„Ein Raum für die Begegnung von Wissenschaft und Glaube“

11 Dez. 2017
Das neu errichtete Paulinum erinnert an seinen Vorgängerbau, die 1968 gesprengte Universitätskirche St. Pauli, ist aber mehrfach genutztes Gebäude, einschließlich der Aula der Universität Leipzig. Foto: epd/Jens Schulze

Das neu errichtete Paulinum erinnert an seinen Vorgängerbau, die 1968 gesprengte Universitätskirche St. Pauli, ist aber mehrfach genutztes Gebäude, einschließlich der Aula der Universität Leipzig. Foto: epd/Jens Schulze

Das Leipziger Paulinum – Aula und Gotteshaus unter einem Dach

LEIPZIG, Deutschland/GENF (LWI) – Heftig wurde in den Jahren zuvor um dieses Gebäude gestritten. Erbittert wurde diskutiert: Ist das Paulinum in Leipzig (Deutschland) eine Kirche oder doch „nur“ Festsaal der Universität? Außerdem wurde das Paulinum auf dem Gelände der ehemaligen Universitätskirche St. Pauli errichtet, die 1968 von DDR-Regime gesprengt worden war. Am 1. Adventssonntag wurde das neue Gebäude an der Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Religion nun eingeweiht.

Das „Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli“ ist ein Gebäude der Universität Leipzig. Es entstand zwischen 2007 und 2017 nach Plänen des niederländischen Architekten Erick van Egeraat.

Alle Universitätsgebäude außer der Paulinerkirche waren bei Bombenangriffen 1943 schwer beschädigt, nach dem Krieg zum Teil aber wieder nutzbar gemacht. Die Universitätskirche St. Pauli wurde, trotz nur geringer Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg, aus politischen Gründen nach der teilweisen Sicherung des Inventars am 30. Mai 1968 vom damaligen DDR-Regime gesprengt.

Einweihung fast 50 Jahre nach Sprengung

Nun, nach fast 50 Jahren, wurde das neu errichtete Paulinum mit einer Reihe von Veranstaltungen am ersten Dezemberwochenende 2017 eingeweiht.

Dr. Carsten Renzing, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, sieht in dem Gebäude „das in seiner Formensprache an den gesprengten Vorgängerbau erinnert und sie in unsere Zeit übersetzt“ einen Raum für die „Begegnung von Wissenschaft und Glaube“.

 

Festgottesdienst zur Einweihung der Universitätskirche St. Pauli: Einzug der Liturgen mit der Vasa sacra. Zu den liturgischen Geräten zählt die Kerze, die unmittelbar vor der Sprengung aus der alten Paulinerkirche geborgen wurde. Foto: epd/Jens Schlueter

Wissenschaftlicher Diskurs trifft Dimension der Transzendenz

„Die Aula wird dem wissenschaftlichen Diskurs dienen“, so der Landesbischof. „Die Kirche braucht dieses Gespräch, um vor der Gefahr bewahrt zu werden, die Offenheit für das Weltwissen und die geistige Situation der Zeit zu vertiefen.“ Die Universitätskirche St. Pauli werde Raum bieten „für die Verkündigung des Evangeliums von der Befreiung des Menschen aus selbstgeschaffenen Zwängen. Die Wissenschaft braucht die Dimension der Transzendenz, um vor der Gefahr bewahrt zu werden, ihre Erkenntnisse zu überhöhen und den Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.“

Auch Universitätsprediger Prof. Dr. Peter Zimmerling sieht in dem neu geschaffenen Raum „als Aula wie auch für den Gottesdienst neue und ungeahnte Chancen und Herausforderungen.“ Der Gottesdienst habe nun wieder einen eigenen Versammlungsraum in der Mitte der Universität. Dadurch werde „deutlicher als zuvor, dass er eine Veranstaltung für die ganze Universität darstellt – und nicht etwa auf die Mitglieder der Theologischen Fakultät beschränkt werden darf.“

Darüber hinaus eröffneten sich auch für die Musik „fantastische neue Möglichkeiten“, so Zimmerling. „Mit ihren nunmehr zwei Orgeln stellt die Universitätskirche ein Zentrum der Musik in Mitteldeutschland dar.“

Hintergründe und weitere Informationen: