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Lateinamerikanische LWB-Mitgliedskirchen fordern LWB-Vollversammlung auf, Auslandsverschuldung für unrechtmässig und ethisch nicht vertretbar zu erklären
San Salvador (El Salvador)/Genf, 9. April 2003 (LWI) – Die Auslandsverschuldung der Länder Lateinamerikas und der Dritten Welt sei unrechtmässig und ethisch nicht vertretbar, dies betonte Kirchenpräsident Pfr. Ángel Furlán von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (IELU) in Argentinien in seiner Ansprache auf der Vorbereitenden Konsultation zur Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) für die Region Lateinamerika und die Karibik, die vom 6. bis 9. April in El Salvador (San Salvador) stattfindet.
Furlán forderte, dass die Legitimität der Auslandsschulden vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag überprüft werden. Die Globalisierung, die der Menschheit eigentlich grosse Fortschritte bringen könnte, sei in die Hände der politischen und militärischen Grossmächte der Ersten Welt gefallen, so der Präsident von rund 7.000 LutheranerInnen in Argentinien. Insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika hätten der Welt das neoliberale Wirtschaftsmodell aufgezwungen und die Auslandsschulden der armen Länder als Druckmittel zur Durchsetzung dieses Modells benutzt.
Er erinnerte daran, dass auf der Konferenz der Bischöfe und KirchenpräsidentInnen (COP) der LWB-Mitgliedskirchen in Lateinamerika und der Karibik im vergangenen Jahr in Santa Cruz (Bolivien) drei wichtige Themen behandelt worden seien: Auslandsverschuldung, Globalisierung und Menschenrechte. Auf dieser Tagung sei vereinbart worden, die ökumenischen Beziehungen zu intensivieren, um Untersuchungen über die Beziehung zwischen Ethik und Wirtschaft zu fördern, die theologische Reflexion über die so genannte Auslandsverschuldung zu vertiefen und die Auslandsschulden, die de facto bereits mehrfach zurückgezahlt worden seien, als unrechtmässig und ethisch nicht vertretbar zu brandmarken.
Diese Konferenz wie auch die Tagung der Kirchen im südlichen Teil Lateinamerikas im September 2002 in Florianópolis (Brasilien) hätten beschlossen, den LWB und den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) zu bitten, gemeinsam mit ihnen die Generalversammlung der Vereinten Nationen zu ersuchen, den Internationalen Gerichtshof mit der Klärung der Rechtslage im Blick auf die aus der Auslandsverschuldung erwachsenden Verpflichtungen zu beauftragen.
Die Auslandsverschuldung und der damit verbundene Schuldendienst, so die Beschlussfassungen beider Konferenzen, behindere die wirtschaftliche Entwicklung der Länder der Dritten Welt und trage dazu bei, dass deren Lebensstandard sinke. Zudem seien diese Schulden zum grössten Teil ohne Wissen und Nutzen für die Bevölkerung dieser Länder aufgenommen worden.
Kirchenpräsident Furlán erklärte, dass selbst die Weltbank einräume, dass 30 Prozent der Kredite nie in den Ländern, die davon angeblich profitiert hätten, eingetroffen seien, sondern zum Kauf von Waffen und zur Finanzierung der repressiven Politik der jeweiligen Diktaturen genutzt wurden.
Hinzu komme, so Furlán, dass die Auslandschulden Argentiniens und anderer Länder bereits mehrfach zurückgezahlt worden seien. Von 1976 bis 2000 seien die Schulden Argentiniens von acht Milliarden auf 160 Milliarden US-Dollar angestiegen, Argentinien habe in diesem Zeitraum jedoch 200 Milliarden US-Dollar zurückgezahlt.
Zu dieser Situation habe die einseitige Steigerung der Zinssätze beigetragen, die in den 80er Jahren von den USA und anderen Gläubigerländern festgelegt und ihnen vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank im Rahmen der Strukturanpassungs- und Umstrukturierungspläne aufgezwungen worden seien.
Der so genannte Plan Brady zur Senkung der Schuldenlast sei mit der uneingeschränkten Öffnung der Wirtschaft und der Übergabe des nationalen Vermögens bezahlt worden, erklärte Furlán. Gegenwärtig befänden sich in Argentinien 90 Prozent der Banken und 40 Prozent der Industrie in den Händen des internationalen Kapitals.
In den 80er Jahren hätten die lateinamerikanischen Länder durch die Privatisierung staatlicher Unternehmen Einnahmen in Höhe von 177,8 Milliarden Dollar verzeichnet. Aber allein 1999 habe sich der Schuldendienst für die Länder Lateinamerikas und der Karibik in Absprache mit dem Internationalen Währungsfonds auf 176,9 Milliarden Dollar belaufen.
Daher, erklärte Furlán, müssten die lutherischen Kirchen Lateinamerikas mit einem klar formulierten Beitrag zum Thema der Auslandsverschuldung zur Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 nach Winnipeg gehen, in dem diese Schulden als unrechtmässig und ethisch nicht vertretbar verurteilt würden.
Die Kampagnen, die einen Schuldenerlass forderten oder die Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerländer erklären wollten, seien inakzeptabel, betonte Furlán. Vielmehr müsse immer wieder betont werden, dass die Länder Lateinamerikas und der Dritten Welt in Wirklichkeit Gläubiger der reichen Länder seien, weil diese durch ihre neoliberale Politik eine ungeheure soziale Schuld auf sich geladen hätten.
Die Vorbereitende Konsultation zur Vollversammlung in San Salvador bildet den Abschluss einer Reihe von regionalen Vorbereitungstagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung, die sich aus der Perspektive der verschiedenen Regionen mit Thema und Inhalt der Vollversammlung beschäftigen. Den Anfang machte die Konsultation für Nordamerika, die vom 23. bis 26. Januar in Denver (Colorado/USA) stattfand, gefolgt von Europa, 23. bis 26. Februar in Wien (Österreich), Asien, 2. bis 6. März in Medan (Indonesien) und Afrika, 23. bis 26. März in Nairobi( Kenia). Die Vorbereitende Konsultation der Frauen zur Vollversammlung fand vom 14. bis 19. November 2002 in Montreux (Schweiz) statt. Den Abschluss der vorbereitenden Konferenzen bildet im Juli 2003 eine globale Jugendkonferenz in Guelph in der Nähe von Toronto (Kanada).
In Winnipeg werden zur Zehnten Vollversammlung im Juli 2003 etwa 1.000 TeilnehmerInnen erwartet, einschliesslich der 436 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB und tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen. (824 Wörter)
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