Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

02.04.2009

Kirchen sind aufgerufen, Gottes Ebenbild in Dalit-Frauen zu erkennen

Ökumenischer Workshop beschäftigt sich mit geschlechterspezifischer Diskriminierung in Kastenordnung

Bangkok (Thailand)/Genf, 2. April 2009 (LWI)
- Die Teilnehmenden eines Workshops, der im Rahmen der "Globalen ökumenischen Konferenz zur Gerechtigkeit für Dalits" in Bangkok (Thailand) stattfand, haben die enge Verbindung von Kastenordnung und Patriarchat betont. Die Konferenz vom 21. bis 24. März wurde vom Lutherischen Weltbund (LWB) und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) organisiert und von der Asiatischen Christlichen Konferenz ausgerichtet.

Der Workshop beschäftigte sich mit dem Thema "Verschiedene Arten der Diskriminierung - die Situation von Dalit-Frauen und Dalit-Christinnen/Christen". Er deckte die besonders schwierige Situation von Dalit-Frauen auf, die aufgrund ihres Geschlechts unter Stigmatisierung leiden und erniedrigenden Behandlungen ausgesetzt sind.

"Sobald [jemand] ein Dalit oder eine Dalit ist, wird er oder sie ,verweiblicht' und deshalb müssen wir die Kastenordnung und das Patriarchat in Verbindung betrachten", forderte Pfarrerin Dr. Evangeline Anderson-Rajkumar, Leiterin der Abteilung für Frauenstudien am United Theological College in Bangalore (Indien), einem ökumenischen Institut der Lutherischen Kirche Arcot.

Kaste, Klasse und Geschlecht zusammen machten Dalit-Frauen mundtot und führten zu deren Unterdrückung, betonte Pirbhu Satyani, verantwortlich für Anwaltschaftsarbeit beim Thardeep Rural Development Programme (Entwicklungsprogramm für ländliche Entwicklung), das in der pakistanischen Provinz Sindh tätig ist. "In Pakistan werden Dalit-Frauen wie drittklassige Bürgerinnen behandelt", erklärte er.

Laut Bischof Dr. Vedanayagam Devasahayam von der Madras-Diozöse der Kirche von Südindien trägt die Diskriminierung aufgrund von Kastenzugehörigkeit dazu bei, dass immer mehr Frauen von Armut betroffen sind. Allein in Indien würden 1,2 Millionen Dalits - in der Mehrheit Frauen - für einen Hungerlohn zu erniedrigenden, unhygienischen Arbeiten gezwungen.

Frauen müssten "Latrinen mit angetrockneten menschlichen Exkrementen reinigen und haben dabei nur sehr einfache Hilfsmittel, wie zum Beispiel einen Spachtel aus Zinn und einen Weidenkorb. Sie müssen die Exkremente entfernen und in dem Weidenkorb auf dem Kopf zu den Abladeplätzen bringen", erzählte Devasahayam.

Karuppaiah, eine Dalit aus einem Slum in der Stadt Chennai im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, sagte: "Natürlich ist es ekelerregend, aber ich habe keine andere Wahl, ich muss diese Arbeit machen."

Initiativen der Kirche sollen Dalit-Frauen Alternativen zu diesen entwürdigenden Jobs, die in die Verarmung führen, anbieten.

Durch ein Programm zur Förderung von Frauen aus den Slums und die Vergabe von Mikrokrediten an die Frauen in den Slums von Chennai versucht das Referat für Frauen in Kirche und Gesellschaft der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Indien, Frauen dabei zu unterstützen, eine neue Existenzgrundlage aufzubauen.

Indira Ghale, Schatzmeisterin der Nepali Feminist Dalit Organization (Organisation von Dalit-Frauen in Nepal), berichtete, dass das Länderprogramm der LWB-Abteilung für Weltdienst (AWD) in Nepal versucht, Dalit-Frauen durch Anwaltschaftsarbeit, Einkommen schaffende Massnahmen und Kapazitätsaufbau zu stärken.

Die Teilnehmenden des Workshops waren VertreterInnen von Kirchen und kirchlichen Organisationen aus aller Welt. Sie waren sich einig, dass derartige Initiativen zur Förderung der Emanzipation von Dalit-Frauen ein guter Anfang seien, warfen aber auch die Frage auf, ob diese angesichts der weit verbreiteten, tief verwurzelten Vorurteile, die sogar in den Kirchen existierten, die gewünschten Erfolge erzielen würden.

"Ich habe kein Problem damit, das Abendmahl mit einem oder einer Dalit zu feiern, aber ich würde sie [meine Tochter] niemals einen Dalit heiraten lassen", sagte ein indischer Christ, der einer Kaste angehört und anonym bleiben wollte.

Die Teilnehmenden riefen die Kirchen dazu auf, die Behandlung der Dalits, wie sie im Moment verbreitet ist, als Sünde und entmenschlichend abzulehnen. Sie baten die internationale ökumenische Gemeinschaft eindringlich anzuerkennen, dass Gott auch die Frauen nach seinem Ebenbild schuf und dass jede Form des Missbrauchs von Frauen das göttliche Ebenbild in jedem Menschen entstelle. (578 Wörter)

(Ein Beitrag von Timothy Melvyn, Kommunikationsbeauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Indien.)


Weitere Informationen zur "Globalen ökumenischen Konferenz zur Gerechtigkeit für Dalits" finden Sie auf der LWB-Webseite.




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