Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

12.01.2004
Indonesischer Bischof ruft ChristInnen auf, HIV/AIDS als ethische Frage in den Blick zu nehmen
 

Asiatische KirchenleiterInnen diskutieren offen über aktuelle Probleme

Batam Island (Indonesien)/Genf, 12. Januar 2004 (LWI)
– „Was ist Ihre persönliche Haltung zu Menschen, die mit HIV/AIDS leben?“ - diese Frage stellte der indonesische Bischof Dr. Jubil Raplan Hutauruk, Leiter der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP), während des Eröffnungsgottesdienstes der Konsultation asiatischer KirchenleiterInnen zum Thema HIV/AIDS, die vom 1. bis 4. Dezember 2003 auf Batam Island (Indonesien) stattfand und vom Lutherischen Weltbund (LWB) veranstaltet wurde.

Über 90 VertreterInnen von asiatischen Kirchenleitungen, die mit dem LWB und der Vereinten Evangelischen Mission, (Wuppertal, Deutschland), verbunden sind, trafen auf Batam Island zusammen, um sich offen mit den alarmierenden Problemen auseinanderzusetzen, die aus der Pandemie erwachsen.

In der zur HKBP gehörigen Kirche von Lubukbaja forderte Bischof Hutauruk die TeilnehmerInnen auf, die stillschweigende moralische Missbilligung und Verurteilung von Menschen, die mit HIV/AIDS leben, zu beenden. „Der HIV/AIDS-Pandemie in Asien muss umgehend, ganzheitlich und mit Liebe begegnet werden“, betonte Hutauruk. Er rief damit auch ChristInnen auf, die HIV/AIDS-Problematik als „ethische Frage [anzugehen], auf die wir, nach dem Beispiel Jesu im Haus Simons des Pharisäers, mit Offenheit reagieren müssen“.

Jesus begegnete der Frau, die seine Füsse küsste, mit uneingeschränkter Annahme und Vergebung und korrigierte gleichzeitig die „missverstandene Moral“ der Gesellschaft, die meinte, diese Frau müsse verachtet und ausgeschlossen werden, so Hutauruk.

Pfr. Ginda Harahap, Asienreferent der LWB-Abteilung für Mission und Entwicklung (AME), betonte die Notwendigkeit der „Umkehr“ in allen Bereichen der Kirchenleitung - PräsidentInnen, Bischöfe, Geistliche sowie VerantwortungsträgerInnen in der Frauen- und Jugendarbeit seien aufgerufen, zu handeln. Unter den TeilnehmerInnen der Konsultation waren auch von HIV/AIDS Betroffene, ökumenische Gäste aus Indonesien, ein Bischof aus Südafrika, LWB-Ratsmitglieder aus Afrika und Lateinamerika sowie Fachleute aus medizinischen und anderen Bereichen.

Ein Vertreter der indonesischen Regierung überbrachte ein Grusswort, in dem es hiess, im Jahr 1995 habe die örtliche Verwaltung auf die wachsende AIDS-Pandemie mit der Einrichtung eines Sonderausschusses reagiert, der sich mit HIV/AIDS-Vorbeugung befasst.

Nichtregierungsorganisationen und religiöse Gruppen seien eingeladen, „im Einklang mit den örtlichen Behörden zu arbeiten, um die Bevölkerung auf Batam Island durch Information, Bewusstseinsbildung und Hilfe für die Infizierten zu unterstützen“, so der Regierungsvertreter.

Er stellte weiterhin fest, dass die Zahl der Infizierten bisher noch niedrig sei, dass zukünftig auf Batam Island jedoch ein hohes Risiko für die Verbreitung von HIV/AIDS entstehen könne. Nach Schätzungen von UNAIDS, der AIDS-Organisation der Vereinten Nationen, liegt in Indonesien die HIV-Infektionsrate mit 0,1 Prozent aller Erwachsenen (die 49 Prozent der Bevölkerung ausmachen) relativ niedrig.

Die Kirche als Gemeinschaft der Zuwendung und Heilung

In einer „Verpflichtungserklärung“ bestätigten die VertreterInnen der 46 LWB-Mitgliedskirchen in Asien am Ende der Konsultation, diese habe ihnen Gelegenheit geboten, sich mit den eigenen Vorurteilen sowie dem Mangel an Wissen und Erfahrung im Blick auf HIV/AIDS-Betroffene auseinanderzusetzen und die gegenwärtige Praxis der Kirche zu hinterfragen, die berufen sei, eine Gemeinschaft zu sein, in der Zuwendung und Heilung erfahren werden.

Die KirchenvertreterInnen verwiesen auf die Verpflichtung, sich zu einem Bund des Lebens zu bekennen, der Theologie, biblische Ethik, Seelsorge, Mission, Diakonie sowie religiöse und kulturelle Schranken umfasse. Weiterhin betonten die asiatischen KirchenleiterInnen, es sei notwendig, Schwerpunkte im Blick auf Bewusstseinsbildung und Vorbeugung, Globalisierung der Wirtschaft, sowie Zusammenarbeit und Vernetzung zu setzen. HIV/AIDS sei, so wurde betont, kein rein medizinisches Problem, sondern müsse im Zusammenhang spiritueller und sozial-politisch-ökonomischer Problemstellungen sowie der mit ihnen einhergehenden Aufgaben betrachtet werden.

Bei einem Gedenken an Menschen, die an HIV/AIDS-Komplikationen gestorben sind, wurde versucht, mit Hoffnung und Licht positive Akzente zu setzen. Dr. Christine Sadia, LWB-Beraterin zur HIV/AIDS-Problematik, und Christine Wahyuni, die mit HIV/AIDS lebt, entzündeten Kerzen im Gedenken an Verstorbene und Menschen, die infiziert oder von den Auswirkungen von HIV/AIDS betroffen sind. Die TeilnehmerInnen hatten Gelegenheit, Namen von HIV/AIDS-Opfern auf ein Gedenktuch zu schreiben.

Bisher ist Afrika die Region mit der höchsten HIV/AIDS-Infektionsrate, inzwischen wachsen jedoch auch Befürchtungen, dass sich in Teilen Asiens eine äusserst besorgniserregende Pandemie entwickelt. Gegenwärtig sind bereits über acht Millionen Menschen in der Region HIV-positiv.

Die Tagung in Asien war die dritte von vier Regionalkonferenzen, die auf der Grundlage der 2002 initiierten globalen LWB-Kampagne gegen HIV/AIDS und deren Aktionsplan „Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen reagieren auf die HIV/AIDS-Pandemie“ geplant wurden. Die erste Regionalkonsultation hatte 2002 in Afrika stattgefunden, es folgte eine weitere für die Region Lateinamerika und Karibik. Die europäische Konsultation ist für April 2004 vorgesehen. (713 Wörter)

(Ein Artikel von LWI-Korrespondent Lance Woodruff, Thailand.)

 

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