Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

24.03.2007
UN-Beauftragter Ahtisaari drängt auf Lösung der Kosovofrage
 

LWB-Ratstagung in Lund (Schweden)
20. bis 27. März 2007

PRESSEMITTEILUNG NR: 08

UN-Beauftragter Ahtisaari drängt auf Lösung der Kosovofrage

Früherer finnischer Präsident: Kirche soll ihre Rolle als moralische Autorität nutzen

Lund (Schweden)/Genf, 24. März 2007 (LWI)
– Der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari hat an den UN-Sicherheitsrat appelliert, die seit Jahren offene Frage des künftigen Status des Kosovo zu lösen. Die Verhandlungsmöglichkeiten seien erschöpft, bedauerte der UN-Beauftragte für die frühere jugoslawische Provinz am Samstag, 24. März, vor den rund 500 Teilnehmenden der KirchenleiterInnenkonferenz und Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) im schwedischen Lund. Der LWB feiert an seinem Gründungsort zugleich sein 60-jähriges Bestehen.

Der prominente Gastredner betonte, dass die Statusfrage der von der UN verwalteten Provinz dringend gelöst werden müsse, um den Balkan acht Jahre nach Ende des jugoslawischen Bürgerkriegs zu stabilisieren. Der Politiker, der nach anderthalb Jahren ergebnisloser Verhandlungen eine weit gehende Autonomie des Kosovo vorschlug, bedauerte, dass sein Kompromiss abgelehnt wurde. Serbien wolle, dass das Kosovo serbische Provinz bleibe, die PolitikerInnen im Kosovo bestünden auf Unabhängigkeit.

Ahtisaari rief die EuropäerInnen dazu auf, in der Kosovofrage eine einheitliche Position zu beziehen. Ausserdem müssten sie den EU-Beitritt der Balkanstaaten, auch von Serbien und des Kosovo, weiter mit Nachdruck betreiben, um die Region langfristig zu stabilisieren. Weder eine Rückkehr unter serbische Herrschaft gegen den Willen der überwältigenden Mehrheit im Kosovo noch die Fortführung der politischen und rechtlichen Ungewissheit unter internationaler Verwaltung sind für Ahtisaari lebensfähige Alternativen.

Besonderen Nachdruck legte der Politiker auf die Rolle der Religionen und den religiösen Konflikt im Kosovo. Er erinnerte daran, dass er weit gehende institutionelle Garantien für die serbisch-orthodoxe Kirche sowie zusätzlichen Schutz vor gewaltsamen Übergriffen, Zerstörung und Vertreibung durch die muslimische albanische Mehrheit gefordert habe. Als inakzeptabel bezeichnete er Gewalt gegen Kirchen und Klöster. Ahtisaari betonte, dass die Kirche ihre Rolle als moralische Autorität nutzen solle und sich nicht durch die Politik instrumentalisieren lassen dürfe. Er erinnerte auch an die Zerstörung vieler muslimischer Stätten schon vor dem Bürgerkrieg.

In der EU hält Ahtisaari institutionelle Reformen für dringend erforderlich. Durch die Erweiterung auf 27 Staaten sei die politische Identität der Gemeinschaft in Gefahr. „Wir müssen das europäische Projekt neu auf den Weg bringen“, sagte der Politiker einen Tag vor den Feiern zum 50-jährigen Bestehen der EU. Die Kirche könne dabei eine wichtige Rolle spielen. Ein wesentlicher Pfeiler sei der interreligiöse Dialog, so Ahtisaari.

Ausserdem müsse die EU die vor anderthalb Jahren begonnenen Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ernsthaft führen. Ein Scheitern wäre nicht nur in geopolitischer Hinsicht problematisch. Dies hätte auch negative Auswirkungen auf die in der EU lebenden MuslimInnen, so Ahtisaari in seiner Rede zum europäischen Haus. Ein Scheitern hätte auch katastrophale Folgen für die Lösung der Zypernfrage zwischen Griechenland und der Türkei. Dazu hält es Ahtisaari für schwierig, den prognostizierten wachsenden Mangel an Arbeitskräften in der EU zu lösen, ohne die Mitgliedschaft der Türkei und der Ukraine zu erwägen. (460 Wörter)

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Die LWB-Ratstagung, die eine KirchenleiterInnenkonsultation sowie die Feierlichkeiten aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des Lutherischen Weltbundes einschliesst, findet auf Einladung der Schwedischen Kirche vom 20. bis 27. März in Lund (Schweden) statt. Zu den Teilnehmenden gehören neben VertreterInnen der LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen, unter ihnen mehr als 100 lutherische KirchenleiterInnen, auch DolmetscherInnen, Gäste, Mitarbeitende des LWB, PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes. Der aktuelle Rat wurde während der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg gewählt. Der Rat besteht aus dem Präsidenten, dem Schatzmeister sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repräsentieren.

 

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