Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

28.02.2008
Erforschung von Fragen zu Glaube und Lehre angesichts neuer religiöser Strömungen
 

LWB-Seminar für theologische Lehrkräfte aus Asien

Hongkong (China)/Genf, 28. Februar 2008 (LWI)
– Theologische Fragen, die durch neue religiöse Strömungen in verschiedensten Kontexten aufgeworfen werden, standen im Mittelpunkt eines Seminars des Lutherischen Weltbundes (LWB), das 22 theologische Lehrkräfte vor allem aus dem asiatischen Raum zusammenbrachte.

„Was glauben, lehren und praktizieren wir angesichts neuer religiöser Strömungen heute?“ lautete der Titel des Seminars, das von der LWB-Abteilung für Theologie und Studien (ATS) organisiert wurde. Es fand vom 27. Januar bis 2. Februar im Lutheran Theological Seminary und dem Tao Fung Shan Christian Centre in Hongkong (China) statt. Das Seminar beschäftigte sich auch mit Fragen, die häufig in den theologischen Debatten nicht vorkommen, wie beispielsweise die ganz alltäglichen Überlebensprobleme der Menschen.

„Die Globalisierung wirft Fragen der Identität auf, insbesondere wenn wir in einer Minderheitensituation die Frage stellen, wer wir sind“, betonte Dr. Martin Sinaga, Dozent am Jakarta Theological Seminary in Indonesien. Dr. Chung Song Mee, Dekanin und Dozentin für Kirchengeschichte am Sabah Theological Seminary in Malaysia, beschrieb den Einfluss der charismatischen Bewegung auf Kirchen in Sabah und wie die theologische Ausbildung damit umgehen solle.

Der Brasilianer Dr. Vitor Westhelle, Professor für Systematische Theologie an der Lutheran School of Theology in Chicago (Illinois/USA), verwies auf die steigende Anzahl lutherischer ChristInnen im Süden und auf die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind. Nicht traditionelle NachbarInnen und neue Formen der Religiosität „haben Auswirkungen auf Theologie und kirchliche Praxis, deren Bandbreite wir erst ansatzweise erkennen und die das Aussehen des Luthertums verändern werden“, betonte er.

Kontextualisierung

Für Westhelle stellt sich angesichts erstarrter lutherischer Lehren und der fehlenden Verknüpfung mit ihren Kontexten die Frage, ob „die Gestalt des Luthertums verändert werden kann, und ob daraus neue Erfahrungen entstehen können“. Der Schlüssel, so Westhelle, „ist nur dann ein wirkliches Geschenk, wenn er das Schloss öffnet, das unser Leben gefangen hält“.

Pfr. Yovan Beno, der am Mennonite Brethren Centenary Bible College in Shamshabad (Indien) Theologie und Ethik lehrt, merkte an: „Unsere Theologie sieht manchmal wie ein Werbeslogan aus; sie muss mehr an Beziehungen, Dialog und Diakonie ausgerichtet sein.“ Dr. Sarojini Nadar von der University of KwaZulu-Natal (Südafrika) betonte erneut die Bedeutung „kritischer“ Kontextualisierung christlicher Theologie und wies darauf hin, dass manche Aspekte indigener Kulturen und Praktiken wegen ihrer schädlichen Auswirkungen vor allem auf Frauen kritisiert werden müssten.

Pfr. Basil Schild von der Lutherischen Kirche Australiens, der mit der indigenen Bevölkerung Australiens, den Aborigines, arbeitet, zitierte einen zu den Aborigines gehörenden Pfarrer, der im Wüstengebiet im Zentrum Australiens arbeitet: „Es ist so langweilig hier, immer nur darauf zu warten, dass Jesus kommt; ich möchte lieber sterben, dann wird es besser.“ Schild sprach sich für eine Theologie des Überlebens aus.

Diskutiert wurden während des Seminars auch grundlegende theologische Fragen: Wie Wohlergehen und materieller Segen aus der Perspektive lutherischer Theologie und wie Beziehungen zu Verstorbenen zu verstehen sind; wie lebendige, kreative und kritische Gottesdienstformen entwickelt werden können und wie christliche Gemeinschaften mit religiösen und politischen Bedrohungen ihrer Existenz umgehen.

Dr. Samuel Ngun Ling vom Myanmar Institute of Theology (Myanmar/Birma) versicherte, dass dort ChristInnen täglich Bedrohungen seitens der Regierung ausgesetzt seien, was auch damit zusammenhänge, dass die birmanische Identität mit einer buddhistischen Identität gleichgesetzt werde. Sein Schwerpunkt auf interreligiösem Dialog in diesem Kontext war Thema eines der diskutierten Referate.

Andere Teilnehmende kamen aus Hongkong, Japan, Madagaskar, Malawi, Papua-Neuguinea, Schweden und Tansania. Laut ATS-Direktorin Pfarrerin Dr. Karen Bloomquist und Pfarrerin Simone Sinn, theologische Assistentin der Abteilung, hat das Seminar den TheologInnen geholfen, „über eine Phase der Inkulturation in der Theologie hinauszugehen in Richtung auf mehr interkulturelle Kritik und die Transformation theologischer Überzeugungen“.

Einige der Präsentationen und Elemente aus der Gruppenarbeit des ATS-Seminars werden im dritten Band der LWB-Reihe „Theologie im Leben der Kirche“ veröffentlicht. Das nächste theologische Seminar für den globalen Süden wird im Juli 2008 in Südafrika stattfinden. (634 Wörter)

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte via E-Mail an ATS-Direktorin Pfarrerin Dr. Karen Bloomquist

 

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