23.04.2005
VerantwortungsträgerInnen aus Religion und Gesellschaft fordern Gesinnungswandel zum Wohle Afrikas
Zweiter interreligiöser Gipfel engagiert sich für Frieden auf dem Kontinent
Johannesburg (Südafrika)/Genf, 23. April 2005 (LWI) - Am 21. April wurde in Johannesburg (Südafrika) der Zweite Gipfel der Interreligiösen Initiative für Frieden in Afrika (IFAPA) eröffnet. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltungen betonten VerantwortungsträgerInnen aus Religion und Gesellschaft, konzertierte Bemühungen seien notwendig, um Konflikte zu vermeiden und von Menschen verursachte Katastrophen abzuwenden.
Das Wohl Afrikas könne nur verwirklicht werden, wenn Konflikte und Instabilität überwunden würden und gegen zukünftige Konflikte und Instabilität vorgebeugt werde, so Pfr. Dr. Ishmael Noko, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB) und IFAPA-Initiator, in seiner Eröffnungsansprache beim Gipfel. Der Zweite IFAPA-Gipfel, der vom 21. bis 25. April stattfindet, wurde einberufen, um die Aktivitäten der Initiative seit deren Beginn im Oktober 2002 zu überprüfen. Es nehmen über 240 VertreterInnen acht verschiedener Glaubenstraditionen aus ganz Afrika sowie BeobachterInnen aus Europa und Nordamerika teil.
"Wenn wir ein neues Afrika schaffen wollen, brauchen wir eine neue Einstellung zueinander. Als Religionsführer und Religionsführerinnen brauchen wir eine neue Achtung und gegenseitige Annahme füreinander. Und wir müssen im politischen Leben den Wunsch und das Bestreben, Rache zu üben, mildern", betonte Noko. ReligionsführerInnen dürften nicht parteiisch sein.
Noko hob weiterhin hervor, dass Frieden und Stabilität wesentliche Voraussetzung dafür seien, in den Bereichen Gesundheit und Umweltschutz Fortschritte zu erzielen. Wenn man die Lage in den verschiedenen Regionen Afrikas analysiere, die von Instabilität, Spannungen und ethnischer Gewalt geprägt sei, so bedeute das Engagement für den Frieden "Einsatz für die Zukunft des afrikanischen Kontinents und seiner Völker".
Noko rief die afrikanischen Religionsgemeinschaften auf, sich den IFAPA-Prozess zu Eigen zu machen und in seinem Rahmen interreligiöse Delegationen zu entsenden, Austauschprogramme durchzuführen, Krisenmanagement und Friedensarbeit zu betreiben und die entsprechenden Netzwerke aufzubauen.
"Hinter den interreligiösen Solidaritätsdelegationen stand der Gedanke, afrikanische Religionsführer und Religionsführerinnen an religions- und grenzübergreifenden Solidaritätsaktionen zu beteiligen. Was wir [im Rahmen von IFAPA] ausgerichtet haben, ist nur schwer messbar. Sicher ist aber, wir haben viel voneinander gelernt", so Noko.
Dr. Usman Bugaje, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten im nigerianischen Bundesparlament, stellte zur Diskussion, ob ReligionsführerInnen, die sich an der Schürung von Konflikten mitschuldig machten, dafür öffentlich in die Verantwortung zu nehmen seien.
Bugaje betonte im Hauptreferat des Zweiten IFAPA-Gipfels zum Gipfelthema "Zusammenarbeit für Frieden in Afrika", dass die religiöse Elite ermutigt werden müsse, sich zu öffnen und intensiv über Auslegungen und Haltungen zu diskutieren, insbesondere im Blick auf deren mögliches Konfliktpotenzial innerhalb einer Glaubensgemeinschaft oder in deren Verhältnis zu ihrer Umgebung.
Zwar entwickelten sich viele Konflikte auf der Grundlage der Faktoren Macht, Wohlstand und Religion, so Bugaje. Es sei jedoch wichtig, dass wir "nicht bei der schlichten Frage stehen bleiben, was einen Konflikt verursacht, sondern weitergehen zu der oft wichtigeren Frage, ,wer'".
Bugaje nannte als weitere Faktoren, die Konflikte förderten, eine schlechte Regierungsführung, falsch verstandene Werte und unzureichende Kommunikation. "Wir müssen wirksamere und zuverlässigere Kommunikationsmittel zwischen Religionen und Kulturen suchen . interreligiöse Gipfel wie dieser sind vielleicht eine solche Möglichkeit."
In seiner Erklärung zur Unterstützung von IFAPA betonte der mauretanische Präsident Maaouya Ould Sid'Ahmed Taya die herausragende Bedeutung des Dialogs zwischen den FührerInnen der vielfältigen afrikanischen Religionen und Kulturen als wirksame Möglichkeit, Extremismus und Gewalt zu unterbinden.
Hamadi Ould Meimou, mauretanischer Kommmissar für Menschenrechte, überbrachte den GipfelteilnehmerInnen die Botschaft des Präsidenten, wonach IFAPA "der Welt angesichts religiöser und kultureller Vielfalt ein Beispiel für Toleranz und Versöhnung" gebe.
"Wir widersprechen den Stimmen, die den internationalen Terrorismus als Aspekt des Kampfes zwischen Kulturen und Religionen darstellen. Das Phänomen des Terrorismus ist weder an eine bestimmte Religion noch Kultur gebunden", so Präsident Taya in seiner Botschaft.
Olara Otunnu, Untergeneralsekretär und Sonderbeauftragter des Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte bei den Vereinten Nationen, betonte gleichfalls, die ReligionsführerInnen stünden vor der Herausforderung, positive und humane Wegweisung zu geben.
Otunnu hob hervor, viele Konflikte würden von VerantwortungsträgerInnen ausgelöst. "Gleichgültigkeit ist keine Option. Untätigkeit ist keine Option. Religionsführer und Religionsführerinnen müssen ihre Funktion bei der Vorbeugung von Kriegen unterstreichen", so Otunnus Fazit. (655 Wörter)
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