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Afrikanische KirchenleiterInnen diskutieren nachhaltige Sicherung angemessener Arbeits- und Lebensbedingungen für kirchliche MitarbeiterInnen
Windhoek (Namibia)/Genf, 12. November 2005 (LWI) – „Wir waren unser ganzes Leben daran gewöhnt, dass die Kirche für unsere Miete, unsere Strom- und Wasserkosten aufkam, uns ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt und auch die Benzinkosten übernommen hat. Als Pensionierte mussten wir dann plötzlich unser Haus verlassen und uns um alles selbst kümmern, für alles selbst aufkommen.“ Lissie Diergaardt beklagt sich nicht, doch sie beschreibt eine Situation, mit der die Mehrzahl der afrikanischen PfarrerInnenehepaare konfrontiert ist, wenn sie in den Ruhestand geht. Wenn überhaupt, erhalten sie eine sehr kleine Pension, die oft nicht für das Nötigste ausreicht.
Lissie Diergaardt und ihr Mann Bischof i. R. Petrus Diergaardt, von 1995 bis 2001 Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELKRN), leben von rund 500 Namibischen Dollar (rund 63 Euro) pro Monat. Natürlich gebe es pensionierte PfarrerInnen in Namibia, die mit ihren kleinen Renten zurechtkämen, betont Lissie Diergaardt. Doch wer auch noch Verantwortung für Kinder, Enkel oder Urenkel übernommen habe, stünde vor grossen Herausforderungen. Das Ehepaar Diergaardt sorgt für fünf Enkelkinder, deren Eltern geschieden oder nicht mehr am Leben sind. „Manchmal fühlen wir uns sehr einsam und verlassen“, resümiert Lissie Diergaardt, vor den TeilnehmerInnen der Konferenz lutherischer KirchenleiterInnen in Afrika, die vom 9. bis 14. November in Windhoek (Namibia) stattfindet.
An der Konferenz nehmen über 80 VertreterInnen afrikanischer Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) sowie von Partnerkirchen und -organisationen weltweit teil. Die Tagung steht unter dem Thema „Aus Isolation zur Gemeinschaft: Zur Heilung Afrikas“.
Kirchliche Angestellte leben oft unter schwierigsten Bedingungen
Bischof Dr. Ambrose Moyo, Direktor der Lutherischen Gemeinschaft im südlichen Afrika (Lutheran Communion in Southern Africa, LUCSA), berichtet, dass er als Sohn eines Evangelisten in Simbabwe, dem früheren Rhodesien, oft aus der Schule nach Hause geschickt worden sei, da sein Vater die Schulgebühren nicht bezahlen konnte. Der Bischof seines Vaters sei dann eingesprungen und habe die Gebühren aus eigener Tasche beglichen, so Moyo.
Aus Geldmangel habe er noch an der Highschool Ende der 1970er Jahre versucht, seine Schuhe selbst zu reparieren. Das sei ihm aber nicht gelungen, der Zustand seiner Schuhe sei nur noch verschlechtert worden, räumt Moyo ein. Ob seiner Schuhe, die mit den abgelösten Sohlen eher einem Fisch glichen, sei er oft gehänselt worden und habe den Spitznamen „der Fisch“ erhalten. Heute kämen er und seine Geschwister für seine verwitwete Mutter auf, die keinerlei Unterstützung erhalte.
Als Pfarrer in Simbabwe sei er oft mit ähnlichen Problemen konfrontiert gewesen. Vielfach habe er nicht gewusst, wovon er und seine Familie hätten leben sollen, so Moyo. Später als Bischof sei die schmerzlichste Erfahrung gewesen, mit anzusehen, unter welch schwierigen Umständen die kirchlichen Angestellten seiner Kirche leben. Er habe bei seinen Besuchen auch feststellen müssen, berichtet der Bischof, dass manche Familien auf dem nackten Fussboden schliefen.
Zu den ersten Projekten als Bischof seiner Kirche gehörte daher, mit Hilfe der Schwedischen Kirche, einen Stiftungsfonds zu gründen, mit dem die Finanzsituation der lutherischen Kirche in Simbabwe nachhaltig auf sicheren Boden gestellt werden soll. Allerdings reichen die Einlagen des Stiftungsfonds noch nicht aus, um mit den Erträgen die Kirche zu unterstützen.
LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko rief die afrikanischen KirchenleiterInnen dazu auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die finanzielle Situation der lutherischen Kirchen nachhaltig zu sichern. Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen kirchlicher Angestellter in Afrika nachhaltig zu verbessern, müsse die Situation der jeweiligen nationalen Wirtschaftskraft in die Überlegungen mit einbezogen werden, so Noko.
Kirchen sollen leben, was sie predigen
Die Lebens- und Arbeitsbedingungen kirchlicher Angestellter zu verbessern, sei ein langer Weg, betonte die Generalsekretärin der Gewerkschaft kirchlicher Angestellter in Finnland, Ritva Rasila. Doch die Kirchen sollten alles versuchen, um auch das zu leben, was sie predigten: Gerechtigkeit, soziale Sicherheit und die Einhaltung der Menschenrechte. Die 1957 gegründete Gewerkschaft geht auf eine Initiative zu Beginn der 1930er Jahre zurück, die sich mit der politischen und sozialen Instabilität, fehlender Sozialgesetzgebung und den unzureichenden Gesundheits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten in Finnland auseinander setzte.
Rasila, die rund 8.500 finnische Gewerkschaftsmitglieder vertritt, sieht grosse Vorteile in kollektiv vereinbarten Tarifverträgen. Wenn jede/jeder Angestellte individuell die Konditionen aushandeln müsste, wäre dies eine weitaus schwierigere Situation. Die Gewerkschaften seien auf Arbeitsrechtsfragen spezialisiert und könnten als einheitliche, kompetente Partner mit der Arbeitgeberseite verhandeln. Dies geschehe dann auf einer Ebene gleichberechtigter Partner.
Pfr. Dr. Esko Jossas, Generalsekretär der Gewerkschaft finnischer PfarrerInnen, berichtete, dass es in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands 1973 bei Einführung des gegenwärtigen Systems kaum nennenswerte Widerstände gegeben habe. Die Frage, ob kirchliche Angestellte und PfarrerInnen das Recht hätten, in einen Streik zu treten, bejahte Jossas. Die Kirche sein keine Insel in der Gesellschaft. Heute würden die Kirche und Kirchengemeinden mit den jeweiligen Gewerkschaften Kollektivverträge abschliessen, wobei Grundkonsens sei, dass die Gewerkschaften keine überhöhten Forderungen stellen. Zur Gewerkschaft finnischer PfarrerInnen gehören 3.500 Mitglieder, rund 90 Prozent aller PfarrerInnen Finnlands.
Die Finnische Evangelisch-Lutherische Mission (FELM) versuche nicht, sich als eine „harmonische christliche Gemeinschaft“ zu verstehen, betonte Lauri Haavisto, FELM-Direktor für Finanzen und Verwaltung. FELM wolle lediglich ein gewöhnlicher, angemessener Arbeitgeber sein, wo Vorgesetzte und Angestellte sich gegenseitig respektierten und die MitarbeiterInnen ihre Arbeit tun und sich entwickeln könnten. Allerdings sei es die Verantwortung der Kirche, angemessene Bedingungen zu schaffen, so dass die MitarbeiterInnen in der Lage seien, ausreichend für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.
Die Kirchen seien verpflichtet, sich um die Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten zu kümmern, betonte FELM-Direktor Pfr. Dr. Seppo Rissanen. Angemessene Arbeitsbedingungen seien integraler Bestandteil guter Leitung und sollten eine Selbstverständlichkeit in der Kirche sein. Mit Blick auf 1. Korinther 9,14 betonte Rissanen, dass auch der Apostel Paulus nicht davon ausgegangen sei, dass allein schon die Verkündigung des Evangeliums einen ausreichenden Lohn darstelle. Die Arbeit für die Kirche müsse als gewöhnliche Arbeit angesehen werden. Allerdings müsse vor der Zahlung von Löhnen und Gehältern die finanzielle Basis geschaffen werden, damit die Kirchen ihren Verkündigungsauftrag auf nachhaltige Weise wahrnehmen könnten. (973 Wörter)
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