Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

30.06.2008
Klimawandel ist dringliche Herausforderung in nie da gewesener Grössenordnung
 

LWB-Rat fordert theologische und ethische Beschäftigung mit Klimawandel

Arusha (Tansania)/Genf, 30. Juni 2008 (LWI) – Der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) hat auf seiner Tagung im nordtansanischen Arusha die Mitgliedskirchen dazu aufgerufen, sich im Bereich Klimawandel verstärkt theologisch und ethisch mit den Folgen des menschlichen Eingreifens in die Natur auseinanderzusetzen. Menschen sollten eher als „Mitgeschöpfe“ mit moralischer Urteilskraft denn als „Mitschöpfer“, die Vorrechte einfordern können, betrachtet werden, so die Ratsmitglieder am Montag, 30. Juni, auf ihrer Tagung, die auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) vom 25. bis 30. Juni in Tansania stattfindet. Die Ratsmitglieder regten weiter dazu an, von indigenen Bräuchen und traditioneller Weisheit zu lernen, um als Teil der Schöpfung ein nachhaltiges Leben zu führen.

Die Ratsmitglieder riefen dazu auf, „den Mitgliedskirchen die dramatische Dringlichkeit und noch nie da gewesene Grössenordnung der Herausforderung des Klimawandels und die Bedrohung, die er für die gesamte Menschheit und alle Geschöpfe der Erde darstellt, vor Augen (zu) führen.“

Die LWB-Mitgliedskirchen wurden vom Rat eindringlich dazu aufgefordert, „über das Klagen hinaus“ sofortige und wirksame Massnahmen zu ergreifen, insbesondere bei der Reduzierung der Emissionen, die durch ihre institutionellen Aktivitäten und Tätigkeiten (auch Reisen) produziert würden, und nachhaltigere Lebensstile und Verhaltensweisen ihrer Mitglieder zu fördern.

Der LWB-Generalsekretär und die Mitgliedskirchen wurden ersucht, gemeinsam mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und anderen ökumenischen und zivilgesellschaftlichen Partnern in angemessenen Foren wie beispielsweise den demnächst stattfindenden Sitzungen der UN-Klimakonferenz gezielt Anwaltschaft zu leisten. Ziel dieser Initiativen sei, eindeutige politische Verpflichtungen zu erreichen, um die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren.

Der LWB-Rat sprach sich weiterhin im Blick auf Stromerzeugung für einen schnellen Übergang von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen zu nicht-nuklearen erneuerbaren Energien sowie für die Einführung einer „Kohlenstoffsteuer“ aus.

Der Generalsekretär, die LWB-Mitgliedskirchen und die LWB-Länderprogramme wurden dazu aufgerufen, sich verstärkt mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Entwicklung und Armut in den schwächsten Gemeinschaften auseinanderzusetzen. Weiterhin sollen wirksame nationale und internationale Massnahmen für eine Anpassung und Abschwächung des Klimawandels gefördert werden.

Im Blick auf eine mögliche Reduktion von CO2-Emissionen im Zusammenhang mit LWB-Aktivitäten wurde der LWB-Generalsekretär gebeten, bis spätestens Anfang 2009 mithilfe angemessener LWB-Projekte ein Kompensationssystem für die durch LWB-Flugreisen verursachten CO2-Emissionen zu schaffen und alle Mitgliedskirchen einzuladen, dieses Kompensationssystem für Ihre Flüge zu verwenden. Darüber hinaus soll der LWB-Generalsekretär weitere Massnahmen ergreifen, um den „Kohlenstoff-Fussabdruck“ des LWB-Sekretariats zu reduzieren. (399 Wörter)

* * *

An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha (Tansania) nehmen knapp 80 VertreterInnen von LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darüber hinaus sind rund 95 weitere Teilnehmende registriert, darunter DolmetscherInnen, Gäste, Mitarbeitende des LWB, PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes. Er tagt alle 12 bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde während der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg gewählt. Der Rat besteht aus dem Präsidenten, dem Schatzmeister sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repräsentieren.

Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT) ist die zweitgrösste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20 Diözesen der ELKT gehören rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die viertgrösste lutherische Kirche weltweit gehört seit 1964 zum LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.

 

Sollten Sie diesen Artikel weiter bearbeiten oder einem bestimmten Format anpassen wollen, beachten Sie bitte folgende Hinweise zur Bearbeitung.

 

Kontakt zur LWI-Redaktion