|
Lutherisch zu sein bedeutet, ökumenisch zu sein
Windhoek (Namibia)/Genf, 11. November 2005 (LWI) – Zur Gründung eines Lutherischen Rates in Afrika hat der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Dr. Ishmael Noko, aufgerufen. In seiner Rede während der Konferenz lutherischer KirchenleiterInnen in Afrika betonte Noko am Donnerstag, 10. November, in Windhoek (Namibia), die lutherischen Kirchen Afrikas bräuchten eine panafrikanische Koordinationsstelle, um die inner-lutherische Einheit voranzutreiben. Als Instrument der lutherischen Gemeinschaft in Afrika könne dieser Rat auch im Bereich der Ökumene sowie des interreligiösen Dialogs aktiv werden, so Noko.
In seiner Rede zum Thema der Tagung „Aus Isolation zur Gemeinschaft: Zur Heilung Afrikas“ betonte Noko, dass LutheranerInnen immer dann erfolgreich seien, wenn sie eng mit anderen zusammenarbeiten würden. Lutherisch zu sein, so Noko, bedeute, ökumenisch zu sein. Als Beispiel nannte er die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre durch VertreterInnen des LWB und der römisch-katholischen Kirche am 31. Oktober 1999 in Augsburg (Deutschland).
Die Stärkung der inner-lutherischen Einheit bezeichnete Noko als einen der Schwerpunkte, die die lutherischen Kirchen in Afrika in Zukunft setzen sollten. Er verwies auf die Verfassung des LWB, die festschreibe, dass alle LWB-Mitgliedskirchen in Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verbunden seien. Dies bedeute, betonte der LWB-Generalsekretär, dass die Kanzeln und Altäre den PfarrerInnen aller Mitgliedskirchen offen stünden. Es sei nötig, Vorgehensweisen und Strukturen zu entwickeln, um diese Verpflichtung auch umzusetzen, so Noko vor den über 80 TeilnehmerInnen der Tagung, die vom 9. bis 14. November stattfindet. An der Konferenz nehmen VertreterInnen lutherischer Kirchen Afrikas sowie von Partnerkirchen und -organisationen weltweit teil.
Die Gründung des LWB 1947 im schwedischen Lund sei, ebenso wie die Gesamtafrikanische lutherische Konferenz (All Africa Lutheran Conference – AALC) 1955 in Marangu (Tansania), ein klares Bekenntnis gewesen, alles zu tun, um die Isolation zu überwinden und zu einer Gemeinschaft zu gelangen. Vor 50 Jahren waren die afrikanischen lutherischen Kirchen in Marangu (Tansania) erstmals zu einer gemeinsamen Konferenz zusammengekommen. Laut Noko stellt die Isolation der christlichen Gemeinschaft eine Schwächung des Zeugnisses der Kirche dar.
Die Gesamtafrikanische lutherische Konferenz in Marangu bezeichnete Noko aufgrund ihrer weit reichenden Vision als einen Meilenstein. Zwar hätten an der Gründung des LWB zwei Vertreter afrikanischer Kirchen teilgenommen, doch sowohl der Delegierte aus Madagaskar als auch der aus Südafrika seien norwegische Missionare gewesen. Auch in den von den Delegierten der Zweiten LWB-Vollversammlung 1952 in Hannover (Deutschland) gewählten Leitungsgremien seien keine afrikanischen Delegierten vertreten gewesen. „Afrika war in keiner Weise repräsentiert“, so Noko. Gerade die Tagung in Marangu habe schmerzhaft deutlich gemacht, wie isoliert die lutherischen Kirchen Afrikas gewesen seien.
Er hoffe, so der LWB-Generalsekretär, dass die Konferenz in Windhoek, so wie das Treffen 1955 in Marangu, ein weiterer Meilenstein auf dem Weg heraus aus der Isolation werde.
In seiner Rede kritisierte Noko insbesondere die Isolation von Frauen in den lutherischen Kirchen. Frauen seien vielfach von der Teilhabe am Weinberg Gottes ausgeschlossen. Wie viele Gründe und Argumente auch aufgezählt würden, einige von ihnen mit biblischem oder theologischem Hintergrund, „wir können es uns nicht leisten, so zu argumentieren“, betonte der LWB-Generalsekretär. Ähnliche Argumente seien in der Vergangenheit auch herangezogen worden, um politische oder ökonomische Systeme wie die Apartheid zu begründen. Dies könnten gerade AfrikanerInnen nicht vergessen, so Noko.
Der LWB-Generalsekretär forderte die TeilnehmerInnen des Treffens in Windhoek weiterhin dazu auf, sich mit der Frage zu befassen, wie theologische und ethische Fragestellungen unter lutherischen Kirchen diskutiert werden könnten. Es sei nötig, dass sich die Kirchen zu herausfordernden Themen wie menschliche Sexualität austauschten und gegenseitig berieten. Hierzu regte Noko die Einrichtung eines Komitees für Lehrfragen an.
Als eine weitere Priorität der Arbeit der lutherischen Kirchen in Afrika benannte Noko die Frage der Arbeitsbedingungen kirchlicher MitarbeiterInnen. Als LWB-Generalsekretär habe er auch sehr schmerzvolle Situationen kennen gelernt, die sich nicht mehr mit Worten, sondern nur noch mit Tränen beschreiben liessen. Er sei kirchlichen MitarbeiterInnen begegnet, die in Armut lebten, da sie über Monate keine Löhne erhalten hätten. Noko schlug vor, sich am Beispiel der Gewerkschaften kirchlicher MitarbeiterInnen wie in Finnland zu orientieren und mit deren Unterstützung nach Möglichkeiten zu suchen, angemessene Arbeits- und Lebensbedingungen sicherzustellen.
Die Konferenz lutherischer KirchenleiterInnen in Afrika findet auf Einladung der drei lutherischen Kirchen in Namibia und des LWB in Windhoek statt. Zu den drei LWB-Mitgliedskirchen in Namibia gehören die ELKRN mit rund 300.000 Mitgliedern, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN) mit über 640.000 Mitgliedern sowie die deutschsprachige Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN-DELK) mit rund 6.500 Mitgliedern. Rund die Hälfte der Bevölkerung Namibias gehört zu einer der lutherischen Kirchen. (740 Wörter)
|