Uganda: Vulnerable Frauen schützen

14 Feb. 2022
Frauen, die an Fokusgruppendiskussionen für Post-Konflikt-Gemeinschaften im Bezirk Pader in Norduganda teilnehmen. Foto: LWB Uganda

Frauen, die an Fokusgruppendiskussionen für Post-Konflikt-Gemeinschaften im Bezirk Pader in Norduganda teilnehmen. Foto: LWB Uganda

Regierung aufgerufen, Frauen in Flüchtlingsgemeinschaften zu unterstützen

GENF, Schweiz (LWI) – Der Lutherische Weltbund (LWB) und seine in Uganda tätigen Partnerorganisationen rufen die Regierung des ostafrikanischen Staates auf, Reformen zum Schutz von Frauen in vulnerablen Flüchtlings-, Aufnahme- und Post-Konflikt-Gemeinschaften zu verabschieden und die zu diesem Zweck bestehenden Gesetze umzusetzen.

Der Aufruf ist in einem Schattenbericht enthalten, der im Januar dem CEDAW-Ausschuss der UN vorgelegt wurde, der die Einhaltung des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau überwacht. Die Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women (CEDAW) ist ein Übereinkommen, das als internationales Abkommen 1981 in Kraft trat. Es bildet einen Rahmen für Staaten, um Diskriminierung zu überwinden und die Gleichberechtigung von Frauen im öffentlichen und privaten Leben zu fördern. Der CEDAW-Ausschuss trifft sich zweimal im Jahr und die Länder werden ungefähr alle vier Jahre überprüft. Die Regierung Ugandas trat dem Übereinkommen 1985 bei und verankerte einige der Bestimmungen in seiner Verfassung.

Der LWB arbeitet seit 1979 in Uganda und unterstützt vor allem die landwirtschaftliche Produktion und andere einkommengenerierende Aktivitäten; er leistet Nothilfe und gewährt Geflüchteten und Binnenvertriebenen, die vor Konflikten oder Naturkatastrophen fliehen, längerfristigen Schutz. Mit 1,5 Millionen Menschen, die vor allem in Siedlungen leben, ist Uganda das größte Aufnahmeland für Geflüchtete in Afrika. Trotz eines deutlichen Wirtschaftswachstums in den letzten zehn Jahren lebt ein Viertel der Bevölkerung des Landes nach wie vor an der Armutsgrenze.

 LWF Uganda

Im Schattenbericht betonen der LWB und seine Partnerorganisationen die Dringlichkeit von Maßnahmen zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen vulnerable Frauen und Mädchen, wobei die Opfer sowohl unter den Geflüchteten als auch unter den Mitgliedern der aufnehmenden Gemeinden zu finden sind. Der Bericht ruft die ugandische Regierung auf, in diesen Gemeinschaften die Einrichtung von dauerhaften Gerichten, die auf geschlechtsspezifische Gewalt spezialisiert sind, zu beschleunigen und die Mittel im Justizsektor zu erhöhen, um ein schnelleres und effizienteres Vorgehen in allen derartigen Fällen zu ermöglichen.

Des Weiteren enthalten die Empfehlungen die Einrichtung von Schutzunterkünften und die Bereitstellung einer ganzheitlichen Versorgung von Überlebenden sexueller Gewalt, die Sensibilisierung von Frauen und Männern in vulnerablen Gemeinschaften für die Vermeidung schädlicher Praktiken wie Frühehen sowie die Befähigung von Rechtsassistentinnen und -assistenten, die Beratung und Unterstützung zeitnah bereitstellen können. Zum Beispiel sagte eine geflüchtete Frau, die von Mitarbeitenden des LWB im Distrikt Adjumani im Norden Ugandas befragt wurde: „Einige der traditionellen Praktiken, die Frauen in den Siedlungen diskriminieren, bestehen darin, dass Frauen vererbt werden, dass ihnen die Teilnahme an Familienkonferenzen verweigert wird und dass Frauen die Schuld dafür gegeben wird, nur Kinder eines Geschlechts zu gebären.“

 LWF Uganda

Der LWB arbeitet mit lokalen Akteuren aus dem Justizbereich in Uganda zusammen, um mobile Gerichtsverhandlungen und Rechtsberatungsstellen einzurichten, die den Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt Gerechtigkeit garantieren sollen. 2019 nahmen Glaubensgemeinschaften Einfluss auf ein Gesetz und forderten strenge Strafen für die Täter. Aber noch immer werden nicht alle Fälle registriert, und es ist absolut erforderlich, dass Polizei, Justiz, Gesundheitsbehörden und Oberhäupter von Gemeinschaften enger zusammenarbeiten, damit die Hilfsmöglichkeiten für Überlebende gestärkt werden.

Des Weiteren nennt der Schattenbericht Bildungswesen, Gesundheitswesen einschließlich reproduktiver Gesundheitsdienste und die Teilnahme am öffentlichen Leben als Schlüsselbereiche, in denen die Regierung die Rechte von Frauen und Mädchen stärken könnte, vor allen in den entlegenen ländlichen Gebieten. Insbesondere infolge der COVID-19-Pandemie, in der viele Mädchen keinen Zugang zu Online-Bildung hatten, ruft der Bericht die Regierung eindringlich dazu auf, die Haushaltsmittel zu erhöhen für den Bau von Klassenzimmern, die Ausbildung von Lehrern, eine Verbesserung der Stromversorgung und die Förderung der Inklusion von schwangeren Studentinnen und halbwüchsigen Mädchen, von Müttern und Menschen mit Behinderungen.

Von LWB/P. Hitchen. Deutsche Übersetzung: Tonello-Netzwerk, Redaktion: LWB/A. Weyermüller