Die Geschichte von Manyok und seiner Familie im Südsudan
Bor, Südsudan /Genf, 7. Februar 2012 (LWI) – Manyok gehört dem Volk der Dinka an und lebt mit seiner Familie im Bundesstaat Jonglei im Südsudan.
Er heiratete seine Frau Rebecca vor zwei Jahren und sie haben ein einjähriges Kind. Rebeccas Vater starb vor vielen Jahren und mit der Heirat übernahm Manyok die Verantwortung für sie, ihre Schwester, ihre zwei Brüder und ihre Mutter.
Manyok ist Beauftragter des Lutherischen Weltbundes (LWB) für Ernährungssicherheit und arbeitet von Panyagor im Bundesstaat Jonglei aus. Die Familie stammt aus Duk Padiet, einer Stadt, die weniger als 100 km nördlich von Panyagor liegt und am 16. Januar von Viehdieben überfallen wurde.
AugenzeugInnen berichten, dass Hunderte von Männern in Militäruniformen gegen fünf Uhr nachmittags zu Fuss in die Stadt einfielen. Rebecca rannte mit dem Baby auf ihrem Rücken um ihr Leben. Sie lief an Menschen vorbei, die auf der Flucht von den Viehdieben getötet oder verletzt worden waren. Zwei Tage lang versteckte sie sich im Busch, ohne irgendetwas zu essen zu haben.
Manyok war entsetzt, als er von dem Überfall hörte: „Ich konnte die ganze Nacht über nicht schlafen. Am nächsten Morgen verliess ich Panyagor in aller Herrgottsfrühe. Als ich in Duk Padiet ankam, konnte ich die Frauen und Kinder nicht finden. Die Verletzten lagen auf der Landebahn und die anderen beerdigten die Toten. Niemand konnte mir sagen, ob meine Familie tot oder lebendig war.“
Er wandte sich an die lokalen Behörden und die Mission der Vereinten Nationen im Südsudan. Dort erfuhr er, dass die meisten Menschen noch vermisst würden, aber von anderen, die ebenfalls geflohen waren, hörte er, dass seine Familie noch am Leben sei.
Sicherheitsvorkehrungen
Nachdem seine Frau und sein Kind nach Duk Padiet zurückgekehrt waren, hatte Manyok das Gefühl, dass es keinen weiteren Angriff auf die Stadt geben würde und dass seine Familie dort sicher sei. Deshalb kehrte er nach Panyagor zurück. Als er letzten Freitagabend von seiner Arbeit nach Hause kam, wartete seine Familie dort auf ihn.
„Ich war sehr überrascht, als ich sie vor der Tür stehen sah. Ich fragte sie, was geschehen sei, und sie erzählten mir, dass die Lage sich verschlimmert habe und die meisten Menschen fliehen würden – Frauen und Kinder gehen weg aus der Stadt“, berichtete er.
Er beschloss dann, seine Familie weiter in den Süden nach Bor zu schicken, wo sie sicherer sein würden als in Panyagor. Es werden neue Angriffe befürchtet und der LWB trifft Sicherheitsvorkehrungen, die gegebenenfalls auch die Evakuierung von MitarbeiterInnen einschliessen. Einige MitarbeiterInnen haben ihre Kinder bereits weggebracht, damit sie selbst im Falle eines weiteren Angriffs schnell fliehen können.
Manyoks Mutter und Schwiegermutter sind Bäuerinnen in Duk Padiet und bleiben dort zusammen mit seinen zwei Brüdern, weil sie es sich nicht leisten können, in Städten wie Bor zu leben.
Ständig auf der Flucht zu sein, ist laut Manyok etwas, an das die meisten Menschen im Südsudan gewöhnt sind.
„Unsere Stadt ist dreimal angegriffen worden –es waren brutale Angriffe. 2008 von den Nuer… damals wurden fast 60 Menschen getötet, und dann 2009, mit noch mehr Todesopfern… Ich bin diese Art von Leben gewöhnt.“
Zwei seiner Brüder hat er im Krieg mit dem Sudan verloren.
Viele SudanesInnen flüchten bis zum Flüchtlingslager Kakuma in Nordwestkenia, ca. 125 km von der Grenze entfernt. Seit Dezember sind jeden Tag bis zu 100 Menschen angekommen.
Optimismus trotz Gewalt
Trotz der jüngsten Gewaltwelle bleibt Manyok, wie viele SudanesInnen, optimistisch, dass die Gewalt eines Tages aufhören wird.
„Im Krieg… sind die Menschen es gewöhnt, ständig auf der Flucht zu sein, aber jetzt wollen wir bleiben“, sagt er. „Unser Leben ist jetzt gut und es gibt sogar die Hoffnung, dass es noch besser wird“, fügt er hinzu.
„Es gab einen Überfall im August 2008, den nächsten im September 2009, dann herrschte Frieden von 2009 bis Januar 2012. Wenn es sich gut weiterentwickelt, dann wird der nächste Überfall vielleicht 2018 oder 2015 sein…, aber vielleicht war dies ja auch der letzte“, meint Manyok.
Nach drei Jahrzehnten des Krieges setzen Manyok und seine MitbürgerInnen grosse Hoffnungen in den Südsudan, die nur realisiert werden können, wenn der Frieden hält. (686 Wörter)
(Beitrag von Melany Markham im Südsudan für LWI)




