|
LWB-Jugend fordert aktive Auseinandersetzung mit dem Klimawandel
Arusha (Tansania)/Genf, 29. Juli 2008 (LWI) – „Der Klimawandel bedroht unsere Zukunft“, skandierten junge Erwachsene aus Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) im Rahmen eines Rollenspiels beim Jugendworkshop, der im Juni im Vorfeld der LWB-Ratstagung in Arusha (Nordtansania) stattfand. Die Ratstagung fand auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25. bis 30. Juni in Arusha statt.
„Der Kilimandscharo ist nicht mehr so schön wie früher. Meine Kinder werden ihn wahrscheinlich nur ohne Schnee kennen“, stellte Namsifu Aminiel von der ELKT fest.
„Es ist noch nicht lange her, da war der Schnee auf dem Gipfel noch wunderschön. Ich war damals 13, jetzt bin ich 20 und der Schnee ist fast verschwunden“, berichtete Aminiel und äusserte die Befürchtung, dass solche Kindheitserinnerungen an den höchsten Berg Afrikas zukünftigen Generationen in Tansania vorenthalten blieben und nur noch Fotos die frühere Schönheit zeigten.
Der Workshop stand unter dem gleichen Thema wie die LWB-Ratstagung: „Schmelzende Schneekappe auf dem Kilimandscharo: Zeugnis inmitten der leidenden Schöpfung“. 17 junge VertreterInnen aus LWB-Mitgliedskirchen weltweit nahmen an der Veranstaltung teil, die sich zum Ziel gesetzt hatte, sie als MultiplikatorInnen für die Bewältigung der Klimaproblematik zuzurüsten.
Im Rahmen des vom Referat LWB-Jugend der Abteilung für Mission und Entwicklung (AME) organisierten Workshops vom 20. bis 24. Juni fanden unter anderem Bibelarbeiten, Rollenspiele und Besuche vor Ort statt. Die Teilnehmenden verfassten eine Jugendbotschaft zur Klimaproblematik, die dem Rat vorgelegt wurde.
Als Delegierte bei der UN-Konferenz
Die Tagung des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), die 2009 in Kopenhagen (Dänemark) stattfinden soll, wurde als Rollenspiel thematisiert, in dem die jungen Erwachsenen sich in die Situation der LändervertreterInnen versetzten. Laut Pfr. Roger Schmidt, LWB-Jugendreferent, sollte damit das Verständnis für die Klimadiskussion auf Weltebene vertieft werden.
„Es war sehr schlimm, die rücksichtslose Politik und den Egoismus der einzelnen Länder zu sehen. Die Delegierten der Vereinigten Staaten von Amerika, Europas und der Schwellenländer entziehen sich in allen Diskussionen immer wieder ihrer Verantwortung“, stellte Aminiel fest, die die Rolle der Generalsekretärin der Vereinten Nationen übernommen hatte.
Evariste Mamadou (23) von der Evangelisch-Lutherischen Kirche der Zentralafrikanischen Republik (ELKZAR) beschrieb seine Erfahrungen mit der UNFCCC-Tagung: „Wir neigen dazu, allein bei den entwickelten Ländern, in denen es Fabriken und viele Autos gibt, die Ursache der Probleme zu suchen. So ist es aber nicht. Man sieht zum Beispiel in meinem Heimatland oft, dass Wälder brandgerodet werden, um mehr Ackerland zu gewinnen. Jetzt ist mir klar, dass ich das verhindern muss, denn auch solche Aktivitäten tragen zum Klimawandel bei.“
Lernerfahrungen
Die Teilnehmenden des Jugendworkshops aus der Demokratischen Republik Kongo, Deutschland, Hongkong (China), Litauen, Madagaskar, Sambia, Südafrika, Tansania, den USA und der Zentralafrikanischen Republik besuchten auch diakonische Projekte und Einrichtungen der ELKT ausserhalb von Arusha.
Mamadou war besonders von einem Projekt zur Erschliessung erneuerbarer Energiequellen in einem abgelegenen Dorf beeindruckt. Mit einem Kleinkredit hat dort ein Haushalt Sonnenkollektoren installiert, so dass die Kinder ihre Hausaufgaben auch noch nach dem Dunkelwerden erledigen können.
„Hier erlebe ich die Wirkung eines Mikrokreditprogramms. Es verhilft den Menschen zu einem besseren Leben. Ich würde diese Art Projekte sehr gern in meinem Land einführen. Abgesehen davon, dass sie erneuerbare Energiequellen ins Dorf bringen, wäre es auch sehr sinnvoll, Kleinkredite zu gewähren, mit denen sich die Menschen Saatgut kaufen oder Kleinunternehmen gründen können“, stellte Mamadou fest, der in seinem Heimatland für die Rechnungsprüfung von Projekten zuständig ist, die von der ELKZAR koordiniert werden.
Leitungsverantwortung und tatkräftiges Handeln
Im Rahmen einer Bibelarbeit zum Thema Schöpfung und Klimawandel befassten sich die Teilnehmenden mit möglichen Handlungsschritten in ihrer jeweiligen Kirche beziehungsweise Gesellschaft. „Mein Bruder aus Tansania hat mir erzählt, dass bei ihnen jede Konfirmandin und jeder Konfirmand zwei Bäume pflanzen muss. Damit wird unsere Rolle als Haushalter und Haushalterinnen der Schöpfung Gottes symbolisiert. Das ist eine wunderbare Idee. Vielleicht wäre es in Hongkong nicht möglich, viele Bäume zu pflanzen, aber wir sollten der Natur aktiv und konkret etwas zurückgeben“, erklärte LWB/AME-Jugendpraktikant Francis Chan von der Tsung Tsin Mission Hongkong (China).
Chan betonte, er fühle sich motiviert, für KonfirmandInnenunterricht und Jugendgruppen in seiner Kirche ähnliche Aktivitäten zu konzipieren. „Im Angesicht der lebensbedrohlichen Veränderung der Wetterbedingungen müssen die Kirchen unbedingt verstärkte Anstrengungen unternehmen, uns dabei anzuleiten gute Haushalterinnen und Haushalter der Schöpfung zu sein und so den Klimawandel zu bekämpfen“, so Chan weiter.
Die 19-jährige Hanitriniaina Nathalie Rahelimalala aus der Madagassischen Lutherischen Kirche zeigte sich begeistert von der Möglichkeit, selbst aktiv zu werden: „Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich als allererstes ein Lied über den Klimawandel schreiben. Zurzeit [arbeite] ich mit einer Jugendgruppe an der Produktion einer Musik-CD. Jetzt habe ich beschlossen, einen zusätzlichen Song aufzunehmen! Er soll die Probleme beschreiben, mit denen wir konfrontiert sind, und zum Handeln auffordern.“
Rahelimalala, die jüngste Workshopteilnehmerin, fuhr fort: „Ich erinnere mich, dass wir in meiner Kindheit normalerweise vier oder fünf Wirbelstürme im Jahr hatten. Letztes Jahr waren es fast zehn! Einer davon traf die Nordküste und war besonders verheerend. Viele Menschen verloren Verwandte, Bekannte und ihr Zuhause. Ich habe Angst, dass eines Tages auch mein Heimatort von einem solchen Wirbelsturm getroffen wird.“
Ihren Klimawandel-Song will Rahelimalala nicht nur an Jugendgruppen weitergeben, sondern diese Lieder auch über das Radio verbreiten: „Vielleicht machen Sie irgendwann Ihr Radio an und hören unsere Lieder mit der Botschaft über den Klimawandel. Wenn uns das gelingt, versprechen Sie mir bitte, dass Sie handeln!“ (886 Wörter)
(Dieser Beitrag basiert auf einem Bericht von LWB/AME-Jugendpraktikant Francis Cheong Mun Chan.)
Die Botschaft des LWB-Jugendworkshops vor der Ratstagung 2008 finden Sie im Format PDF in englischer Sprache auf der LWB-Webseite.
* * *
An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha (Tansania) nahmen knapp 80 VertreterInnen von LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darüber hinaus waren rund 95 weitere Teilnehmende registriert, darunter DolmetscherInnen, Gäste, Mitarbeitende des LWB, PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes. Er tagt alle 12 bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde während der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg gewählt. Der Rat besteht aus dem Präsidenten, dem Schatzmeister sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repräsentieren.
Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT) ist die zweitgrösste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20 Diözesen der ELKT gehören rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die viertgrösste lutherische Kirche weltweit gehört seit 1964 zum LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.
|