Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

07.04.2003
Brasilianischer Kirchenpräsident Altmann: Irak-Krieg ist die vermutlich grösste Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg
 

Fünfte regionale Vorbereitende Konsultation zur LWB-Vollversammlung in San Salvador eröffnet

San Salvador (El Salvador)/Genf, 7. April 2003
- Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IELCB), Pfr. Dr. Walter Altmann, hat den Militärschlag der Bush-Regierung gegen den Irak auf das Schärfste verurteilt. Bei dem Krieg gegen den Irak handele es sich vermutlich um die grösste Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte Altmann am Sonntag, 6. April, in seinem Grundsatzreferat zur Eröffnung der Vorbereitenden Konsultation zur Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) der Region Lateinamerika und der Karibik, die vom 6. bis 9. April in San Salvador (El Salvador) stattfindet. Die Welle der weltweiten Anteilnahme nach den Terroranschlägen auf Einrichtungen in den USA am 11. September 2001 hätte die Basis für eine globale Solidarität unter den Nationen bilden können, diese einmalige Chance sei nun verschenkt worden, betonte Altmann.

Selbst die beste humanitäre Hilfe könne die langfristigen Folgen der Zerstörung nicht kompensieren, sagte der brasilianische Kirchenpräsident mit Blick auf den Irak-Krieg. Besorgt äusserte sich Altmann auch im Hinblick auf die Zukunft der islamisch-christlichen Beziehungen. Sowohl die Bush-Regierung als auch Saddam Hussein beriefen sich wiederholt auf den göttlichen Segen für ihre militärischen Aktionen, kritisierte er in seinem Referat zum LWB-Vollversammlungsthema „Zur Heilung der Welt“.

Das Thema der Vollversammlung stelle für seine Kirche, wie für zahlreiche andere Kirchen in Lateinamerika eine Herausforderung dar, betonte Altmann. So sei der Begriff der Heilung in seiner Heimat Brasilien weitgehend von den pfingstkirchlichen Bewegungen besetzt worden.

In diesem Zusammenhang trat Altmann für eine weit gefasste Interpretation des Vollversammlungsthemas ein. Der Konfrontation mit Pandemien wie HIV/AIDS oder der Bedrohung durch das „Schwere Akute Atemwegsyndrom” (SARS) müsse ebenso Platz eingeräumt werden wie der Auseinandersetzung mit Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Kultur und Religion. Weitere Teilbereiche des Vollversammlungsthemas seien unter anderem der zerstörerische Umgang des Menschen mit der Umwelt, gesellschaftliche Ausschlussprozesse sowie das Vordringen von Gewalt und Krieg in internationale Beziehungen.

Ausführlich ging Altmann auf den Problembereich „wirtschaftliche Globalisierung“ ein. Folgen des „totalen Wettbewerbes“ manifestierten sich vor allem im Finanzsektor in der Konzentration von Risiko und Macht und führten gleichzeitig zu einer „sozialen Apartheid“.

Aus theologischer Sicht gelte es, dem „totalen Wettbewerb“ das Geschenk des Lebens durch Gott entgegenzusetzen und den Glauben an Globalisierung als „Götzendienst “ zu entlarven. Ausserdem stehe der gesellschaftlich-soziale Ausschluss im Widerspruch zur Rechtfertigungslehre, so Altmann. „Gott macht keine Unterschiede.“

Die Vorbereitende Konsultation in San Salvador bildet den Abschluss einer Reihe von regionalen Vorbereitungstagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung, die sich aus der Perspektive der verschiedenen Regionen mit Thema und Inhalt der Vollversammlung beschäftigen. Den Anfang machte die Konsultation für Nordamerika, die vom 23. bis 26. Januar in Denver (Colorado/USA) stattfand, gefolgt von Europa, 23. bis 26. Februar in Wien (Österreich), Asien, 2. bis 6. März in Medan (Indonesien) und Afrika, 23. bis 26. März in Nairobi( Kenia). Die Vorbereitende Konsultation der Frauen zur Vollversammlung fand vom 14. bis 19. November 2002 in Montreux (Schweiz) statt. Den Abschluss der vorbereitenden Konferenzen bildet im Juli 2003 eine globale Jugendkonferenz in Guelph in der Nähe von Toronto (Kanada).

In Winnipeg werden zur Zehnten Vollversammlung im Juli 2003 etwa 1.000 TeilnehmerInnen erwartet, einschliesslich der 436 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB und tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen.

Die Vorbereitende Konsultation zur Vollversammlung der Region Lateinamerika und Karibik fand auf Einladung der Salvadorianischen Lutherischen Synode in San Salvador statt. Die Kirche mit Sitz in der Hauptstadt El Salvadors hat rund 12.000 Mitglieder und gehört seit 1986 zum Lutherischen Weltbund (LWB). Von rund 6,15 Millionen BewohnerInnen El Salvadors gehören rund 92 Prozent zur römisch-katholischen Kirche, acht Prozent sind protestantischen Glaubens. (613 Wörter)

 

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