4 Aug

Die Welt zu Gast bei Freunden in Wittenberg

Im Juli versammelte sich eine Gruppe Junger ReformatorInnen, darunter Arne Jureczek (hintere Reihe, 6. v. li.), aus Anlass der Weltausstellung Reformation zwei Wochen lang in Wittenberg (Deutschland). Beim youngPOINTreformation stellten sie unterschiedliche Aktivitäten der Jugend ihrer Kirchen vor. Foto: LWB/Edgar Segundo Toclo

Die Welt zu Gast bei Freunden – so lautete das Motto der Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Ich finde, auch 2017 kann man diesen Slogan verwenden, wenn Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten in Wittenberg zusammenkommen, um den Reformationssommer zu feiern.

In Deutschland und ganz besonders in Wittenberg steht in diesem Jahr alles im Zeichen dieses Reformationssommers. Bereits seit 10 Jahren – der sogenannten Luther-Dekade – kann man den Geist der Reformation ganz besonders spüren: Auf verschiedene Art und Weise wurde das grosse Ereignis vorbereitet und gefeiert.

Für mich als Repräsentant einer deutschen Mitgliedskirche des LWB ist der Reformationssommer herausfordernd und spannend zugleich. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man nach einer so langen Vorbereitung bereits erschöpft ist. Zudem möchte man nicht, dass es im Reformationssommer einen zu starken Fokus auf das Ursprungsland der Reformation gibt. Andererseits ist es aber auch eine tolle Gelegenheit zu zeigen, dass auch im Ursprungsland die Freude im Reformationssommer am Ende der Luther-Dekade noch nicht erschöpft ist und wir jetzt erst den Höhepunkt erreichen.

Ich persönlich habe die Weltausstellung zum ersten Mal bei einem internationalen Treffen in Wittenberg erlebt, als 18 junge Lutheranerinnen und Lutheraner des Global Young Reformers Network für zwei Wochen zusammenkamen. Dabei hatte jeder seine eigene Perspektive auf das Geschehen rund um die Weltausstellung.

Besonders die Begeisterung und das Interesse der internationalen Gäste haben mich beeindruckt. Sie möchten nicht nur selbst die Weltausstellung erleben, sondern ihre Eindrücke mit ihrer Kirche zuhause teilen: Sei es über die sozialen Medien oder bei Vorträgen, wenn sie wieder im eigenen Land sind. Für viele von ihnen ist es zudem die erste grosse Reise nach Europa und vor allem nach Deutschland – eine ganz besondere Erfahrung also. Es ist schön zu sehen, wie sehr im gemeinsamen Austausch durch unterschiedliche Perspektiven der Geist der Reformation lebendig erhalten und weitergetragen wird!

Mein Besuch vor Ort hat mir gezeigt, dass die Erwartungen an die Besucherzahlen auf der Weltausstellung nicht erfüllt wurden und deutlich weniger Gäste da sind, als man sich erhoffte – gerade aus dem Ausland. Das macht mich traurig! Diejenigen aber, die kommen, sind wirklich interessiert daran – das ist wiederum eine schöne Feststellung!

Und mir wurde klar, dass der Reformationssommer in Wittenberg auf der Weltausstellung zwar seinen Fokus hat und zentral gefeiert wird, der Geist dieser Ausstellung durch seine internationalen Gäste aber noch viel weiterreicht. Das verleiht dem ganzen Reformationssommer einen schönen internationalen Charakter. Schliesslich heißt es ja auch „Welt“-ausstellung.

In Wittenberg begann es vor 500 Jahren, und auch heute geht der Geist der Reformation von hier aus, wenn die Welt zu Gast bei Freunden ist. Doch dieses Mal ist es nicht Martin Luther, sondern es sind Reformatorinnen und Reformatoren allen Alters, die den Geist über die Stadtgrenzen Wittenbergs hinaus in die ganze Welt tragen und wieder einmal deutlich machen, dass die Reformation nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt zuhause ist!

(Arne Jureczek ist Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.)

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