Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

22.04.2004
Ukraine: HIV/AIDS-Pandemie fordert zur Zusammenarbeit heraus
 

Konsultation europäischer KirchenleiterInnen zum Thema HIV/AIDS tagt in Odessa

Odessa (Ukraine)/Genf, 22. April 2004 (LWI)
– „Nehmen wir ausreichend Anteil, geben wir genügend Zuwendung und sind wir als Kirchen angesichts der HIV/AIDS-Pandemie zur Umkehr bereit?“ – Diese Fragen stellte Dr. Christine Sadia, HIV/AIDS-Beraterin des Lutherischen Weltbundes (LWB), den TeilnehmerInnen der Konsultation europäischer KirchenleiterInnen zum Thema HIV/AIDS, die vom 20. bis 25. April 2004 in Odessa (Ukraine) stattfindet. Als Kenianerin komme sie von einem Kontinent, wo HIV/AIDS praktisch erfahrbar und real sei. In Afrika kämpften Millionen Menschen um ihr Überleben und seien verzweifelt. Allein in Kenia würden täglich 700 Menschen an den Folgen von HIV/AIDS sterben, unter jungen Menschen seien drei von acht mit dem HI-Virus infiziert, in der Gesamtbevölkerung Kenias liege die HIV-Infektionsrate bei rund 14 Prozent.

An der Tagung, die vom Lutherischen Weltbund (LWB) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) im „Haus der Kirche“ in Odessa veranstaltet wird, nehmen rund 40 VertreterInnen europäischer LWB-Mitgliedskirchen und Verantwortliche in der Frauen- und Jugendarbeit sowie MitarbeiterInnen regionaler und internationaler Nichtregierungsorganisationen (NGOs) teil. Die Tagung gehört zu einer Reihe von Regionalkonferenzen, die auf der Grundlage der 2002 initiierten globalen LWB-Kampagne gegen HIV/AIDS und deren Aktionsplan „Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen reagieren auf die HIV/AIDS-Pandemie“ geplant wurden. Ziel der LWB-Kampagne ist es, in den LWB-Mitgliedskirchen eine offene Diskussion über HIV/AIDS anzustossen und sie darin zu unterstützen, aktiv und mutig der Pandemie zu begegnen.

Auf der Panafrikanischen lutherischen KirchenleiterInnenkonsultation im Mai 2002 in Nairobi (Kenia) hätten sich die afrikanischen LWB-Mitgliedskirchen dazu verpflichtet, angesichts der HIV/AIDS-Pandemie das Schweigen zu brechen und sich offen mit Stigmatisierung und Diskriminierung auseinanderzusetzen, betonte Sadia. Die lutherischen Kirchen weltweit seien nun aufgefordert, konkrete Aktionspläne für die Regionen zu erarbeiten, um auf die HIV/AIDS-Pandemie zu reagieren, der LWB-Aktionsplan sei dabei eine Richtlinie.

Als Konferenzort sei bewusst Odessa gewählt worden, weil hier das Ausmass der HIV/AIDS-Pandemie besonders sichtbar und brennend sei, betonte Sadia während eines Empfangs des Bürgermeisters von Odessa, Ruslan Borissowitsch Bodelan, am Donnerstag, 22. April. Der LWB sei dankbar für die Offenheit der kommunalen Behörden in Odessa im Blick auf die HIV/AIDS-Pandemie und die gute Zusammenarbeit im Vorfeld der Tagung. Die Bekämpfung der HIV/AIDS-Pandemie sei eine sehr schwierige Aufgabe, doch könnten gemeinsame Aktionen und Projekte in Kooperation mit der regionalen lutherischen Kirche einen hilfreichen Beitrag leisten.

Für eine engere Zusammenarbeit städtischer und staatlicher Behörden und Einrichtungen mit den Kirchen sprach sich auch der Bischof der DELKU, Dr. Edmund Ratz, aus. Grundsätzlich gelte, dass sich die lutherische Kirche in der Ukraine engagieren wolle. So hätte seine Kirche bereits vor über einem Jahr die Rückübertragung des alten deutschen Krankenhauses bei den städtischen Behörden beantragt, das während der stalinistischen Verfolgung verstaatlicht worden war. Seine Kirche plane nach einer Rückübertragung des Krankenhauses Projekte im Bereich Sozialarbeit und Betreuung von HIV/AIDS-Betroffenen. Das Krankenhaus sei eine Verpflichtung der Väter und es solle wieder zum Guten der Stadt genutzt werden.

Das Ausmass der HIV/AIDS-Pandemie in der Ukraine stelle ein Problem von globaler Bedeutung dar, erklärte Valeri Fjodorowitsch Garjatschuk, Leiter der Investitionsabteilung des städtischen Komitees für Gesundheitswesen in Odessa in einem Grusswort an die TeilnehmerInnen der LWB-Tagung. Dass die Konsultation in Odessa stattfinde, sei ein Hoffnungszeichen für die Ukraine. Seine Behörde plane, sich intensiv mit den Empfehlungen der Konsultation auseinanderzusetzen.

HIV/AIDS kenne keine Grenzen, betonte Dr. Vitaliy Novosvitny, Leiter des Städtischen AIDS-Zentrums in Odessa. 1987 sei der erste offizielle Fall einer HIV-Infektion im Bereich der ehemaligen Sowjetunion in Odessa festgestellt worden, seitdem hätten sich schätzungsweise 250.000 EinwohnerInnen der Ukraine, rund ein Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 49, mit dem HI-Virus infiziert. Offiziell registriert seien in der Ukraine gegenwärtig 62.000 Menschen, die mit HIV/AIDS leben. Eine der zentralen Herausforderungen sei, so Novosvitny, die HIV/AIDS-Betroffenen kostenfrei mit antiretroviralen Medikamenten zu versorgen. Gegenwärtig sei jedoch nur die Behandlung von knapp 200 Betroffenen gewährleistet, wohingegen nach Angaben des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GF-ATM) in einer ersten Phase mindestens 4.000 Betroffene Zugang zu einer antiretroviralen Therapie erhalten müssten.

Die Tagung in Odessa ist die letzte von vier Regionalkonferenzen zum Thema HIV/AIDS. Die erste Regionalkonsultation fand 2002 in Afrika statt. Im März 2003 folgte eine weitere Konferenz für die Region Lateinamerika und Karibik, im Dezember 2003 für die Region Asien. Die Tagungen fanden mit finanzieller Unterstützung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GF-ATM) statt. Im Januar 2003 hatte der LWB mit dem Globalen Fonds ein Abkommen zur Förderung der weltweiten LWB-Kampagne gegen HIV/AIDS unterzeichnet. Zum ersten Mal hatte damit der Globale Fonds seit seiner Gründung 2001 einen Vertrag mit einer NGO geschlossen. (757 Wörter)

 

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