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LWB-Generalsekretär: „Ich bin beunruhigt und verzweifelt“
Genf, 4. Juli 2003 (LWI) - Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Dr. Ishmael Noko, hat seinen dringenden Appell an die kanadischen Behörden erneuert, schnell über Visaanträge der TeilnehmerInnen an der in Kürze beginnenden LWB-Vollversammlung im kanadischen Winnipeg zu entscheiden.
„Ich bin beunruhigt und verzweifelt“, so Noko, „dass eine erhebliche Anzahl TeilnehmerInnen aus Kirchen vor allem im Süden von diesem sehr bedeutenden Ereignis im Leben des Weltbundes ausgeschlossen bleiben.“
Nur etwa zwei Wochen vor der Zehnten LWB-Vollversammlung vom 21. bis 31. Juli, verweigern die kanadischen Behörden weiterhin 27 TeilnehmerInnen aus elf Ländern Afrikas und Asiens die Erteilung eines Visums.
Bisher wurden bereits zwei Schreiben des LWB, vom 29. Mai und vom 27. Juni, dem kanadischen Minister für Staatsbürgerschaft und Einwanderung, Denis Coderre, persönlich übergeben. Die kanadische Regierung hat bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf diese Schreiben nicht reagiert. „Wir warten weiterhin auf Informationen über die Schritte, die Minister Coderre im Blick auf die verweigerten Visa und auch das Problem der noch laufenden Anträge, das noch grösseren Ausmasses ist, unternimmt.“
Der LWB nutze alle ihm gebotenen Möglichkeiten, um mit den betroffenen Delegierten und Kirchen den Kontakt zu halten und dringe darauf, dass sie die erforderliche zusätzliche Dokumentation vorbereiten. „Was wir jetzt dringend brauchen, sind Angaben von Minister Coderre, wann und in welcher Form sie die Bitte um erneute Prüfung ihrer Anträge einreichen sollen“, so Noko.
Die gute Nachricht, dass mittlerweile vier der zuvor abgelehnten Visaanträge nach neuerlicher Prüfung positiv beschieden wurden, werde überschattet von der insgesamt zunehmenden Zahl der Ablehnung von Anträgen, so Noko. Einem Inhaber eines tschechischen Passes, einer Kenianerin, einem Kolumbianer sowie einer Kolumbianerin, die ursprünglich einen ablehnenden Bescheid erhalten hatten, sollen in der Zwischenzeit Visa ausgestellt worden sein.
Gegenwärtig sind von den Ablehnungen TeilnehmerInnen aus Äthiopien, Bangladesch, der Demokratischen Republik Kongo (DRK), Eritrea, Kamerun, Kenia, den Philippinen, dem Senegal, Sierra Leone, Südafrika und Tansania betroffen. Sämtliche Anträge zweier Delegationen, aus der DRK und aus Sierra Leone, wurden abgelehnt. Unter denjenigen, die negative Bescheide kanadischer Botschaften erhielten, sind Bischöfe und hochrangige Kirchenleiter sowie eine Kandidatin für den neuen LWB-Rat, der von den Delegierten der Zehnten Vollversammlung gewählt wird. Von einer Ablehnung ihres Visaantrags sind gegenwärtig insgesamt 15 Frauen und 12 Männer betroffen.
„Es hat mich ermutigt, aus Medienberichten zu erfahren, dass Minister Coderre sich persönlich eingeschaltet hat, um eine erneute Prüfung dieser Fälle sicherzustellen“, so Noko. „Warum ist dann aber kein Ergebnis dieser persönlichen Einflussnahme wahrnehmbar?“
In seinem vom 27. Juni datierten Schreiben erinnerte der LWB-Generalsekretär Minister Coderre an die schwerwiegenden Folgen der Visaverweigerung: „Wie bereits in meinem vorhergehenden Schreiben an Sie festgestellt, hat der Ausschluss so vieler Delegierter aus dem Süden von der Teilnahme gravierende Auswirkungen auf die Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit unserer Vollversammlung.“ Der LWB tage unter dem Thema „Zur Heilung der Welt“ und gerade deshalb sei es schwer vorstellbar, dass sich Kanada als Land erweisen würde, das durch Einschränkungen Einfluss darauf nimmt, welche Menschen und welche Stimmen unter den Eingeladenen letztendlich teilnehmen können.
In seinem Schreiben kritisierte Noko, dass wichtige Informationen über den LWB und „unsere Garantien“ bezüglich der vollständigen Übernahme der finanziellen Verantwortung und der Verantwortung für die Rückkehr aller TeilnehmerInnen in ihre Heimatländer von bestimmten kanadischen Botschaften bei der Prüfung dieser Anträge nicht berücksichtigt werden. „Wir sind von der Annahme ausgegangen, dass die offiziellen Kontakte, die zwischen Ihrer Behörde und unseren kanadischen GastgeberInnen hergestellt worden waren, eine zuverlässige Grundlage für die Weiterleitung solcher Informationen an die kanadischen Botschaften darstellen würden, dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein“, so Noko.
„Minister Coderre sollte sich der negativen Auswirkungen der Ablehnungen von Visaanträgen auf unsere Vollversammlung bewusst sein“, betont Noko. „Dies würde bestimmte Teile der lutherischen Gemeinschaft ausschliessen und unserer Verpflichtung zuwiderlaufen, Trennungen zwischen Nord und Süd, Ost und West, Frauen und Männern sowie jungen und älteren Menschen zu heilen.“
Die Leitung des LWB und die Gastgeberin der Vollversammlung, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada, bereiten sich gegenwärtig darauf vor, über 800 internationale TeilnehmerInnen bei der Zehnten LWB-Vollversammlung willkommen zu heissen. TeilnehmerInnen aus 51 Ländern benötigen für die Einreise nach Kanada ein Visum.
Die Vollversammlung ist ein wichtiges Ereignis im Leben des LWB. Sie ist dessen höchstes Entscheidungsorgan und tritt nur einmal alle sechs Jahre zusammen. Von den 136 Mitgliedskirchen des LWB sind 133 berechtigt, eine jeweils eigene Delegation unterschiedlicher Grösse zu entsenden, die dann gemeinsam über Verpflichtungen des LWB entscheiden und dessen Prioritäten für die kommenden sechs Jahre festlegen. Die letzte Vollversammlung fand im Juli 1997 in Hongkong (China) statt, nur wenige Tage nach der Rückkehr Hongkongs unter chinesische Hoheit. Die chinesischen Behörden hatten damals allen TeilnehmerInnen Visa gewährt. (769 Wörter)
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