Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

14.07.2003
Vielfalt, Unterscheidung und Diakonie müssen Massstab der Kirche sein
 

David Pfrimmer: Bei Heilung der Kirche geht es um Gerechtigkeit und Inklusivität

Guelph (Kanada)/Genf, 14. Juli 2003 (LWI)
– Der kanadische Theologe Pfr. Dr. David Pfrimmer hat die lutherischen Kirchen dazu aufgerufen, Vielfalt zu begrüssen und zu fördern, sich aktiv um eine Unterscheidung der „Zeichen der Zeit“ zu bemühen sowie sich verstärkt der Diakonie, dem sozialen Dienst an dem/der Nächsten, zuzuwenden. Eine aufmerksame, wache und offene Kirche müsse eine „Drei-D-Kirche“ sein, eine Kirche, die die Stichworte Vielfalt (Diversity), Unterscheidung (Discernment) und Diakonia zum Massstab habe, betonte Pfrimmer in seinem Schwerpunktreferat zum Thema „Zur Heilung der Kirche – Erinnern, wer wir sind“ während der Vorbereitenden Jugendkonferenz zur Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB), die vom 12. bis 18. Juli im kanadischen Guelph stattfindet.

Heilung der Kirche habe etwas damit zu tun, von Gott und nicht von der Welt verändert zu werden, so Pfrimmer, Direktor des „Lutheran Office for Public Policy“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada (ELKIK). Hinzu komme, dass die LutheranerInnen sich erinnern und wieder neu entdecken müssten, wer sie seien. Dies befähige sie dann, mit Hilfe des Heiligen Geistes Heilung und Veränderung in die Welt zu bringen, die Gott so sehr liebe. Bei dem Thema Heilung der Kirche gehe es um Gerechtigkeit und Inklusivität.

Die Vielfalt zu bejahen und sie zu fördern, bedeute, so Pfrimmer, sich der eigenen Wurzeln bewusst zu werden. Die Konfrontation mit vielfältigen Kulturen, unterschiedlichen Bekenntnissen und verschiedener Herkunft trage dazu bei, das Selbstverständnis und das Verständnis für Andere zu vertiefen. So habe der ökumenische und interreligiöse Dialog der lutherischen Kirche in Kanada eine Stärkung der eigenen Theologie sowie ein starkes gemeinsames Zeugnis für die Einheit der Kirche zur Folge gehabt.

Im Blick auf die Unterscheidung der Zeichen der Zeit betonte Pfrimmer, dass der persönliche Blickwinkel immer auch von persönlichen Anschauungen abhänge. Dabei sei dringend erforderlich, dass ChristInnen dort Stellung beziehen, wo Menschen leiden, wo die Schöpfung leidet. Die Welt aus der Nähe zu betrachten, zwinge dazu, schwierige Fragen zu stellen. Unterscheidung bedeute, nach der Gerechtigkeit in unserer heutigen Welt zu fragen sowie danach, wie Frieden geschaffen werden könne. Er verstehe die Unterscheidung als einen Prozess, die Geschehnisse zu analysieren und zu beginnen, die Dynamik der Welt zu verstehen, so Pfrimmer.

Als zentrales Element der Frage, was es bedeute ChristIn, was Kirche zu sein, benannte Pfrimmer die Diakonie, als bedingungslosen Dienst an dem/der Nächsten. Fundamental betrachtet heisse Diakonie, die Einführung einer Ethik der Inklusivität. Diakonie sei das Hinwirken auf soziale Veränderungen und sie bedeute ein Ringen um Gerechtigkeit. Sich in der Diakonie zu engagieren, ermögliche eine Konfrontation mit Situationen und eine Begegnung mit Menschen, wo das Evangelium hörbar werde. Dabei müsse sich die Kirche bevorzugt den Ausgegrenzten zuwenden. Das Evangelium werde meistens an den Rändern einer Gesellschaft sichtbar.

An der Vorbereitenden Jugendkonferenz zur Vollversammlung nehmen rund 90 Jugenddelegierte und Stewards aus 54 Ländern teil. Es ist die letzte von insgesamt sieben Tagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung, die sich aus der Perspektive der verschiedenen Regionen sowie aus der Perspektive von Frauen und Jugend mit Thema und Inhalt der Vollversammlung beschäftigen. Die LWB-Vollversammlung zum Thema „Zur Heilung der Welt“ findet vom 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg statt. Gastgeberin ist die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada (ELKIK).

Den Anfang der Tagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung machte die Vorbereitende Konsultation der Frauen zur Vollversammlung vom 14. bis 19. November 2002 in Montreux (Schweiz). Die erste von insgesamt fünf regionalen Vorbereitungstagungen fand vom 23. bis 26. Januar in Nordamerika (Denver, Colorado/USA) statt, gefolgt von Europa, 23. bis 26. Februar in Wien (Österreich), Asien, 2. bis 6. März in Medan (Indonesien), Afrika, 23. bis 26. März in Nairobi (Kenia) sowie Lateinamerika, 6. bis 9. April in San Salvador (El Salvador).

In Winnipeg werden zur Zehnten Vollversammlung im Juli 2003 rund 800 TeilnehmerInnen erwartet, einschliesslich der über 430 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB und tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen. (656 Wörter)

Den vollen Wortlaut des Referats von Pfr. Dr. David Pfrimmer finden Sie in englischer Sprache auf der Vollversammlungswebseite unter: www.lwf-assembly.org/lwfimages/Healing_of_the_Church_Pfrimmer.pdf

 

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