit für Gebete und ein aktives Engagement für die Schöpfung zu nutzen. Das Motto in diesem Jahr lautet: „Das Netzwerk des Lebens: Artenvielfalt als Geschenk Gottes“.

„Das Thema Artenvielfalt hilft uns dabei, über zwei zentrale Wahrheiten in Bezug auf die Schöpfung nachzudenken: Das Netzwerk des Lebens stammt von Gott und wir sind aufgerufen, es in seiner Gesamtheit zu bewahren“, erklärt Pfr. Dr. Chad Rimmer, LWB-Programmreferent für lutherische Theologie und Praxis. Der Verlust von Biodiversität führe zu vielen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Ungerechtigkeiten, die wiederum ein breites Spektrum an humanitären Krisen zur Folge hätten, erläutert er weiter. Arme und an den Rand der Gesellschaft gedrängte Menschen, die am unmittelbarsten von der Gesundheit des Ökosystems abhängig sind, seien von dem Zusammenbruch der natürlichen Systeme und Prozesse, die unser Leben und die Gesellschaft stützen und erhalten, oftmals am schlimmsten betroffen. „Die Artenvielfalt ist wichtig, weil jedes Wesen und jedes Geschöpf Gottes an sich einen Wert hat und weil der Erhalt von Artenvielfalt und Gegenseitigkeit der Schlüssel zum Erhalt gesunder Ökosysteme und Gesellschaften ist. Das ist die Weisheit Gottes, die in das Netzwerk des Lebens verwoben ist“, so Rimmer.

LWB-Resolution zu Biodiversität

In einer Resolution zur Kommerzialisierung und Kommodifizierung der Schöpfung hat die LWB-Vollversammlung 2017 bekräftigt, dass der Verlust von Biodiversität das empfindliche Gleichgewicht des Systems Erde genauso ernsthaft bedrohe wie der Klimawandel. Neuste wissenschaftliche und zwischenstaatliche Berichte bestätigen zudem, dass der Missbrauch von Land den Verlust von Biodiversität mit alarmierender Geschwindigkeit noch vorantreibt. Angesichts der drohenden Ausrottung von fast einer Million Arten hat der LWB-Rat 2019 das LWB-Büro der Kirchengemeinschaft und die Mitgliedskirchen aufgerufen, sich aufgrund ihres Glaubens und des Bekenntnisses zur Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen (Convention on Biological Diversity, CBD) gegen den Verlust von Artenvielfalt zu engagieren.

Beteiligung an der Zeit der Schöpfung

In dem „2019 Season of Creation Celebration Guide“ (Handbuch für die Feiern im Rahmen der Zeit der Schöpfung) finden interessierte Personen und Mitgliedskirchen vielfältige Ideen und Vorschläge, wie sie sich auf lokaler Ebene konkret engagieren können, und eine Gottesdienstordnung für einen ökumenischen Gebetsgottesdienst in Ortsgemeinden.

Auf der Website für die Zeit der Schöpfung (in englischer, französischer, italienischer, polnischer, portugiesischer und spanischer Sprache) findet sich ein Kalender mit Veranstaltungen, die in den Wochen der Zeit für die Schöpfung, die am 1. September, dem Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung, beginnt, weltweit organisiert werden. Am 16. September wird zum Beispiel ein Webinar zum Thema „Should we be saving souls or seals?: What Christianity says about biodiversity“ (Sollten wir Seelen oder Seehunde retten? Was der christliche Glaube zum Thema Biodiversität sagt) veranstaltet, in dessen Rahmen ein Austausch über wichtige Fragen stattfinden und das Engagement für den Erhalt der Schöpfung stärken soll. Zum Abschluss der Zeit für die Schöpfung wird es am 4. Oktober, dem Fest des Heiligen Franz von Assisi, einen online Gebetsgottesdienst geben.

LWB-Mitgliedskirchen und Ortsgemeinden sind eingeladen, Informationen über ihre Gebetsgottesdienste und Initiativen auf der Website für die lokalen Veranstaltungen einzustellen.

Die Zeit für die Schöpfung wird seit 1989 veranstaltet. Damals hatte das Ökumenische Patriarchat einen Gebetstag für die Schöpfung initiiert. Seither haben sich verschiedene weltweite christliche Gemeinschaften wie der LWB und andere kirchliche Organisationen dieser Initiative angeschlossen und begehen die Zeit der Schöpfung alljährlich. Der LWB ist einer der führenden Partner dieser ökumenischen Initiative.