|
Konferenz lutherischer KirchenleiterInnen in Afrika feiert 50-jähriges Bestehen
Windhoek (Namibia)/Genf, 13. November 2005 (LWI) – Als die Delegierten der afrikanischen lutherischen Kirchen 1955 zu ihrer ersten gemeinsamen Konferenz, der Gesamtafrikanischen lutherischen Konferenz (All Africa Lutheran Conference – AALC), in Marangu (Tansania) zusammengekommen seien, hätten sie miteinander einen Traum geteilt. „Dieser Traum wurde eine gemeinsame Vision für die Zukunft Afrikas“, so der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Dr. Ishmael Noko, während der Feierlichkeiten aus Anlass des 50. Jubiläums der AALC am Sonntag, 13. November, in Windhoek (Namibia).
Das Thema der Konferenz lutherischer KirchenleiterInnen in Afrika, in deren Rahmen das 50. Jubiläum der AALC gefeiert wurde, „Aus Isolation zur Gemeinschaft: Zur Heilung Afrikas“ stelle eine Verbindung zur Vision von Marangu her. Dieses Thema schliesse jede einzelne Person in Afrika ein. Jede/jeder LutheranerIn sei zur Gemeinschaft eingeladen, so Noko. Dieses Thema sei weiterhin eine Einladung an alle christlichen Gemeinschaften, sich im ökumenischen Dialog für die Einheit der ChristInnen zu engagieren, sowie an die öffentlichen Gemeinschaften und die PolitikerInnen, Afrika zu einer Gemeinschaft zu führen. Und dieses Thema gelte auch für alle Religionsgemeinschaften in Afrika, gemeinsam an der Schaffung einer Familie von Menschen zu arbeiten.
An der Konferenz lutherischer KirchenleiterInnen in Afrika, die vom 9. bis 14. November in Windhoek stattfindet, nehmen über 80 VertreterInnen lutherischer Kirchen Afrikas sowie von Partnerkirchen und -organisationen weltweit teil.
Mit Blick auf den Hauptgrund für die Einberufung der Konferenz in Marangu vor 50 Jahren, der darin bestand, die lutherischen Kirchen Afrikas aus der Isolation zu führen, erinnerte Noko daran, dass an der Gründung des LWB 1947 in Lund (Schweden) keine afrikanischen Delegierten teilgenommen hätten. „Wir wurden von Missionaren vertreten“, so der LWB-Generalsekretär.
Seit Marangu habe sich jedoch viel verändert. Als LWB-Generalsekretär repräsentiere er bei der Konferenz in Windhoek LutheranerInnen aus der ganzen Welt. Heute sei es möglich, dass er als Afrikaner auch lutherische ChristInnen aus Asien, Europa, Latein- und Nordamerika vertrete.
Arbeitslosigkeit ist Ursache für grosses Leid in der Gesellschaft
Der namibische Premierminister Nahas Angula, der Grüsse von Präsident Hifikepunye Pohamba überbrachte, betonte in einem Grusswort, dass die Befreiung Namibias ein gemeinsamer Erfolg gewesen sei. Das namibische Volk stehe auch in der Schuld der lutherischen Kirchen Afrikas. Als sich die Delegierten lutherischer Kirchen 1955 in Marangu getroffen hätten, habe sich bereits eine Veränderung im Blick auf die Kolonialisierung Afrikas abgezeichnet. 1960 sei Tansania unabhängig und die Heimat der Befreiung Afrikas geworden, so Angula.
Afrika stehe heute vor drei Herausforderungen, betonte der namibische Premierminister: Armut, Arbeitslosigkeit und Krankheiten. Angula rief dazu auf, die Armut zu überwinden. Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen, sei die Ursache für grosses Leid in der Gesellschaft. Hinzu kämen die HIV/AIDS-Pandemie sowie Malaria und Tuberkulose.
Eigentlich sei Afrika angesichts seiner Bodenschätze wie Öl und Diamanten ein reicher Kontinent und doch sei Afrika arm. „Wir sind ein reicher Kontinent voller armer Menschen“, so der Premierminister. Er rief dazu auf, Partnerschaften und Allianzen zu bilden, um diese Herausforderungen, die Afrika destabilisierten, anzugehen. Regierungen, der Privatsektor, die Zivilgesellschaft und die Glaubensgemeinschaften müssten sich gemeinsam dazu verpflichten, Armut, Arbeitslosigkeit, HIV/AIDS und andere Krankheiten zu bekämpfen.
Ohne sichtbare Einheit finden lutherische Kirchen Afrikas kein Gehör
Die LutheranerInnen Afrikas müssten sich ernste Frage stellen, betonte Bischof Martin F. Shao von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania in seiner Predigt im Rahmen der Feierlichkeiten aus Anlass des 50. Jubiläums der AALC. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung in der Region Sub-Sahara, nahezu 600 Millionen Menschen, lebten in Armut. Versuche, die Armut zu bekämpfen, Frauen zu stärken und die Kindersterblichkeit zu reduzieren, würden durch die zerstörerische HIV/AIDS-Pandemie, durch Naturkatastrophen wie Dürren und Überflutungen sowie durch gewaltsame Konflikte und entkräftende politische Auseinandersetzungen unterlaufen.
In einer Region, in der über 60 Prozent aller von HIV/AIDS Betroffener weltweit leben würden, gehöre es zu den obersten Prioritäten, die Weiterverbreitung von HIV/AIDS aufzuhalten und Themen wie Malaria und Tuberkulose anzupacken. Die Stimme der afrikanischen LutheranerInnen müsse in Afrika und darüber hinaus gehört werden, so Bischof Shao. Ohne sichtbare Einheit würden die lutherischen Kirchen Afrikas aber nicht gehört, wären sie nicht die Stimme derer, die keine Stimme hätten. Die Feierlichkeiten aus Anlass des 50. Jubiläums der AALC würden den afrikanischen lutherischen Kirchen eine zweite Chance eröffnen, betonte der tansanische Bischof.
Die Konferenz lutherischer KirchenleiterInnen in Afrika findet auf Einladung der drei lutherischen Kirchen in Namibia und des LWB in Windhoek statt. Zu den drei LWB-Mitgliedskirchen in Namibia gehören die Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN) mit über 640.000 Mitgliedern, die Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Namibia (ELKRN) mit rund 300.000 Mitgliedern sowie die deutschsprachige Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN-DELK) mit rund 6.500 Mitgliedern. Rund die Hälfte der Bevölkerung Namibias gehört zu einer der lutherischen Kirchen.
Die Region Afrika umfasst 36 lutherische Kirchen, von denen 30 Mitglieder des LWB sind. Die afrikanischen LWB-Mitgliedskirchen haben insgesamt 14,08 Millionen Mitglieder in 22 Ländern. (799 Wörter)
|