Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

07.11.2005
Afrikanische KirchenleiterInnenkonferenz feiert 50-jähriges Bestehen in Windhoek
 

Namibischer Bischof Kameeta: Ein Traum ist Wirklichkeit geworden

Windhoek (Namibia)/Genf, 7. November 2005 (LWI)
– Mit einem feierlichen Gottesdienst wird am Mittwoch, 9. November, die Afrikanische KirchenleiterInnenkonferenz in der namibischen Hauptstadt Windhoek eröffnet. Die Konferenz, zu der vom 9. bis 14. November über 80 VertreterInnen lutherischer Kirchen Afrikas sowie von Partnerkirchen und -organisationen weltweit erwartet werden, steht unter dem Thema „Aus Isolation zur Gemeinschaft: Zur Heilung Afrikas“. Im Rahmen der Konferenz finden am Sonntag, 13. November, die Feierlichkeiten anlässlich des 50. Jubiläums der Gesamtafrikanischen lutherischen Konferenz (All Africa Lutheran Conference – AALC) statt. 1955 waren die afrikanischen lutherischen Kirchen in Marangu (Tansania) erstmals zu einer gemeinsamen Konferenz zusammengekommen.

Die Feierlichkeiten aus Anlass des 50. Jubiläums der AALC stellten die Erfüllung eines Traums dar, betonte Bischof Dr. Zephania Kameeta von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELKRN). Der Hauptgrund für die Einberufung der Konferenz in Marangu vor 50 Jahren habe darin bestanden, die lutherischen Kirchen Afrikas aus der Isolation zu führen. Dieser Traum sei nun Wirklichkeit geworden, insbesondere für die namibischen Kirchen. Namibia habe als letzte Kolonie des südlichen Afrika am längsten unter Isolation gelitten, so Bischof Kameeta, der zugleich Vorsitzender des Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Namibia und seit Juli 2003 auch LWB-Vizepräsident für die Region Afrika ist.

Die Afrikanische KirchenleiterInnenkonferenz findet auf Einladung der drei lutherischen Kirchen in Namibia und des LWB in Windhoek statt. Zu den drei LWB-Mitgliedskirchen in Namibia gehören die ELKRN mit rund 300.000 Mitgliedern, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN) mit über 640.000 Mitgliedern sowie die deutschsprachige Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (ELKIN-DELK) mit rund 6.500 Mitgliedern. Rund die Hälfte der Bevölkerung Namibias gehört zu einer der lutherischen Kirchen.

Er hoffe, so Kameeta, dass die Konferenz richtungsweisend sei, „wie wir als afrikanische Kirchen die nachhaltige Entwicklung in unserer Mission der Verkündigung des Evangeliums berücksichtigen können“. Nötig sei eine engere Zusammenarbeit und eine Bündelung der Ressourcen und Kräfte. „Ich habe auch die Hoffnung, dass wir als lutherische Kirchen nach Wegen suchen, wie wir die schwierige Situation in Afrika mutig und unzweideutig zur Sprache bringen können. Wir als Kirchen haben uns zurückgelehnt und die Angelegenheiten PolitikerInnen überlassen, aber sie, die Flüchtlinge, die Opfer von Kriegen, Gewalt und HIV/AIDS sind alle Kinder unserer Kirche.“ Die Kirchen Afrikas sollten sich laut und deutlich zu Wort melden, um die nicht endende Spirale von Krieg und Auseinandersetzungen zu beenden, damit die Hoffnung für Afrika wieder zum Leben erweckt werden könne, betonte Kameeta.

Im Vorfeld des Treffens erklärte der Generalsekretär des LWB, Pfr. Dr. Ishmael Noko, dass diese Konferenz den lutherischen Kirchen in Afrika Gelegenheit gebe zu prüfen, welche Fortschritte sie im Laufe mehrerer Jahrzehnte im Blick auf das inner-lutherische Selbstverständnis und die ökumenischen Prioritäten gemacht hätten. Insbesondere in den Bereichen Diakonie und Mission hätten sich die lutherischen Kirchen Afrikas profiliert, so Noko, der am Mittwoch, 10. November, das Hauptreferat zum Thema der Konferenz halten wird.

Für den Afrikareferenten der LWB-Abteilung für Mission und Entwicklung (AME), Pfr. Dr. Musa P. Filibus, stellt die Tagung in Namibia für die lutherischen Kirchen Afrikas die einzigartige Gelegenheit dar, darüber nachzudenken, wie sie über die Isolation durch kulturelle, geographische und politische Grenzen hinauswachsen können, um eine Gemeinschaft zu werden.

„Wenn, wie man sagt, das ‚Gravitationszentrum‘, das heisst das Wachsen der Kirchen, sich nach Süden verlagert, dann müssen die Kirchen im Süden sich der Herausforderung stellen, auch in der weltweiten ecclesia eine führende Rolle zu übernehmen. Eine solche Führung muss für örtliche Kontexte relevant und auf sie anwendbar sein“, betonte der LWB-Afrikareferent. Wachstum müsse alle Aspekte dessen einschliessen, was es bedeute, Kirche zu sein. Dies erfordere, dass weiterhin am Verständnis des Priestertums aller Gläubigen, in dem alle Mitwirkende an der Mission Christi sind, festgehalten werde.

Im Mittelpunkt der Konferenz steht neben den Themen HIV/AIDS, Gewalt und Armut vor allem die Frage, wie die afrikanischen Kirchen die Nachhaltigkeit ihrer Finanzhaushalte sowie die Gewährleistung annehmbarer Arbeitsbedingungen und Löhne sicherstellen können. VertreterInnen der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands, der Gewerkschaft kirchlicher Beschäftigter in Finnland sowie der Finnischen Evangelisch-Lutherischen Mission (FELM) werden während der Konferenz über ihre Erfahrungen berichten und die TeilnehmerInnen bei der Ausarbeitung eines Aktionsplanes unterstützen.

Die Region Afrika umfasst 36 lutherische Kirchen, von denen 30 Mitglieder des LWB sind. Die afrikanischen LWB-Mitgliedskirchen haben insgesamt 14,08 Millionen Mitglieder in 22 Ländern. In jüngerer Zeit sind drei subregionale Strukturen entstanden, die Lutherische Gemeinschaft in Zentral- und Ostafrika (Lutheran Communion in Central and Eastern Africa, LUCCEA), die Lutherische Gemeinschaft in Westafrika (Lutheran Communion in Western Africa, LUCWA) sowie die Lutherische Gemeinschaft im südlichen Afrika (Lutheran Communion in Southern Africa, LUCSA). Diese subregionalen Strukturen bieten den Kirchen Foren, die gegenseitigen Beziehungen zu vertiefen sowie auf gegenseitiges Verständnis, Vertrauen und wechselseitige Vernetzung hinzuarbeiten. (774 Wörter)

 

Sollten Sie diesen Artikel weiter bearbeiten oder einem bestimmten Format anpassen wollen, beachten Sie bitte folgende Hinweise zur Bearbeitung.

 

Kontakt zur LWI-Redaktion