|
Afrikanische LWB-Vollversammlungsdelegierte fordern Frauenförderung, Frauenordination und Bewusstseinsbildung im Bereich HIV/AIDS
Nairobi (Kenia)/Genf, 30. März 2003 (LWI) – Eine unzureichende Ausbildung und der Mangel an Chancen verhindere, dass Frauen auf allen kirchlichen Ebenen mitwirken können, kritisierten die rund 50 Teilnehmerinnen des afrikanischen Frauentreffens am 23. März in Nairobi (Kenia). Das Treffen fand im Vorfeld der afrikanischen Konsultation zur Vorbereitung der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) statt, an dem vom 23. bis 26. März rund 110 VertreterInnen und Vollversammlungsdelegierte der 29 afrikanischen LWB-Mitgliedskirchen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi teilnahmen. Da dies vor allem die Ebene der Kirchenleitungen und Positionen von EntscheidungsträgerInnen betreffe, forderten die afrikanischen Vollversammlungsdelegierten, die Aus- und Weiterbildung von Frauen zu fördern, um sie zur Übernahme von Leitungsfunktionen in Kirche, Regierung und Gemeinwesen zu qualifizieren.
Kirchenleitungen müssten gezielter die Ausbildung von Mädchen fördern, so die Botschaft des Frauentreffens in Nairobi. Frauenreferate sollten unterstützt werden und sich mit praktischen Frauenthemen auseinandersetzen. Der LWB wurde aufgefordert, PfarrerInnen Wissen und Mittel an die Hand zu geben, um mit Gender-Fragen umzugehen.
Afrikanische LWB-Mitgliedskirchen, die immer noch die Frage der Ordination von Frauen diskutieren und beraten, wurden aufgefordert, sich für die theologische Ausbildung und Ordination von Frauen zu öffnen. Wenn Frauen ordiniert würden, sollte ihnen auch die Übernahme von Pfarrstellen in Kirchengemeinden ermöglicht werden, betonten die Teilnehmerinnen des Treffens.
Das vom LWB erarbeitete Dokument „Kirchen sagen ‚Nein‘ zur Gewalt gegen Frauen“ solle in allen Regionen, Ländern und Kirchen veröffentlicht werden, so die Botschaft. Weiterhin müsse die Übersetzung des Dokuments in alle wichtigen Sprachen innerhalb der Gemeinschaft des LWB gefördert werden. Kirchen sollten die Eigentumsrechte von Frauen im Fall des Todes des Ehepartners sowie die Absicherung des Wohls der Kinder unterstützen.
Im Hinblick auf die HIV/AIDS-Pandemie in Afrika stellten die Frauen in ihrer Botschaft fest, dass Krieg und Konflikte, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, Armut, Arbeitslosigkeit sowie ethnische Unterschiede mit allen ihren Folgen zu einem starken Anstieg der HIV/AIDS-Infektionsraten in Afrika geführt hätten. HIV/AIDS-Programme und Initiativen müssten länderspezifisch sein, da in den Ländern Afrikas unterschiedliche Herausforderungen und Bewusstseinsebenen bestünden.
Die afrikanischen Vollversammlungsdelegierten forderten die Kirchen auf, sich aktiv in HIV/AIDS-Programme einzubringen und in Zusammenarbeit mit den Regierungen AIDS-Waisen und von HIV/AIDS Betroffene zu unterstützen sowie den Zugang zu antiretroviralen Medikamenten zu fördern. Jährlich sollten Workshops für alle Ebenen der Kirchenleitungen sowie Gemeindemitglieder stattfinden, um das Bewusstsein für HIV/AIDS zu fördern und Stigmatisierungen zu verhindern. Diese Weiterbildung müsse als eine umfassende Antwort auf den LWB-Aktionsplan „Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen reagieren auf die HIV/AIDS-Pandemie“ verstanden werden.
Frauen würden ärmer durch die Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung, kritisierten die Teilnehmerinnen des Treffens. Die afrikanischen Kirchen sollten sich in Projekte und Programme zur Frauenförderung einbringen, um die Umweltfaktoren, die Frauen betreffen, zur Sprache zu bringen. Hierzu gehörten Wasserversorgung, Entwaldung, Waldbrände und Dürre.
Die afrikanische Konsultation war die vierte von insgesamt fünf regionalen Tagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung, die sich aus der Perspektive der verschiedenen Regionen mit Thema und Inhalt der Vollversammlung beschäftigen. Die LWB-Vollversammlung findet vom 21. bis 31. Juli 2003 in Winnipeg (Kanada) statt, Gastgeberin ist die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada (ELKIK).
Die erste regionale Vorbereitungstagung fand vom 23. bis 26. Januar in Nordamerika (Denver, Colorado/USA) statt gefolgt von der europäischen Vorbereitenden Konsultation vom 23. bis 26. Februar in Wien (Österreich) sowie der asiatischen Konsultation vom 2. bis 6. März in Medan (Indonesien). Eine weitere Tagung ist geplant in Lateinamerika & Karibik vom 6. bis 9. April (San Salvador, El Salvador). Die Vorbereitende Konsultation der Frauen zur Vollversammlung fand vom 14. bis 19. November 2002 in Montreux (Schweiz) statt. Den Abschluss der vorbereitenden Konferenzen bildet im Juli 2003 eine globale Jugendkonferenz in der Nähe von Toronto (Kanada).
In Winnipeg werden zur Zehnten Vollversammlung etwa 1.000 TeilnehmerInnen erwartet, einschliesslich der 436 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB und tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen. (637 Wörter)
|