Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

30.06.2008
Weltweite Nahrungskrise ist Realität und keine kurzfristige Anomalie
 

LWB-Rat regt Streichung von Subventionen für Biospritproduktion an

Arusha (Tansania)/Genf, 30. Juni 2008 (LWI)
– Tief besorgt hat sich der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) auf seiner Tagung im nordtansanischen Arusha über die jüngsten weltweiten aussergewöhnlichen Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel geäussert. Die Auswirkungen der Preissteigerungen beträfen die ärmsten und schwächsten Gemeinschaften und Menschen, Entwicklungsbemühungen sowie die politische Stabilität in den am meisten betroffenen Ländern, so der Rat am Montag, 30. Juni, auf seiner Tagung, die auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25. bis 30. Juni in Tansania stattfindet.

Die gegenwärtige Nahrungskrise sei eine Realität und keine kurzfristige Anomalie, so die Ratsmitglieder. Die Ursachen lägen in einer jahrelangen und tief verwurzelten politischen Praxis sowie struktureller Ungerechtigkeit, beispielsweise Zugang und Nutzung von Land, landwirtschaftliche Produktionsmethoden und -hilfen, Nutzung landwirtschaftlich produktiver Flächen für Biospritproduktion, internationaler Handel und Spekulationen mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Urbanisierung und wachsender Bedarf durch einen gehobenen Lebensstandard. Durch diese Entwicklung werde der Klimawandel noch verstärkt.

Die essentielle Aufgabe der Grundnahrungsmittelversorgung und Herstellung von Ernährungssicherheit könne nicht der Gnade des Marktes überlassen werden. Der Rat betonte, dass Förderung und Schutz des Rechtes auf Nahrung eine grundlegende Verantwortung der Regierung darstellten.

Besorgt äusserte sich der Rat auch über die ethische sowie die Verteilungsdimension von genmanipuliertem Saatgut und Organismen im Kontext der gegenwärtigen Ernährungskrise. Ernsthafte Zweifel wurden zum Ausdruck gebracht, ob solche umstrittenen Technologien tragfähige oder akzeptable Lösungen des Problems bieten könnten.
Der Rat forderte LWB-Generalsekretär Noko auf, sicherzustellen, „dass das LWB-Portfolio von Entwicklungsprojekten und -programmen einen Schwerpunkt auf die Förderung der Ernährungshoheit bei Grundnahrungsmitteln legt“.

Konkret regte der Rat an, dass sich sowohl die LWB-Mitgliedskirchen als auch das Generalsekretariat für relevante anwaltschaftliche und andere Massnahmen einsetzen, um die Lokalisierung der landwirtschaftlichen Produktion, insbesondere von Grundnahrungsmitteln, die Streichung von Subventionen für die Biospritproduktion, die Anerkennung und Umsetzung des Rechtes auf Nahrung sowie internationale Handelsregeln, die Ernährungshoheit und das Recht auf Nahrung nicht untergraben, zu fördern. (320 Wörter)

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An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha (Tansania) nehmen knapp 80 VertreterInnen von LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darüber hinaus sind rund 95 weitere Teilnehmende registriert, darunter DolmetscherInnen, Gäste, Mitarbeitende des LWB, PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes. Er tagt alle 12 bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde während der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg gewählt. Der Rat besteht aus dem Präsidenten, dem Schatzmeister sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repräsentieren.

Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT) ist die zweitgrösste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20 Diözesen der ELKT gehören rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die viertgrösste lutherische Kirche weltweit gehört seit 1964 zum LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.

 

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