Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

09.04.2003

Der Bürgerkrieg in El Salvador endete vor elf Jahren, aber der Konflikt geht weiter

Salvadorianischer Arzt Ibarra: Zeit der Harmonie hat ihren Höhepunkt überschritten

San Salvador (El Salvador)/Genf, 9. April 2003 (LWI)
- Vor elf Jahren wurden in El Salvador die Friedensverträge zwischen der Regierung und der linksgerichteten Nationalen Befreiungsfront Farabundo Marti (FMLN - Frente Farabundo Marti para la Liberación Nacional) unterzeichnet, die einen Bürgerkrieg beendeten, der mehr als 75.000 Todesopfer gefordert hatte. Zwar sei der Krieg heute zu Ende, "aber die Probleme, die ihn ausgelöst hatten, bleiben ungelöst", betonte der salvadorianische Arzt Dr. Angel Ibarra vor den rund 50 TeilnehmerInnen der Vorbereitenden Konsultation zur Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) für die Region Lateinamerika und die Karibik, die vom 6. bis 9. April in San Salvador (El Salvador) stattfindet.

Ibarra, Direktor der salvadorianischen Umweltorganisation Unión Nacional Ecológica Salvadoreña (UNES), betonte in seinem Referat über die Lebensrealität in Mittelamerika und insbesondere in El Salvador, dass sich das Klima in El Salvador verbessert habe. So sei die staatliche Behörde zum Schutz der Menschenrechte gegründet worden, politische Repressionen hätten aufgehört und es gebe freie Wahlen. Das sei allerdings sehr wenig und stelle die Erwartungen der Bevölkerung nicht zufrieden, die seit Ende des Bürgerkrieges vor elf Jahren bestünden.

"Im Gegenteil, ich glaube, dass sich die Situation verschlechtert hat", unterstrich Ibarra. "Nach dem Ende des Krieges erlebte die neoliberale Politik einen Aufschwung, viele Unternehmen wurden privatisiert, der Staat hat aufgehört, sich um die Grundbedürfnisse der BürgerInnen zu kümmern, Tausende von ArbeiterInnen wurden entlassen und die Armut in der Bevölkerung ist gestiegen", erklärte er. So seien zehn Prozent der insgesamt sechs Millionen BürgerInnen El Salvadors auf die Unterstützung mit Lebensmitteln angewiesen.

Nach Abschluss der Friedensverträge habe es eine Zeit der Harmonie im Land gegeben. Aber diese Zeit, so Ibarra, habe ihren Höhepunkt überschritten. Heute verschafften sich die sozialen Bewegungen, wie die Berufsgenossenschaften, mit ihren Protesten Gehör. Sie seien sich darüber im Klaren, dass das neoliberale Modell nicht in der Lage sei, die schwerwiegenden wirtschaftlichen Probleme des Landes zu lösen.

Ibarra rief dazu auf, die Zivilgesellschaften in allen lateinamerikanischen Ländern zu unterstützen. Dies gelte insbesondere für die Kontinentale Soziale Allianz (Alianza Social Continental), die im Rahmen des Weltsozialforums gegründet wurde, so der ehemalige Rektor der Lutherischen Universität in El Salvador.

"Das Ziel der Vereinigten Staaten von Amerika ist es, ihren Einflussbereich von Alaska bis Patagonien auszudehnen, die Freihandelsverträge voranzutreiben und die Investitionen US-amerikanischer Unternehmen zu schützen. Dabei bleiben soziale und Umweltaspekte unberücksichtigt", kritisierte Ibarra. In einer ungleichen Beziehung würden die USA einerseits Massnahmen zum Schutz ihrer eigenen Märkte anwenden, verlangten aber gleichzeitig die vollkommene Liberalisierung der Märkte in Lateinamerika.

"Wir müssen uns dieser Agenda und den Versuchen, eine Vorherrschaft zu errichten, entgegenstellen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass eine ,andere Welt möglich ist', so wie wir es beim Weltsozialforum in Porto Alegre gelernt haben," ergänzte er. Von grosser Bedeutung sei in diesem Zusammenhang die Präsenz und das Engagement der lutherischen Kirchen. Obwohl der Weg nicht leicht sei und es dunkle Wolken am Himmel gebe, könne die Welt nicht "geheilt" werden, "wenn wir uns nicht dieser ausgrenzenden Globalisierung entgegenstellten", betonte Ibarra.

Die Vorbereitende Konsultation in San Salvador bildet den Abschluss einer Reihe von regionalen Vorbereitungstagungen. Den Anfang machte die Konsultation für Nordamerika, die vom 23. bis 26. Januar in Denver (Colorado/USA) stattfand, gefolgt von Europa, 23. bis 26. Februar in Wien (Österreich), Asien, 2. bis 6. März in Medan (Indonesien) und Afrika, 23. bis 26. März in Nairobi( Kenia). Die Vorbereitende Konsultation der Frauen zur Vollversammlung fand vom 14. bis 19. November 2002 in Montreux (Schweiz) statt. Den Abschluss der vorbereitenden Konferenzen bildet im Juli 2003 eine globale Jugendkonferenz in Guelph in der Nähe von Toronto (Kanada).

Die Zehnte LWB-Vollversammlung findet von 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg statt und steht unter dem Thema "Zur Heilung der Welt". Erwartet werden in Winnipeg etwa 1.000 TeilnehmerInnen, einschliesslich der 436 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB und tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen. (663 Wörter)


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