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Kirchen müssen sich ehrlich ihrer Verantwortung stellen
Genf, 15. Juni 2008 (LWI) – Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Dr. Ishmael Noko, hat die öffentliche Entschuldigung der kanadischen Regierung an die First Nations begrüsst. Die öffentliche Entschuldigung von Premierminister Stephen Harper stelle ein bedeutsames Anzeichen für die Bereitschaft der kanadischen Regierung dar, sich mit dem schmerzlichen Erbe der Ungerechtigkeiten gegen die indigenen Völker auseinanderzusetzen.
Am 11. Juni bot Premierminister Harper ehemaligen SchülerInnen von indianischen Internaten, die zwischen 1870 und 1970 von der Regierung und religiösen Gruppen betrieben wurden, eine öffentliche Entschuldigung an und bezeichnete die „aggressive Assimilationspolitik“ als ein trauriges Kapitel in der kanadischen Geschichte.
In einer Erklärung äusserte der LWB-Generalsekretär die Hoffnung, dass diese Entschuldigung Kanadas wie auch die des australischen Ministerpräsidenten Kevin Rudd im Februar dieses Jahres dazu dienen mögen, die Anerkennung der indigenen Bevölkerung und ihres Leidens auch in anderen Teilen der Welt auszulösen.
„Eine ehrliche Prüfung der in der Vergangenheit zugefügten Wunden ist ein notwendiger Schritt zur Heilung der Erinnerungen. Ich bete darum, dass diese Entschuldigungen einen Prozess der Offenheit und der tiefer gehenden Aussöhnung zwischen indigenen und nicht-indigenen Völkern in Kanada und Australien einleiten mögen“, so Noko.
Er bedankte sich bei den Leitungen der lutherischen Kirchen in Australien und Kanada dafür, dass sie sich öffentlich für die offiziellen Entschuldigungen ihrer jeweiligen Regierungen ausgesprochen hätten. Dies sei ein Beleg, dass sich auch die Kirchen für Aussöhnung einsetzten.
„Bei diesem Prozess müssen sich die Kirchen offen und ehrlich ihrer Verantwortung stellen, um Heilung zu bringen und zu erfahren“, betonte Noko. (261 Wörter)
Im Folgenden finden Sie den vollständigen Text der Erklärung von LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko:
Erklärung des LWB-Generalsekretärs, Pfr. Dr. Ishmael Noko, zur Entschuldigung der kanadischen Regierung an die First Nations
Ich begrüsse die am 11. Juni 2008 vom kanadischen Premierminister Stephen Harper veröffentlichte Entschuldigung für die Misshandlungen, die an Kindern der First Nations, der Inuit und der Métis in staatlich finanzierten Internaten in Kanada begangen wurden. Dieses bedeutende Zugeständnis der Verantwortung ist das zweite seiner Art, nachdem sich der australische Ministerpräsident Kevin Rudd im Februar dieses Jahres für politische Massnahmen entschuldigt hatte, mit denen den Aborigines in Australien schweres Leiden zugefügt worden war.
Ich glaube, dass solche offiziellen Bekenntnisse von Verantwortung und Reue nicht nur eine historische und symbolische Bedeutung haben. Es ist der Beginn der Auseinandersetzung mit den Ungerechtigkeiten und Haltungen der Vergangenheit – und wenn diese nicht stattfindet, werden Leiden und Diskriminierung immer weiter gehen. Diese Erklärungen beweisen eine zunehmende Reife und Bereitschaft in beiden Ländern, sich dem schmerzlichen Erbe im Blick auf Ungerechtigkeiten gegen die indigenen Völker zu stellen.
Eine ehrliche Prüfung der in der Vergangenheit zugefügten Wunden ist ein notwendiger Schritt zur Heilung der Erinnerungen. Ich bete darum, dass diese Entschuldigungen einen Prozess der Offenheit und der tiefer gehenden Aussöhnung zwischen indigenen und nicht-indigenen Völkern in Kanada und Australien einleiten mögen. Dankbar bin ich dafür, dass sowohl Bischöfin Susan Johnson, Nationalbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada, als auch Pfr. Michael Semmler, Präsident der Lutherischen Kirche Australiens, die offiziellen Entschuldigungen ihrer jeweiligen Regierungsoberhäupter unterstützt und den Einsatz der lutherischen Kirchen in Kanada und Australien für das Bemühen um Aussöhnung unterstrichen haben. Bei diesem Prozess müssen sich die Kirchen offen und ehrlich ihrer Verantwortung stellen, um Heilung zu bringen und zu erfahren.
Ich bete darum, dass diese Initiativen auch dazu dienen, indigene Völker und ihre Leiden in anderen Teilen der Welt anzuerkennen, in denen das gegen sie verübte Unrecht – oder sogar ihre Existenz als Völker – noch nicht zur Kenntnis genommen werden.
Genf, 13. Juni 2008
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