Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

30.04.2004
Kirchen müssen Zufluchtsort für HIV/AIDS-Betroffene sein
 

Um „das Schweigen zu brechen“, müssen Kirchen gegenüber religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Schranken aufmerksamer sein

Odessa (Ukraine)/Genf, 30. April 2004 (LWI)
– Die TeilnehmerInnen der Konsultation europäischer KirchenleiterInnen zum Thema HIV/AIDS, die vom 20. bis 25. April 2004 in Odessa (Ukraine) stattfand, haben die lutherischen Kirchen in Europa dazu aufgerufen, Zufluchtsort für HIV/AIDS-Betroffene zu sein. Kirchen hätten eine spezifische Verantwortung, den verschiedenen spirituellen Dimensionen der Problematik in sensibler und angemessener Weise Rechnung zu tragen. Die Kirchen müssten auf Betroffene, und insbesondere auf die, die oft als „AussenseiterInnen“ behandelt oder stigmatisiert und ausgestossen würden, zugehen und ihnen eine Heimat geben, so die Abschlussbotschaft der Tagung, die vom Lutherischen Weltbund (LWB) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) veranstaltet wurde. An der Konsultation nahmen rund 40 VertreterInnen europäischer LWB-Mitgliedskirchen und Verantwortliche in der Frauen- und Jugendarbeit sowie MitarbeiterInnen regionaler und internationaler NGOs teil.

Die TeilnehmerInnen forderten in ihrer Abschlussbotschaft mit dem Titel: „Miteinander verbunden“, in der sie auch vor dem Aufbrechen neuer Gräben im Zusammenhang mit dem offiziellen Beitritt weiterer zehn Länder zur Europäischen Union (EU) warnten, die Kirchen müssten sich Wissen über die Fakten bezüglich HIV/AIDS aneignen. Hierzu gehöre die Aneignung von Wissen zu den Übertragungswegen, zur Lebensrealität und den tatsächlichen Bedürfnissen der Betroffenen und zu Möglichkeiten, wie in den Kirchen, Familien und Gemeinwesen offener über HIV/AIDS gesprochen werden könne. Um „das Schweigen zu brechen“, müssten die Kirchen gegenüber religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Schranken, die zu diesem Schweigen beigetragen haben, aufmerksamer sein. Dies sollte auf allen Ebenen kirchlicher Bildungsprogramme geschehen, in einer schlichten Sprache, die allgemein verständlich ist.

Während der Tagung seien am Beispiel HIV/AIDS einige theologische Differenzen deutlich geworden, so die TeilnehmerInnen. Daher sei eine vertiefte theologische Reflexion nötig – „in Form stärker biblisch-fundierter theologischer Lern-, Verstehens- und Diskussionsprozesse als Grundlage einer Reaktion aus dem Evangelium von Jesus Christus heraus, das wir verkündigen und leben wollen“. Besonders in der theologischen Ausbildung von Geistlichen und anderen Kirchenmitgliedern sollte dieser Aspekt Berücksichtigung finden.

Weiterhin seien spezifische Bildungsangebote nötig in den Bereichen Seelsorge, Beratung, Jugendarbeit und Diakonie, damit die Aufklärung über und Vorbeugung gegen HIV/AIDS sowie die Begleitung Betroffener wirksamer gestaltet werden könnten, so die Botschaft.

Die TeilnehmerInnen der Konsultation forderten die Kirchen auf, alle von HIV/AIDS Betroffenen zu begleiten und zu unterstützen. Dies sei Teil der Berufung, an der durch die Taufe alle ChristInnen teilhätten. Dringend nötig sei, die Vorbeugung zu fördern, hierzu gehörten Sexualaufklärung, Gleichstellung der Geschlechter, sexuelle Enthaltsamkeit und eine spätere Aufnahme der sexuellen Aktivität, Vermeidung von Risikoverhalten, Gebrauch von Kondomen, sterilen bzw. Einwegspritzen, virusfreien Blutkonserven und anderen Massnahmen zur Vorbeugung einer Übertragung des Virus.

Die Kirchen müssten „christliche Werte vermitteln, die Leben fördern und schützen und auf der Liebe zu sich selbst und zum Nächsten basieren“, so der Text der Botschaft. Sie sollten Werte vermitteln, die Ehe und Familienleben sowie die gegenseitige Verantwortlichkeit auf dem Gebiet der Sexualität und die Treue zueinander fördern.

Um der HIV/AIDS-Pandemie wirksamer zu begegnen, müssten die lutherischen Kirchen mit anderen Kirchen, Nichtregierungsorganisationen, Regierungen und Selbsthilfegruppen von der lokalen bis zur internationalen Ebene zusammenarbeiten. „Wir müssen für die Menschenrechte derjenigen, die mit HIV/AIDS leben, eintreten und uns für Regelungen und eine Praxis einsetzen, die diese Personen und ihre Bedürfnisse, etwa den bezahlbaren Zugang zu Medikamenten, wirksam unterstützen“ so die TeilnehmerInnen.

Die Tagung in Odessa war die letzte von vier Regionalkonferenzen, die auf der Grundlage der 2002 initiierten globalen LWB-Kampagne gegen HIV/AIDS und deren Aktionsplan „Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen reagieren auf die HIV/AIDS-Pandemie“ geplant wurden. Die erste Regionalkonsultation hatte 2002 in Afrika stattgefunden, es folgte im März 2003 eine weitere für die Region Lateinamerika und Karibik, die Konferenz für die Region Asien fand im Dezember 2003 statt. (609 Wörter)

 

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