Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

21.03.2007
Lutherischer Weltbund hat sich zu einer wahrhaft weltweiten Kirchengemeinschaft entwickelt
 

LWB-Ratstagung in Lund (Schweden)
20. bis 27. März 2007

PRESSEMITTEILUNG NR: 03

Lutherischer Weltbund hat sich zu einer wahrhaft weltweiten Kirchengemeinschaft entwickelt

LWB-Präsident Hanson: Stimme gegen Nutzung religiöser Überzeugungen für Rechtfertigung von Gewalt und Unterdrückung erheben

Lund (Schweden)/Genf, 21. März 2007 (LWI)
– Als „Teil einer neuen Konstellation der Hoffnung“ hat der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Mark S. Hanson, die Gründung des LWB vor 60 Jahren gewürdigt. Zum Auftakt eines KirchenleiterInnentreffens in Lund (Schweden), dem ersten Versammlungsort des LWB, wies Hanson darauf hin, dass der Weltbund „mehr als ein einziges Licht in der Dunkelheit“ gewesen sei, obwohl damals ein „neuer ,kalter’ Krieg begann“, der der Welt neue Spaltungen und Spannungen brachte.

Die KirchenleiterInnenkonsultation in Lund (Schweden), die in die Tagung des LWB-Rates sowie die Feierlichkeiten aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des Lutherischen Weltbundes eingebettet ist, hat rund 500 Teilnehmende, unter ihnen mehr als 100 lutherische KirchenleiterInnen. Sie findet auf Einladung der Schwedischen Kirche vom 20. bis 27. März in Lund (Schweden) statt.

Der LWB habe sich seit 1947 stark verändert, betonte Hanson in seiner Ansprache. „Wir haben uns von einem vorwiegend euroamerikanischen Weltbund zu einer wahrhaft weltweiten Kirchengemeinschaft entwickelt, einer Gemeinschaft, die nicht mehr von einer überwältigenden Mehrheit älterer Männer geleitet wird, sondern Frauen und Jugendliche einbezieht.“ Allerdings müsse noch sehr viel getan werden, um Frauen und die Jugend vollständig in die gesamte Leitung des LWB und den Stab zu integrieren. Weiterhin beziehe sich das Engagement des LWB nicht mehr allein auf die lutherische Weltgemeinschaft und die Ökumene, sondern gelte auch dem interreligiösen Dialog.

Wie schon vor 60 Jahren, als jeder sechste Flüchtling LutheranerIn war, seien die diakonischen Aktivitäten des LWB „wichtiger denn je“. Als Organisation, die mit an vorderster Stelle Nothilfe leiste, sei der Weltbund in der ganzen Welt anerkannt. Seine Bemühungen kämen auch denen zu Gute, die gegen Armut sowie HIV und AIDS kämpften.

„Während die wirtschaftliche Globalisierung weiterhin einigen wenigen nutzt und zu immer grösserer Abhängigkeit führt, verlangt sie denen, die arm sind und unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, häufig einen hohen Preis ab“, so LWB-Präsident Hanson. Die fehlende Bereitschaft in der westlichen Welt, ihren konsumorientierten Lebensstil zu ändern und auf wirtschaftliche Profite zu verzichten, habe die Schöpfung an den Rand eines Ökozids gebracht. Dass die Welt heute stärker vernetzt und untereinander abhängig sei, reiche nicht aus, um Frieden zu schaffen. „Die schwierige Arbeit für Versöhnung und Gerechtigkeit ist und bleibt dringender denn je“, bekräftigte Hanson.

In seiner Rede rief er dazu auf, sich mit Entschlossenheit für einen dauerhaften und gerechten Frieden zwischen PalästinenserInnen und Israelis, für die Beendigung des Genozids in Darfur, für einen dauerhaften Frieden im Irak, dem Nahen Osten, in Afghanistan und in allen Konfliktgebieten einzusetzen. „Lasst uns unsere Stimme gegen die Benutzung religiöser Überzeugungen für die Rechtfertigung von Gewalt und Unterdrückung erheben“, appellierte Bischof Hanson an die Versammlung der KirchenleiterInnen.

Es bestehe Einigkeit in der Ablehnung des Terrorismus, aber es gelte auch, „denjenigen entgegenzutreten, die versuchen, uns zu Sklaven und Sklavinnen der Angst zu machen, indem sie den Terrorismus zur alles bestimmenden globalen Realität erklären, gegen die mit allen Mitteln gekämpft werden muss“. Angst führe dazu, Grenzen zu befestigen, Mauern zu errichten. Der Glaube hingegen befreie dazu, „uns wirtschaftlichen, politischen und religiösen Strukturen, die Macht und Privilegien aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht und Klassenzugehörigkeit festschreiben, entgegenzustellen und sie zu ändern“. Der Glaube befreie auch dazu, unser Schweigen und unsere Stigmatisierung von Menschen mit HIV und AIDS zu beenden und Werkzeuge der Heilung, Bildung und anwaltschaftlichen Arbeit zu werden.

Im Blick auf die lutherische Weltgemeinschaft betonte Hanson, es sei ein Anlass zu Freude, dass die Mitgliedschaft im LWB heute Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft bedeute und darin die gegenseitige geistliche Verbundenheit zum Ausdruck komme. Das gemeinsame Hören auf das Evangelium habe auch Meinungsunterschiede und Spannungen innerhalb des LWB aufgedeckt. „Als Gemeinschaft zu leben, setzt die Bereitschaft voraus, sich hinterfragen zu lassen, zum Beispiel was die Auslegung der Bibel, Transparenz in der Entscheidungsfindung und Leitungsstrukturen betrifft, bei denen Frauen und Jugendliche ausgeschlossen bleiben.“

Als Gemeinschaft zu leben, bedeute, einander respektvoll zuzuhören, „wenn wir unsere tiefen Überzeugungen im Blick auf Ehe, Familie und menschliche Sexualität beschreiben“. Es sei verlockend, diese Spannungen zu übergehen oder sie als Grund zu nehmen, um unsere Beziehungen zu lockern oder sogar abzubrechen. LWB-Präsident Hanson rief dazu auf, mit den Spannungen und Differenzen „offen und ehrlich“ umzugehen. „Wenn unsere Gemeinschaft in dieser Zeit tiefer statt schwächer wird, dann können wir nicht nur dem Leben der Kirche, sondern auch dem Leben der Welt dienen.“

Im Blick auf den anhaltenden Diskurs zur Frage imperialistischer Machtstrukturen (Empire) erklärte Hanson, als Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA), einer grossen Kirchen in den USA, die sicher eine zentrale Rolle für das imperialistische Machtstreben weltweit spiele, halte er es für ausserordentlich wichtig, dass sehr viel mehr miteinander gesprochen werde. Zunächst müsse erörtert werden, wie die biblische Geschichte den Menschen des Glaubens helfe, im Kontext eines imperialistischen Machtdenkens leben zu können. „Wir in den USA müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden, was es bedeutet, als Christen und Christinnen inmitten dieses imperialistischen Denkens zu leben und dabei dem Evangelium treu zu bleiben und nicht der Macht des Imperialismus. Wir brauchen Sie und die übrige Welt, um uns zur Rechenschaft zu ziehen und den Weg zu weisen, und wir erwarten das von Ihnen“, so Hanson.

Weiterhin kritisierte Hanson, dass US-amerikanische Kirchen und Glaubensgemeinschaften EvangelistInnen „exportierten“, die das Evangelium vom Wohlstand in ihren Ländern predigten und die LutheranerInnen von lutherischen Gemeinden weglockten. Dies seien EvangelistInnen, die predigen, dass, wer Jesus nachfolge, reich werde, anstatt sein Leben zu opfern und ihm an die Orte des Leidens zu folgen. „Wir brauchen die Hilfe der weltweiten Gemeinschaft, die uns in den USA für das Predigen des Evangeliums verantwortlich macht, damit wir das kreuzigende Evangelium von Gottes radikaler Gnade in Christus durch den Glauben predigen und nicht irgendeine Verzerrung des Evangeliums, die wir jetzt exportieren und die rein häretisch ist“, betonte der LWB-Präsident. (964 Wörter)

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An der LWB-Ratstagung in Lund (Schweden), die eine KirchenleiterInnenkonsultation sowie die Feierlichkeiten aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des Lutherischen Weltbundes einschliesst, nehmen rund 500 VertreterInnen der LWB-Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen teil, unter ihnen mehr als 100 lutherische KirchenleiterInnen. Zu den Teilnehmenden gehören auch DolmetscherInnen, Gäste, Mitarbeitende des LWB, PressevertreterInnen und Stewards. Der 49-köpfige LWB-Rat führt zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen die Geschäfte des Weltbundes. Der aktuelle Rat wurde während der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 im kanadischen Winnipeg gewählt. Der Rat besteht aus dem Präsidenten, dem Schatzmeister sowie Geistlichen und Laien, die ihre Regionen repräsentieren.

 

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