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ChristInnen können nicht gleichgültig bleiben
Arusha (Tansania)/Genf, 29. Juli 2008 (LWI) – Auf seiner Tagung im nordtansanischen Arusha hat der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) Grussworte des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der AnglikanerInnen, MennonitInnen, Orthodoxen, der römisch-katholischen Kirche sowie der Regierung der Republik Tansania entgegengenommen.
Die LWB-Ratstagung fand auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25. bis 30. Juni in Arusha statt und stand unter dem Thema „Schmelzende Schneekappe auf dem Kilimandscharo: Zeugnis inmitten der leidenden Schöpfung“.
In seiner Grussbotschaft, die von Dr. Owdenburg M. Mdegella, Bischof der ELKT-Diözese Iringa, verlesen wurde, erklärte der ÖRK-Generalsekretär, Pfr. Dr. Samuel Kobia, die Delegierten der LWB-Mitgliedskirchen seien zusammengekommen, um offen über die Anliegen ihrer Gemeinschaft und deren Beziehung zu anderen zu sprechen.
„Man könnte noch hinzufügen: die schmelzende Eiskappe auf dem Kilimandscharo legt auch Zeugnis von einem leidenden Volk ab, das zunehmend unter Mangel an frischem Wasser für sich selbst, für sein Vieh und seine Gärten und Felder leidet“, betonte Kobia.
Der aus Kenia stammende Kobia wies darauf hin, dass vor circa 15 Jahren sowohl der Kilimandscharo als auch der Mount Kenia mit glänzenden Schneemassen bedeckt gewesen seien. „Heute hat der Mount Kenia seine Eiskappe fast vollständig verloren und der Gletscher auf dem Kilimandscharo geht rapide zurück“, betonte er. „Jetzt, wo das Eis geschmolzen ist, sind die Flussbetten von September bis März leer und trocken und so entsteht eine Konkurrenz um Wasser, Weiden und Ackerland.“
Viele Gemeinsamkeiten
Der orthodoxe Vertreter Metropolit Dr. Isaias aus Zypern bezeichnete das Thema der LWB-Ratstagung als aktuell und wichtig.
„Es ist richtig, dass die ökologische Zerstörung der Erde, die aus dem unausgewogenen und exzessiven Konsum von Gütern und dem Missbrauch der Ressourcen unserer Erde resultiert, uns mit all ihren Konsequenzen als Christen und Christinnen nicht gleichgültig lassen kann“, betonte er.
Er verwies auch auf die jüngste Tagung der Gemeinsamen lutherisch-orthodoxen Kommission, auf der beide Seite ihren tiefen Wunsch nach einer Fortsetzung der Bemühungen um christliche Einheit zum Ausdruck gebracht hätten.
„Dies schafft zwischen uns ein [Bündnis] in Christus, das für Christen und Christinnen in der heutigen Welt, in der Spiritualität und Umwelt zugrunde gehen, so dringend notwendig ist“, erklärte er.
Im Namen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft grüsste Bischof Musonda T. S. Mwamba aus Botswana den Rat und erklärte, er fühle sich auf dieser lutherischen Versammlung „zuhause“. Er beschrieb die Fortschritte im gegenseitigen Verständnis und in der Zusammenarbeit, die sowohl im internationalen anglikanisch-lutherischen Dialog als auch in der Gesamtafrikanischen anglikanisch-lutherischen Kommission, zu deren Vorsitzenden er gehöre, erzielt worden seien.
In beiden Dialogen wie auch auf lokaler Ebene entdeckten beide Traditionen, dass es zwischen ihnen viele Gemeinsamkeiten gebe, und beide hätten den Wunsch, auf dem Weg zu grösserer sichtbarer Einheit voranzukommen, um ihrer selbst und ihrer gemeinsamen Sendung willen, erklärte er.
Im Namen der Mennotischen Weltkonferenz verwies Pfr. Matiku T. Nyitambe aus Musoma (Tansania) auf die ausgezeichneten Beziehungen zwischen MennonitInnen und LutheranerInnen in Afrika und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die gegenwärtigen Gespräche auf internationaler Ebene zu einer weiteren Annäherung der beiden Gemeinschaften führen könnten.
Neue Hoffnung
Monsignore Dr. Matthias Türk vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen überbrachte das Grusswort der römisch-katholischen Kirche. Er versicherte den LWB-Rat der tiefen Solidarität der römisch-katholischen Kirche im Kampf gegen die Zerstörung des Klimas, der natürlichen Ressourcen, der Menschheit und der Erde sowie gegen Armut und Krankheiten. Schönheit und Gesundheit der Natur „schmelzen so schnell und unwiderruflich dahin“. ChristInnen müssten eng zusammenarbeiten, „um dieser bedrohten und leidenden Welt neue Hoffnung zu geben, und dabei wahrhaft dem Beispiel unseres Herrn Jesus Christus folgen.“
Zum lutherisch/römisch-katholischen Dialog sagte Türk, beide Partner könnten voller Freude auf eine mehr als vierzigjährige Geschichte ökumenischer Dialoge zurückblicken, die unter anderem zur Annahme der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre geführt hätten. 2009 würden beide Kirchen gemeinsam den zehnten Jahrestag der Unterzeichnung dieser Erklärung feiern, so Türk.
„Es ist an der Zeit, die Früchte all dieser Jahre des intensiven Dialogs zu ernten. Wir müssen achtsam sein, dass sie nicht in Vergessenheit geraten oder dass alte anti-ökumenische Ideen, wie die der ‚grundlegenden Unterschiede’ – von denen wir geglaubt hatten, dass sie seit langem überwunden seien – nicht wieder auftauchen“, betonte Türk.
Lob für die Arbeit der ELKT
Das Grusswort der tansanischen Regierung überbrachte der Beauftragte für kommunale Entwicklung, Meshack Ndaskoi, der die anwaltschaftliche Arbeit des LWB für alternative und umweltschonende Energiequellen sowie für eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen in den Industriestaaten würdigte.
Ndaskoi lobte die ELKT, die „an vorderster Front zur Bereitstellung sozialer Dienste für die Menschen in Tansania und Arusha, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wasser und Strassen, beiträgt“. Er bekräftigte die fortdauernden Bemühungen der tansanischen Regierung, „ein positives Umfeld zu schaffen, in dem die Kirche und andere Akteure den Menschen noch besser helfen können“. (785 Wörter)
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An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha (Tansania) nahmen knapp 80 VertreterInnen von LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darüber hinaus waren rund 95 weitere Teilnehmende registriert, darunter DolmetscherInnen, Gäste, Mitarbeitende des LWB, PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes. Er tagt alle 12 bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde während der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg gewählt. Der Rat besteht aus dem Präsidenten, dem Schatzmeister sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repräsentieren.
Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT) ist die zweitgrösste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20 Diözesen der ELKT gehören rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die viertgrösste lutherische Kirche weltweit gehört seit 1964 zum LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.
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