Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

26.06.2008
Feierliche Eröffnung der LWB-Ratstagung im tansanischen Arusha
 

ELKT-Bischof Thomas O. Laiser: Es ist unsere Aufgabe, Licht und Salz für die Erde zu sein

Arusha (Tansania)/Genf, 25. Juni 2008 (LWI) – Mit einem feierlichen Eröffnungsgottesdienst wurde am Mittwochmorgen, 25. Juni, die diesjährige Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha (Nordtansania) eröffnet. In seiner Predigt forderte der tansanische Bischof Thomas O. Laiser die lutherische Gemeinschaft auf, Salz und Licht für die Erde zu sein. Laiser von der Diözese Arusha, die zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) gehört, betonte, dass es die vordringliche Aufgabe für alle Menschen sei, Verantwortung für die Natur zu übernehmen.

Der Rat tagt auf Einladung der ELKT vom 25. bis 30. Juni mit über 170 Teilnehmenden in Arusha und steht unter dem Thema „Schmelzende Schneekappe auf dem Kilimandscharo: Zeugnis inmitten der leidenden Schöpfung“.

Während des Eröffnungsgottesdienstes veranschaulichte ein grosses Bild des Kilimandscharo am Altarkreuz in der Kirche „Arusha Town Lutheran Church“ in Arusha das Thema der Ratstagung. Bischof Laiser betonte, dass „in den vergangenen Jahren mit grosser Sorge bemerkt und beobachtet wurde, dass der Schnee auf dem höchsten Berg in Afrika mit einer nie dagewesenen Geschwindigkeit als Resultat der Zerstörung der Umwelt wegschmilzt.“ Das Verschwinden der Wälder und die Ausrottung der Tiere sei das Ergebnis der Umweltzerstörung, die auch am Klimawandel und der globalen Erderwärmung erkennbar sei, die zur Schneeschmelze auf dem Kilimandscharo führe, legte Laiser dar.

In seiner Predigt zu Mt 5, 13-15 stellte Laiser die Bedeutung der zentralen Motive des Predigttextes für das Wohl und das Handeln aller Menschen heraus: „Im Allgemeinen sind die kleinen Attribute Licht und Salz Elemente, ohne die wir nicht leben können.“ Darüber hinaus erinnere der Predigttext „jeden Einzelnen von uns an die Bedeutung und Notwendigkeit, das Salz und das Licht für die ganze Welt zu werden“, um die Natur zu schützen.

Mit Bezug auf das Thema der Ratstagung erklärte Bischof Laiser, dass es auch gerade heute die Aufgabe von allen Menschen gemeinsam sei, die Schöpfung zu bewahren. „Das ist der Grund, warum Jesus seine Jünger aufforderte, Licht und Salz für die Welt zu werden, um den Weg anzuzeigen, wenn es dunkel ist, und um die Welt ihrer Zeit sicher zu machen gegen jegliche Form der Zerstörung, die ihnen begegnen könnte.“

Laiser, der nach eigenen Angaben zu den ostafrikanischen Massai gehört, die jahrelang in Harmonie mit der Natur gelebt hätten, betonte, dass jeder Christ und jede Christin ein Evangelist und eine Evanglistin sei und dass die ChristInnen gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung eintreten müssten: „Es ist eine unbestreitbare Tatsache: Wenn Männer und Frauen, jung und alt, sich zusammenschliessen, um Christus zu bezeugen, werden wir eine grosse Kraft des Evangeliums für die Bewahrung der gesamten Schöpfung entfalten.“

In seiner Predigt wies Laiser darauf hin, dass die ELKT im Jahr 2004 Stellung zur Frage der menschlichen Sexualität genommen habe. Für die ELKT sei es eine Tatsache, dass Homosexualität „nicht diskutierbar, und von daher nicht akzeptierbar“ sei. Damit sei jedoch nicht gesagt, dass es keine homosexuell lebenden Menschen in Afrika oder in Tansania gebe. Kritisch bewertete Laiser auch Versuche, Homosexualität unter dem Deckmantel der Menschenrechte in der Kirche offiziell zu machen.

Mit Blick auf aktuelle Situationen in afrikanischen Ländern betonte Bischof Laiser, dass die Menschen, die gegenwärtig unter den Ereignissen und Verletzungen der Menschenrechte in Darfur, Somalia und Simbabwe litten, „sehnsüchtig auf die prophetische Stimme der weltweiten lutherischen Gemeinschaft“ warteten. Besonders an diesen Orten des Leides solle „die Präsenz unseres Lichtes und Salzes spürbar sein“, betonte er.

In seiner Begrüssung erinnerte LWB-Präsident Bischof Mark S. Hanson die Teilnehmenden des Eröffnungsgottesdienstes an das während der LWB-Ratstagung im März 2007 im schwedischen Lund angenommene Dokument „Ehe, Familie und menschliche Sexualität. Vorgeschlagene Richtlinien und Verfahren für einen respektvollen Dialog“. Fragen der menschlichen Sexualität sollten innerhalb der weltweiten lutherischen Gemeinschaft nicht zu Trennungen führen. Hanson verwies in diesem Zusammenhang auch auf das Thema Polygamie, mit dem lutherische Kirchen in Afrika konfrontiert seien. Im Vorfeld der Ratstagung habe er bei seinen Besuchen lutherischer Kirchen in Kenia und Tansania von den Herausforderungen erfahren, vor denen Kirchen in diesem Zusammenhang stünden. „Gott hat uns das Geschenk der Einheit in Christus gemacht, aber er schenkt auch Verschiedenheit“, so der LWB-Präsident. „Lasst uns vereint sein durch das Evangelium, durch die gute Nachricht, die wir empfangen haben. Ich bete dafür, dass die Lutheraner und Lutheranerinnen erkennen, dass ihre Einheit auf dem Evangelium beruht.“

Hanson bedankte sich zudem für die Ausrichtung der Ratstagung in Arusha durch die ELKT und die den Gästen entgegengebrachte Gastfreundschaft. „Das ‚Karibu’ [Willkommen auf Kiswahili] ist sehr spürbar für uns.“ Durch die Gemeinschaft mit der ELKT habe der LWB viel gelernt, stellte Hanson heraus. „Die ELKT und so viele Kirchen im Süden lehren uns, was es heisst, eine evangelisierende Kirche zu sein, die die gute Nachricht von Jesus Christus verkündigt. Ihr erinnert uns daran, dass lutherisch zu sein, nicht nur evangelisch, sondern auch visionär zu sein, heisst. Diese Vision ist ganzheitlich.“

Musikalisch wurde der Eröffnungsgottesdienst von vier Chören aus der Diözese Arusha gestaltet, die in ihren Beiträgen das Thema der diesjährigen Ratstagung aufnahmen. (830 Wörter)

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An der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Arusha (Tansania) nehmen rund 85 VertreterInnen von LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil. Darüber hinaus sind rund 85 weitere Teilnehmende registriert, darunter DolmetscherInnen, Gäste, Mitarbeitende des LWB, PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes. Er tagt alle 12 bis 18 Monate. Der aktuelle Rat wurde während der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg gewählt. Der Rat besteht aus dem Präsidenten, dem Schatzmeister sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repräsentieren.

Die gastgebende Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELKT) ist die zweitgrösste lutherische Kirche in Afrika. Zu den 20 Diözesen der ELKT gehören rund 4,6 Millionen Mitglieder. Die viertgrösste lutherische Kirche weltweit gehört seit 1964 zum LWB. Leitender Bischof der Kirche ist Alex G. Malasusa.

 

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