Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

16.10.2007

LWB-Präsident Hanson beantwortet Brief muslimischer Religionsführer

Aufruf zu intensiveren gemeinsamen Friedensbemühungen

Chicago (USA)/Genf, 16. Oktober 2007 (LWI)
- Bischof Mark S. Hanson, Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA) und Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), hat dazu aufgerufen, aktiv daran zu arbeiten, "dass Gemeinschaften der Gerechtigkeit, des Friedens und der Sicherheit entstehen, in denen MuslimInnen, Juden und Jüdinnen sowie ChristInnen aus den Ursprungsdokumenten ihres Glaubens und auch aus den fundamentalen Quellen lebendigen Wassers schöpfen."

Hanson reagierte damit auf ein Schreiben, das ihm und mehreren anderen internationalen KirchenvertreterInnen von 138 muslimischen Religionsführern aus aller Welt am 11. Oktober zugestellt worden war. In dem 29-seitigen offenen Brief mit der Überschrift "Ein Wort des Ausgleichs zwischen euch und uns" werden MuslimInnen und ChristInnen zu engerer Zusammenarbeit für den Frieden aufgerufen.

Hier finden Sie den vollständigen Text des offenen Briefs von 138 muslimischen Religionsführern aus aller Welt in englischer Sprache im Format PDF.

Lesen Sie nachstehend das vollständige Antwortschreiben von Bischof Mark S. Hanson:

Ich grüsse Sie im Namen des Allmächtigen Gottes, unseres Schöpfers und Erhalters.

Am 11. Oktober wurde mir von muslimischen Gelehrten und leitenden Religionsvertretern die Kopie eines Briefes überreicht, der sich an leitende christliche RepräsentantInnen in aller Welt richtet. Als Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika und Präsident des Lutherischen Weltbundes nehme ich diesen Brief als aufrichtiges Glaubenszeugnis und in der Hoffnung entgegen, dass wir dem Ruf nach Frieden, der uns seit altersher aus unseren heiligen Schriften und Glaubensbekenntnissen erreicht, Folge leisten. Lasst uns beten und aktiv daran arbeiten, dass Gemeinschaften der Gerechtigkeit, des Friedens und der Sicherheit entstehen, in denen MuslimInnen, Juden und Jüdinnen sowie ChristInnen aus den Ursprungsdokumenten ihres Glaubens und auch aus den fundamentalen Quellen lebendigen Wassers schöpfen.

Der Brief gibt Zeugnis von der Liebe zu Gott wie auch von unserem gemeinsamen Erbe wahrer Gastfreundschaft gegenüber unseren Nächsten. Diese Gebote der Gottes- und der Nächstenliebe legen prophetisches Zeugnis davon ab, dass ChristInnen und MuslimInnen von Gott den zentralen Auftrag erhalten haben, in friedlicher Koexistenz miteinander zu leben. Der Brief zeigt ferner auf, wie diese beiden Gebote "in Qur'an, Torah und Neuem Testament" miteinander verbunden werden. Ich ermutige alle Menschen überall auf der Welt, die Schönheit dieser Verse zu spüren, die in den heiligen Schriften der abrahamitischen Religionen zu uns sprechen und uns Gottes Vision von der Liebe - wie wir und wen wir in einer zerbrochenen Welt lieben sollen - zeigen. Diese Vision, die Juden und Jüdinnen, MuslimInnen und ChristInnen miteinander teilen, beinhaltet Treue zu Gott und Gemeinschaft in einer Welt, in der Konflikte unser gemeinsames Erbe als Kinder Gottes beschädigen.

Im Jahr 2005 bin ich zusammen mit einer LWB-Delegation, der auch Generalsekretär Ishmael Noko angehörte, mit seiner Königlichen Hoheit Prinz Ghazi, persönlicher Gesandter und Sonderberater von König Abdullah II. von Jordanien, zusammengetroffen. Unsere Delegation war dankbar für die aufrichtige Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die uns in unserem Gespräch entgegengebracht wurde. Die Delegation sprach mit Prinz Ghazi ausführlich über die Ursprünge der abrahamitischen Religionen, die in diesem Teil der Welt liegen. In einer weiteren Begegnung erklärte Akel Biltaji, Berater Seiner Majestät des Königs: "Es ist für uns eine grosse Ehre, Diener und Hüter der Heiligen Stätten zu sein."

Ich nehme diesen Brief voller Dank und im Bewusstsein entgegen, dass wir uns noch intensiver mit ihm auseinandersetzen müssen. Ich nehme ihn ferner in der Überzeugung an, dass Juden und Jüdinnen, MuslimInnen und ChristInnen aufgerufen sind zusammenzukommen, wie zu einer heiligen Stätte, an der Gottes lebendige Offenbarung in der Welt von den Gläubigen mit Ehrfurcht - und nicht in Angst vor ihren Nächsten - empfangen wird.

Ich bitte Gott um seinen fortwährenden Segen für MuslimInnen, Juden und Jüdinnen und ChristInnen gleichermassen und sage ihm Dank für die Zeichen der Weisheit und der Demut, die unter ihren leitenden VertreterInnen zum Ausdruck kommen.

Bischof Mark S. Hanson
Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika
Präsident des Lutherischen Weltbundes

(Nach ELKA News Service)


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