Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

22.06.2007
Schweden: LutheranerInnen tagten in aufstrebender Wirtschaftsregion
 

Beschaulicher Gründungsort des LWB ist heute Teil eines Wirtschaftszentrums

Lund (Schweden)/Genf, 22. Juni 2007 (LWI)
– Sieben Tage lang hat der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) im schwedischen Lund getagt. 60 Jahre nach ihrer Gründung kehrte die heute 140 Kirchen umfassende und in Genf ansässige weltweite Gemeinschaft vom 20. bis 27. März an ihre Wurzeln zurück. Teilnehmer des ersten Treffens im Jahr 1947 erinnern sich daran, dass Lund damals noch ein fast verschlafenes Städtchen war. Das hat sich grundlegend geändert.

Zurückgekehrt sind die rund 500 TeilnehmerInnen der LWB-Ratstagung, die eine KirchenleiterInnenkonsultation sowie die Feierlichkeiten aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des LWB einschloss, in eine Stadt, die zu einer skandinavischen Boomregion gehört. Und wie es sich im zusammenwachsenden Europa versteht, ist diese Wirtschaftsregion länderübergreifend.

Mit dem Bau der Öresund-Brücke zwischen Dänemark und Schweden ist ein Zentrum mit 3,5 Millionen EinwohnerInnen entstanden, zu dem die dänische Hauptstadt Kopenhagen sowie Malmö und Lund in Schweden zählen. Täglich würden heute 10.000 DänInnen zur Arbeit nach Schweden kommen, heisst es.

Die Zahl der EinwohnerInnen Lunds hat sich von rund 35.000 im Jahr 1947 bis heute nahezu verdreifacht. Die Stadt beherbergt die grösste Universität Schwedens mit 30.000 StudentInnen, die damit ein Drittel der Bevölkerung Lunds stellen. In direkter Nachbarschaft zur Hochschule liegt die Kathedrale von Lund, die schon 1947 ein zentraler Ort der Zusammenkunft für die GründerInnen des LWB war.

Von Anfang an war der imposante Sandsteinbau in Lund geistliches Zentrum für Schweden. Mit dem Bau des 1145 geweihten Gotteshauses wurde schon 1104 begonnen. Der damalige Bischof war das geistliche Oberhaupt ganz Skandinaviens. Mit der Reformation im 16. Jahrhundert verlor die katholische Kirche Lunds ihre machtvolle Stellung.

Die Stadt besass bis dahin mit 27 Kirchen die höchste Zahl von Gotteshäusern in Nordeuropa. Fast alle wurden im Zuge der Reformation abgebrochen. Die Kathedrale blieb Wahrzeichen der Stadt. Sechs Jahrzehnte später haben die LutheranerInnen wieder in der Kathedrale gesungen und gebetet. BesucherInnen aus der ganzen Welt kommen heute in die Kirche. Berühmt ist sie für ihre astronomische Uhr von 1425.

Aber nach dem Willen der Verantwortlichen der lutherischen Kirche vor Ort soll die Kathedrale kein Museum werden. „Wir versuchen sie zu einem lebendigen Gotteshaus zu machen“, heisst es. Dass das gelingt, zeigt die Zahl der GottesdienstbesucherInnen. 80.000 kommen jedes Jahr. Rund zwei Dutzend Gottesdienste finden pro Woche statt.

Lund hat sich immer noch eine gewisse Beschaulichkeit bewahrt im Vergleich zum pulsierenden Malmö mit mehr als 280.000 EinwohnerInnen. Die lutherische Kirche Schwedens versucht Antworten zu finden auf die Herausforderungen der sich rasant wandelnden Gesellschaft. So gibt es eine grosse Zahl von MigrantInnen in Malmö, die in ihren eigenen Vierteln leben mit wenig Bezug zur schwedischen Gesellschaft.

Malmö beschreibt die für die Diözese Lund zuständige Bischöfin Christina Odenberg als schwierige Region für die Kirche. Sie verweist als Beispiel auf die EinwandererInnen aus Afrika oder vom Balkan. Sie in besonderen Vierteln anzusiedeln, sei politisch falsch, kritisiert sie und verweist auf die Gefahr der Ghettobildung.

Die Kirche müsse einen Beitrag zur Integration dieser Menschen leisten, so die Theologin. Zum Beispiel wurden SozialarbeiterInnen drei Jahre in die entsprechenden Viertel geschickt, um eingewanderte und schwedische Jugendliche zusammenzubringen. Sie bauten auch Beziehungen zu den örtlichen Moscheen auf.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die vom Aufschwung profitieren. Der augenfälligste Beleg dafür ist das westliche Hafenviertel in Malmö, das ähnlich wie die Londoner Docklands zur exklusiven Wohngegend geworden ist.

Das ehemalige Industriegebiet erlebte nach der Krise der Werftindustrie einen kontinuierlichen Niedergang. Von den einst 5.000 Beschäftigten der Schiffsbranche sind noch 1.000 übrig geblieben.

Doch inzwischen haben sich hier viele neue Firmen, zum Beispiel aus der Computerbranche, angesiedelt. 15.000 Menschen fanden so Arbeit. Genauso viele sollen künftig in dem Viertel leben. Doch eine Kirche wurde hier bisher nicht gebaut. So tut sich die Kirche nicht leicht, einen Zugang zu den Menschen zu finden.

Mittendrin im westlichen Hafenviertel steht das neue Wahrzeichen des Wohlstands – der „Turning Torso“, ein futuristisch anmutender Bau, der 2005 fertig gestellt wurde. 54 Stockwerke hoch windet sich der schlanke Turm in die Höhe. In den unteren Stockwerken sind Büros, in den restlichen liegen 147 Wohnungen, die nach Angaben der BesitzerInnen innerhalb kürzester Zeit vermietet waren. Noch stehen bis zu 400 Menschen auf der Warteliste, die einziehen wollen, denn die Gegend ist sehr gefragt. (705 Wörter)

(Ein Beitrag von Rainer Lang, Stuttgart, Deutschland.)

 

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