Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

28.02.2008
Kamerun: Tausende Flüchtlinge aus dem Tschad haben Angst vor Rückkehr in ihre Heimat
 

LWB kümmert sich um Flüchtlinge in Kirchen und Krankenhäusern

Koukou (Ost-Tschad)/Genf, 28. Februar 2008 (LWI)
– Laut einem Vertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) im Tschad haben Tausende tschadische Flüchtlinge Angst vor einer Rückkehr in ihre Heimat. Anfang Februar waren sie aus ihrer Heimatstadt N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, ins benachbarte Kamerun geflohen, nachdem RebellInnen die Hauptstadt angegriffen hatten. Jetzt fürchteten sie um ihre Sicherheit, zumal der landesweite Notstand ausgerufen wurde, so Jaap Aantjes, Regionalverantwortlicher für die neuen Programme der LWB-Abteilung für Weltdienst (AWD) in Ostafrika, zu denen auch die Aktivitäten im Tschad zählen.

„Kirchen, Wohnhäuser und Krankenhäuser in Kousseri sind bis zum Limit belegt, um der Lage Herr zu werden“, berichtet Aantjes. Mitte Februar erfuhr er bei einem Besuch der im Norden Kameruns gelegenen Grenzstadt Kousseri, dass viele Flüchtlinge noch immer auf öffentlichen Plätzen lagern, während sie darauf warten, dass der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) sich mit ihrer Situation beschäftigt und sie in Lagern Aufnahme finden, die gegenwärtig noch errichtet werden.

Der RebellInnenangriff auf die Hauptstadt N’Djamena forderte 160 Menschenleben, viele wurden verwundet und Tausende vertrieben. Nachdem die tschadische Armee die RebellInnen vertrieben hatte, rief die Regierung Mitte Februar einen zweiwöchigen Notstand aus.

Während der heftigsten Kämpfe suchten laut UNHCR und dem kamerunischen Roten Kreuz etwa 30.000 TschaderInnen Zuflucht in Kirchen, Wohnhäusern und Krankenhäusern in Kousseri. Seit es etwas ruhiger geworden ist, sind viele zurückgekehrt. Bereits während des Besuchs von Aantjes Mitte Februar in Nord-Kamerun war die Zahl der in Kirchen Untergekommenen nach und nach von über 6.500 auf etwa 3.000 zurückgegangen.

Das AWD-Büro im Tschad arbeitet eng mit der internationalen kirchlichen Hilfsaktion ACT International (Action by Churches Together – Kirchen helfen gemeinsam) und der Lutherischen Brüderkirche Kameruns (Eglise fraternelle luthérienne du Cameroun – EFLC) zusammen, um den Flüchtlingen Nothilfe zu leisten.

Der EFLC-Präsident Pfr. Robert Goyek Daga berichtet, die LWB-Mitgliedskirche und andere Kirchen hätten trotz ihrer begrenzten Ressourcen schnell auf die Lage in Nord-Kamerun reagiert. Hilfe von aussen sei aber weiterhin nötig.

Obwohl die Sicherheitslage im Februar eine Einschränkung der AWD-Aktivitäten im Ost-Tschad und eine zeitweilige Verminderung der Zahl der Mitarbeitenden erforderlich machte, ist die Arbeit mittlerweile wieder aufgenommen worden. Dazu zählt auch der Abschluss einer AWD-Mission in den Süden mit dem Ziel, die Situation von Flüchtlingen aus der Zentralafrikanischen Republik zu evaluieren.

Die Hilfsleistungen der AWD für über 45.000 Binnenvertriebene im Ost-Tschad umfasst die Leitung von Flüchtlingslagern, psychosoziale Betreuung für Binnenflüchtlinge und Unterstützung für die Aufnahmegebiete, in denen die Lager Habile und Aradib im Grenzgebiet zur westsudanesischen Region Darfur liegen.

Der LWB ist durch die AWD in 36 Ländern in Afrika, Asien, Europa, Latein- und Mittelamerika aktiv. Dies geschieht durch vier regionale und 15 Länderprogramme sowie durch Nothilfeoperationen.

Der LWB ist Gründungsmitglied von ACT International, einem weltweiten Bündnis von Kirchen und Partnerorganisationen, die weltweit Leben retten und Gemeinschaften in Not unterstützen. Der Sitz der Organisation befindet sich in Genf. (483 Wörter)

 

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