27.04.2005
Kongolesische ReligionsführerInnen wünschen interreligiöses Eingreifen zur Beendigung des Konflikts
Aufruf zu Solidaritätsbesuchen in Norduganda, Togo und Burundi
Johannesburg (Südafrika)/Genf, 27. April 2005 - Kongolesische ReligionsführerInnen haben vor einer drohenden Eskalation des Konflikts im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) gewarnt. Während des Zweiten Gipfels der Interreligiösen Initiative für Frieden in Afrika (IFAPA), der vom 21. bis 25. April in der Nähe von Johannesburg (Südafrika) stattfand, drängten sie auf die umgehende Entsendung einer IFAPA-Delegation sowie von VertreterInnen internationaler Friedensgremien.
Pfr. Gilbert Boissa, Leiter der Delegation aus der DRK beim Zweiten IFAPA-Gipfel, forderte die ReligionsführerInnen auf, Einfluss auf die politischen Führungen von DRK, Uganda und Ruanda zu nehmen, damit diese umgehend eine Lösung für das insbesondere die östliche DRK betreffende Sicherheitsproblem suchen.
Boissa stellte fest, dass parallel zur wachsenden Armut in der Region der Waffenschmuggel zunehme. Zudem steige die HIV/AIDS-Rate unter jungen Menschen, seit 1998 die noch heute anhaltenden Kämpfe zwischen Milizen und Regierungstruppen ausgebrochen seien. Nach Schätzungen sind bisher etwa 3,3 Millionen Opfer zu beklagen, die Mehrzahl davon Frauen, Kinder und alte Menschen. Todesursache sind vor allem Hunger und Krankheiten. Weitere zwei Millionen Menschen sind aus ihrer Heimat vertrieben worden. Nur konzertierte Bemühungen der hochrangigsten VerantwortungsträgerInnen in den drei Ländern der Region um die Grossen Seen könnten nach Boissas Einschätzung den Konflikt beenden, der sich um die Kontrolle über die Ressourcen und den Kampf um politische Macht entzündet habe.
Nach der IFAPA-Friedensmission im Oktober 2004 habe sich die Lage beruhigt, in den letzten Monaten jedoch sei die Sicherheitssituation wieder schlechter geworden, so Boissa.
Im vom Zweiten IFAPA-Gipfel verabschiedeten "Kopanong-Manifest" haben die teilnehmenden ReligionsführerInnen ebenfalls die Notwendigkeit betont, solche Solidaritätsbesuche fortzusetzen und festgestellt, dass diese Besuche alle Beteiligten - BesucherInnen und Besuchte - gleichermassen ermutigt und inspiriert hätten.
Ein umgehendes Aktivwerden wurde auch angesichts der Konflikte in Norduganda, Togo und Burundi gefordert.
All diese Aktivitäten erfordern jedoch auch eine angemessene längerfristige Weiterführung, damit bestehende Chancen ausgebaut und die geweckten Erwartungen erfüllt werden können. Die Delegierten beim Zweiten IFAPA-Gipfel würdigten den Besuch einer interreligiösen Abordnung im Südsudan im vergangenen März und forderten einen vergleichbaren Besuch auch im Nordsudan. Sie erklärten, das 2005 unterzeichnete Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Rebellenorganisation SPLM/A (Sudanese People's Liberation Movement/Army) und der Regierung in Khartum stelle einen bedeutenden Schritt dar. Das Hauptanliegen, den Frieden zu erhalten, bleibe jedoch weiterhin akut. (Vgl. http://www.lutheranworld.org/News/LWI/DE/1691.DE.html www.lutheranworld.org/News/LWI/DE/1691.DE.html)
VertreterInnen ugandischer Religionsgemeinschaften drängten auf ein umgehendes Eingreifen im Norden des Landes, wo sich seit fast zwei Jahrzehnten die "Widerstandsarmee des Herrn" (The Lord's Resistance Army, LRA) und Regierungstruppen bekämpfen und inzwischen 90 Prozent der Bevölkerung vertrieben wurden. So leben die 1,5 Millionen Binnenvertriebenen nicht nur unter menschenunwürdigen Bedingungen in übervölkerten Lagern, auch die Sicherheitslage bleibt äusserst problematisch. Kinder werden verschleppt und gewaltsam zum Kämpfen gezwungen, wobei die Mädchen gleichzeitig auch als Sexsklavinnen missbraucht werden. Die Menschen leiden unter Überfällen, werden Opfer von Massakern und müssen immer wieder zusehen, wie ihre Hütten angezündet werden.
Pfr. Macleord Baker Ochola II., der die in Norduganda angesiedelte Acholi Religious Leaders' Peace Initiative (ARLPI) beim Gipfel vertrat, äusserte die Hoffnung, der Frieden im Südsudan werde positive Auswirkungen auf vergleichbare Initiativen im Norden des Landes haben, da die LRA vom Südsudan aus operiere. Ocholla II. hatte den Besuch der interreligiösen Delegation im Sudan geleitet. (528 Wörter)
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