Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

19.06.2003
Die Erfahrung "voller Kirchengemeinschaft" als Geschenk an die LWB-Vollversammlung
 

Im Gespräch: ELKIK-Bischof Raymond Schultz und anglikanischer Primas Michael Peers

Genf, 19. Juni 2003 (LWI)
- Am 6. Juli 2001 haben die Anglikanische Kirche von Kanada (AKK) und Kanadas grösste lutherische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada (ELKIK), in Waterloo (Ontario/Kanada) offiziell „Die Erklärung von Waterloo“ angenommen, die als wichtiger Fortschritt auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirche begrüsst wurde.

Eine Beziehung der vollen Kirchengemeinschaft bedeutet keine Fusion beider Kirchen. Sie beinhaltet die gegenseitige Anerkennung der Gottesdienstordnung, der Sakramente und der ordinationsgebundenen Ämter, während gleichzeitig beide Kirchen ihre eigene Identität, Struktur und Leitung behalten.

Der kanadische Journalist Michael McAteer, ehemaliger Kirchenredakteur des „Toronto Star“, hat in Vorbereitung auf die Zehnte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg mit dem Nationalbischof der gastgebenden ELKIK, Bischof Raymond Schultz, und dem Primas der AKK, Erzbischof Michael Peers, über die Erfahrungen beider Kirchen mit dem Geschenk der vollen Gemeinschaft gesprochen. Da beide Kirchen die weltweite lutherische Gemeinschaft in Winnipeg gemeinsam empfangen wollen, kommt der vollen Kirchengemeinschaft beider Kirchen eine zentrale Bedeutung zu.

Im Folgenden finden Sie den vollen Wortlaut des Gesprächs:

McAteer: Bischof Schultz, vielleicht könnten Sie uns kurz erklären, wie diese Kirchengemeinschaft entstanden ist. Wie fing alles an? Woher kamen die Impulse?


Schultz: Die Entwicklung hin zu voller Kirchengemeinschaft hat ihren Anfang nicht in Kanada genommen. Als erste wurde die Kirchen in Europa aktiv und als wir in Kanada die Gespräche über Kirchengemeinschaft aufnahmen, haben wir uns zunächst auf Dokumente gestützt, die schon in Porvoo und anderswo formuliert worden waren. Dann haben wir eine Art „original-kanadischen“ Einigungsprozess in Gang gesetzt.

Das Bemerkenswerteste an unserem Ansatz ist, dass unsere beiden Kirchen nach einer Reihe von Treffen, auf denen sie Übereinstimmung in relevanten Fragen erreicht hatten, beschlossen, dass die Zeit gekommen sei, eine Beziehung einzugehen, nun ja, man könnte es fast eine „Beziehung auf Probe“ nennen, in deren Rahmen es uns durch die Herstellung vorläufiger eucharistischer Gemeinschaft möglich wurde, gemeinsames Leben zu vollziehen und zu prüfen, wie sich diese Schritte praktisch auswirken.

Im Verlauf dieser „Probezeit“ ist uns deutlich geworden, dass wir auch ohne eine Vielzahl von Vereinbarungen eine gemeinsame Zukunft haben, dass wir einander vertrauen und zusammenarbeiten konnten und dass wir einen Prozess in Gang setzen könnten, in dem wir uns gemeinsam mit den eingetretenen Entwicklungen befassen.

McAteer: Und wie funktioniert die volle Kirchengemeinschaft?

Schultz: Meiner Ansicht nach funktioniert unsere Beziehung sehr gut, und, so wie ich es sehe, liegt der Grund dafür darin, dass es uns möglich ist, auf konkrete Situationen gezielt zu reagieren. Das deutlichste Beispiel, das mir hier in den Sinn kommt, ist, dass wir den Austausch von Geistlichen beschlossen haben, so dass Pfarrer und Pfarrerinnen unserer beiden Kirchen in Gemeinden der jeweils anderen Kirche Dienst tun. Aber wir arbeiten auch bei vielen Veranstaltungen auf Gemeindeebene zusammen. Wo früher Lutheraner und Lutheranerinnen für sich alleine eine Konsultation organisiert oder ein Thema diskutiert hätten, geschieht heute diese Planung grundsätzlich nicht ohne ihre anglikanischen Schwestern und Brüder. Auf nationaler Ebene bereiten wir die Vollversammlung vor und in unseren Planungsausschüssen sitzen Mitglieder der anglikanischen Kirche, die voll in die Vorbereitungen eingebunden sind. Und Erzbischof Peers wird einer der Ehrengäste auf der Vollversammlung sein.

Peers: Was Bischof Schultz über die spezifisch kanadische Herangehensweise an diese Frage gesagt hat, ist sehr wichtig. Es sind eine Reihe von Entscheidungen getroffen worden. Eine dieser Entscheidungen war, dass unsere Kirchenleitungen, wenn wir Initiativen auf Gemeindeebene ermutigen wollen und wenn die Menschen in unseren Gemeinden sich gegenseitig kennen lernen sollen, ermutigende Signale geben und selbst mit gutem Beispiel vorangehen müssen. Deshalb halten die Bischöfe und Bischöfinnen unserer beiden Kirchen seit etwa acht Jahren mindestens einmal jährlich ihre jeweilige Tagung zur selben Zeit am selben Ort ab und kommen auch zu gemeinsamen Diskussionen zusammen, in denen sie sich nicht nur über anglikanisch-lutherische Themen austauschen. Das bedeutet, dass man in seinem ersten Jahr als Bischof bzw. Bischöfin nicht nur jeden Bischof und jede Bischöfin der eigenen Tradition, sondern auch der anderen Tradition kennen lernt.

Wir haben eine Gruppe, die an der Umsetzung unseres Übereinkommens arbeitet - welche Implikationen sich daraus ergeben und wie wir mit bestimmten Situationen umgehen sollen. So gibt es zum Beispiel in Winnipeg eine Gemeinde, die zusammen von einem anglikanischen Priester und einem lutherischen Pfarrer betreut wird. Auch der Leiter der grössten anglikanischen Kirche in Regina ist ein lutherischer Pfarrer, und das hat sich einfach so ergeben. Die Bischöfe und Bischöfinnen auf beiden Seiten sind durchaus zufrieden damit, die Gemeinden sind es auch, und damit entstehen vor Ort zahlreiche Initiativen. Natürlich hat die Geografie viel damit zu tun. In der Provinz Neufundland gibt es keine lutherische Kirche, so haben die drei anglikanischen Diözesen in Neufundland viel weniger Erfahrung mit dieser neuen Realität als andere an anderen Orten, wie insbesondere im Westen.

Einer unserer grossen Vorteile in diesem speziellen ökumenischen Dialog ist das unter den Gemeindemitgliedern weit verbreitete Empfinden, dass wir uns, wenn wir in der Kirche der anderen Gottesdienst feiern, auf vielfältige Weise zu Hause fühlen. Da geht es einmal um die Form des Gottesdienstes, aber auch darum, dass wir willkommen sind.

McAteer: Gibt es Probleme, die Sie nicht erwartet hätten?

Peers: Ich denke, wir hatten Probleme vorausgesehen, die dann nicht eingetreten sind. Es gibt Anglikaner und Anglikanerinnen, die aus diesem oder jenem Grund Schwierigkeiten haben, die andere Gemeinschaft als Kirche in der Art, wie sie Kirche verstehen, wahrzunehmen. Und es würde mich überraschen, wenn es nicht irgendwo Lutheraner und Lutheranerinnen gäbe, die umgekehrt die gleiche Auffassung vertreten. Aber das ist bisher in keiner Weise zu einem so grossen Problem geworden, dass wir Hilfe von aussen gebraucht hätten.

McAteer: Bischof Schultz, gibt es lutherische Gemeindemitglieder, die die volle Kirchengemeinschaft in einem negativen Licht sehen?

Schultz: Ich denke, da handelt es sich um eine relativ kleine Minderheit. Dabei geht es wahrscheinlich mehr um Fremdenfeindlichkeit. Aus meiner Sicht sind wir mit Problemen gut umgegangen. Ein Thema, dass wir unter uns Bischöfen und Bischöfinnen diskutiert haben, ist, wie wir die Geistlichen über die jeweils andere Konfession informieren sollten, denn am Anfang haben wir sie einfach ins kalte Wasser geworfen. Es gibt einige Unterschiede, aber mehr in lokalen Traditionen als in der tatsächlichen Kirchenordnung. In Saskatoon arbeiten ein lutherisches und ein anglikanisches Seminar sowie eines der Vereinigten Kirche von Kanada auf die Schaffung einer gemeinsamen theologischen Einrichtung auf dem Campus der Universität Saskatchewan hin.

Es gibt eine gemeinsame anglikanisch-lutherische Kommission, die eine ganze Reihe von Fragen zu bearbeiten hat. Weit oben auf dieser Tagesordnung steht die Rolle der Diakone und Diakoninnen in unseren jeweiligen Kirchen. Lutherischerseits wurde zwar vor ein paar Jahren beschlossen, dass wir das Amt der Diakone und Diakoninnen als geistliches Amt anerkennen können, dennoch besteht in unserer Kirche keine endgültige Klarheit über die Rolle von Diakonen und Diakoninnen. Wir dachten, auf anglikanischer Seite wären alle diesbezüglichen Fragen geklärt, bis wir miteinander sprachen und feststellten, dass auch dort keine vollkommene Klarheit besteht.

McAteer: In der anglikanischen Kirche gibt es zur Zeit eine ganze Anzahl heikler Fragen. Dazu gehört die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Sollte die AKK als Ganzes solche Segnungen billigen, wie würde die ELKIK darauf reagieren?

Schultz: Es wäre tatsächlich eine heikle Frage, sollten wir eine andere Richtung als unsere gegenwärtige Position einschlagen. Während in der anglikanischen Kirche jede Diözese ihre je eigene Entscheidung treffen kann, müsste sie in der ELKIK auf nationaler Ebene gefällt werden. Zur Zeit vertritt unsere Kirche die Position, dass wir keine gleichgeschlechtlichen Verbindungen segnen. Wir arbeiten auf eine Verpflichtung hin, was Mitgliedschaft in unseren Gemeinden betrifft, gastfreundlich und offen zu sein und auf lokaler Ebene eine Reihe von seelsorgerlich begleitenden Gesprächsangeboten zu machen.

Zehnte LWB-Vollversammlung vom 21. bis 31. Juli 2003 in Winnipeg

McAteer: Welche Bedeutung hat die LWB-Vollversammlung?

Schultz: Das Vollversammlungsthema lautet: „Zur Heilung der Welt“. Wenn jemand nicht nur die Boulevardpresse im Supermarkt liest, ist es nicht sehr schwer festzustellen, dass diese Welt dringend der Heilung bedarf. Weltweit durchleben wir aussergewöhnliche Zeiten. Wir erleben neue Formen der Balkanisierung, ethnische Konflikte in Afrika, wir sind konfrontiert mit Umweltproblemen, die ganze Arten, einschliesslich der Menschen, auszulöschen drohen. Überall, wo man hinsieht, ist unser Zusammenleben als Menschheit auf unterschiedliche Weise in seiner Substanz gefährdet. Heilung ist ein so umfassendes Thema, dass es [für die Vollversammlung] in zehn Unterthemen aufgeteilt wurde, damit überhaupt ein Gespräch möglich wird.

McAteer: Welche Rolle sollten die Anglikaner und Anglikanerinnen auf der LWB-Vollversammlung übernehmen?

Schultz: Unserer Erfahrung nach spielen sie eine Rolle auf mindestens drei verschiedenen Ebenen. Auf Ortsebene übernehmen die Anglikaner und Anglikanerinnen in Winnipeg gemeinsam mit uns die Rolle als Gastgeberinnen der Vollversammlung. Die dortige Diözese war äusserst hilfreich und hat uns personelle und andere Ressourcen zur Verfügung gestellt. Über diese Ebene hinaus sind der Primas und andere Mitglieder der Anglikanischen Kirchengemeinschaft als offizielle BesucherInnen zur Vollversammlung eingeladen. Als offizielle BesucherInnen haben sie Rederecht. Sie haben die Möglichkeit an allen Veranstaltungen teilzunehmen und nicht nur allgemein beizutragen, sondern auch konkret mitzuwirken an den Beratungen, aus denen die abschliessenden Reaktionen zum Thema erwachsen werden. Schliesslich besteht auf der internationalen Ebene eine historisch gewachsene Gemeinschaft zwischen dem weltweiten Luthertum und den Anglikanern und Anglikanerinnen. Wir können auf eine Beziehung zurückblicken, die eine lange Tradition hat und seit jeher auch die gegenseitige Konsultation beider Kirchen einschliesst.

McAteer: Erzbischof Peers, welche Rolle sollte die anglikanische Kirche Ihres Erachtens auf der LWB-Vollversammlung spielen?

Peers: Ich bin begeistert, dass die Diözese Rupertsland und die anglikanische Kirche in Winnipeg so intensiv an der Organisation und Planung der Vollversammlung mitarbeiten. Ich glaube, dass viele Menschen hier das Gefühl haben, dass ein Ereignis von weltweiter Bedeutung in dieser Stadt und dieser Diözese stattfindet. Und es ist ein Ereignis für unsere engsten Freundinnen und Nachbarn in der christlichen Welt, und deshalb wünschen wir, dass [die Vollversammlung] so gut wie möglich gelingt, und wir wollen dabei mithelfen.

Das wird vieles bewirken. Zum einen werden viele Menschen andere Menschen kennen lernen. Und wenn das geschieht, ist nichts mehr, wie es war. Eine persönliche Anmerkung - als ich hier vor 30 Jahren als Priester arbeitete, zog eine lutherische Gemeinde zu uns in unser Gebäude und wir leben seither zusammen. So können wir also in dieser Stadt auf gemeinsame Erfahrungen zurückblicken. Man kann nicht genug betonen, was geschieht, wenn Menschen sich begegnen. Wenn Menschen sich begegnen, besteht die Chance auf Leben, Wachstum, Lernerfahrungen und Veränderung. Wenn Bischof Schultz sagt, dass im lutherischen Diskurs eine Bewegung vom Weltbund zur Gemeinschaft festzustellen ist, dann kann man gleichermassen feststellen, dass im anglikanischen Diskurs eine starke Bewegung von einer Gemeinschaft zu einem föderalen Ansatz hin besteht, denn einige Menschen haben den Eindruck, dass an Orten wie zum Beispiel Sydney in Australien gravierende Spannungen bestehen.

McAteer: Erwarten Sie lebhafte Debatten der Delegierten zur Nord-Süd-Frage, zwischen Kirchen im sich entwickelnden Süden und Kirchen im wohlhabenden Norden?

Schultz: Mit Sicherheit kann ich sagen, dass es bestimmt zwischen den Kirchen im Süden und den Kirchen im Norden einen Unterschied gibt. Zum Teil wird dies positiv erlebt und zum Teil nicht. Die Kirchen im Norden sind die Kirchen, die das Geld haben. Die Kirchen im Süden sind Kirchen mit wachsenden Mitgliederzahlen, mit Evangelisation und Begeisterung. Kirchen im Süden sind mitunter noch geprägt durch die Haltung der Missionare und Missionarinnen, die sie evangelisierten, so dass bei ihnen in einigen Fällen noch sehr stark die ethnische Herkunft jener Menschen spürbar wird, die die ersten Kirchen gründeten. Es bestehen auch kulturelle Unterschiede.

Um noch auf einen weiteren Aspekt hinzuweisen, es gibt auch bei uns Menschen, die in der Welt herumkommen, doch das macht die Frage noch komplizierter. Wir haben Auslandskirchen mit Ursprung im Süden, deren Mitglieder jetzt in Ländern wie Kanada leben, und sie bringen Haltungen und eine kirchliche Praxis mit, die nicht der gegenwärtigen Praxis in den Kirchen entsprechen, aus denen sie kommen, sondern in die Periode zurückreichen, in der sie ausgewandert sind. Gleichzeitig sind sie jedoch auch anders als die übrigen Kirchen in Kanada.

Wahrscheinlich wird sich die Diskussion hauptsächlich um wirtschaftliche Fragen drehen, denn viele der südlichen Kirchen befinden sich in Ländern, die arm sind und keinen Einfluss darauf haben, wie im Blick auf Globalisierung und internationale Handelsabkommen die Weichen gestellt werden.

McAteer: Erzbischof Peers, haben Sie angesichts Ihrer Erfahrung mit internationalen kirchlichen Treffen eine Empfehlung, worauf sich die Vollversammlung konzentrieren sollte?

Peers: Eine der grössten Aufgaben ist es, einen Rahmen zur Verfügung zu stellen, wo Menschen aus dem „Norden“ und aus dem „Süden“ wirklich ins Gespräch kommen können. Eine der Schwierigkeiten dabei ist, unsere Einheit im Glauben und im Evangelium zur Vielfalt in unserer Kultur sowie Politik und Wirtschaft in Beziehung zu setzen.

McAteer: Bischof Schultz, welche Ergebnisse der Vollversammlung erhoffen Sie sich, über alle Debatten und Reden hinaus?

Schultz: Ich erhoffe mir unter anderem, dass [die Vollversammlung] für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auch eine heilende Erfahrung sein wird. Die Menschen, die zu dieser Vollversammlung kommen, stehen mit ihren Überzeugungen oft allein. Oft sind sie mit scheinbar unüberwindbaren Problemen konfrontiert. Wissen Sie, wenn jemand an unheilbarem Krebs leidet, geht es bei Heilung nicht nur um körperliche Genesung. Es geht um den Prozess, diesen Menschen zu spiritueller Ganzheit zu verhelfen, so dass sie ertragen können, was sie erleiden, und ihr Leben in Glauben und Hoffnung vollenden. Ich betrachte die Menschen in unserer Kirche als Spender und Spenderinnen von Heilung in einer Welt, die oft von Krebs befallen ist. Diese Aufgabe ist riesig. Ob sich die Welt allerdings letztendlich dramatisch verändern wird und ob es möglich ist, dass 60 Millionen Lutheraner und Lutheranerinnen weltweit zusammen mit andern Christen und Christinnen der Flut der Globalisierung und dem Moloch wirtschaftlichen und militärischen Fortschritts Einhalt gebieten können, das weiss ich nicht.

Aber ich weiss, dass diese Menschen den Gemeinschaften, in denen sie leben und arbeiten – und, soweit sie die Chance haben, auch der Welt insgesamt - ihre Botschaft von Versöhnung und Heilung weitersagen werden; dass sie auf das ganze Spektrum dessen, was es heisst, Mensch zu sein, und die Beziehungen, die Menschen in dieser Hinsicht brauchen, eingehen werden.

McAteer: Diese Art Treffen sind wohl auch für die Kirchenleitungen sehr ermutigend, die sich sicher manchmal angesichts der Entwicklungen in der Welt entmutigen lassen?

Schultz: Es ist wie ein Sakrament. Der Grund dafür, dass wir den Menschen im Abendmahl Brot und Wein spenden, ist, dass sie so die Gegenwart des lebendigen Christus wirklich schmecken und fühlen können. Wir folgen einem menschgewordenen Gott, einem Gott aus Fleisch und Blut, den man berühren und fühlen kann, einem, der in einer Beziehung mit uns lebt. So sind diese Begegnungen und die gegenseitige Erfahrung der anderen sowie die Erkenntnis, dass tatsächlich Menschen auf der ganzen Welt die gleichen scheinbar unbedeutenden Handlungen vollziehen, ein so starkes Erlebnis, das gar nicht zu beschreiben ist.

Peers: Solche Treffen bedeuten immer eine Kombination von Stärkung und Herausforderung. Eine der Herausforderungen richtet sich an unser Gefühl „wir Ärmsten“- unser Selbstmitleid, wenn wir nämlich von der viel verzweifelteren Lage anderer Christen und Christinnen hören. Noch komplexer ist die Erschütterung, wenn wir von unseren vermeintlichen Pluspunkten, unseren konkreten Beiträgen und Leistungen sprechen und sie dann jemand zutiefst in Frage stellen und uns damit schockiert. Natürlich steht heutzutage diese Art von Erfahrung vielen Menschen offen, zum Beispiel mit Hilfe des Internets, doch kann nichts je die persönliche Begegnung mit Menschen aus Fleisch und Blut ersetzen. (2.521 Wörter)

 

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