Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

19.03.2003
Lutherische Kirchen Asiens bitten LWB, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, einen Krieg gegen den Irak zu verhindern
 

Asiatische Vorbereitende Konsultation zur Vollversammlung: Stabilität der Region steht auf dem Spiel

Medan (Indonesien)/Genf, 19. März 2003 (LWI)
- Die asiatischen Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) haben den LWB und dessen Mitgliedskirchen eindringlich gebeten, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen Krieg gegen den Irak „um der Gerechtigkeit und des Weltfriedens willen“ zu verhindern. In einer Erklärung betonten die TeilnehmerInnen der asiatischen Vorbereitenden Konsultation zur Vollversammlung und der asiatischen KirchenleiterInnenkonferenz vom 2. bis 6. März in Medan (Indonesien), sie seien „zutiefst beunruhigt über den möglichen Präventivkrieg gegen den Irak“. Die rund 120 VertreterInnen der 46 LWB-Mitgliedskirchen in der Region verurteilten jede Form eines Militärschlags oder Angriffs und hoben hervor, dass Zukunft und Stabilität der Region auf dem Spiel stünden.

„Wir lehnen Krieg und Gewalt als ein politisches Mittel ab und bekräftigen die äusserst wichtige Rolle der Vereinten Nationen im Prozess der Lösung von Problemen und der Wiederherstellung des Friedens.“ Jede militärische Handlung gegen den Irak ausserhalb des bestehenden UN-Rahmens werde den Weltfrieden weiter schwächen und die Anwendung des „Faustrechts“ fördern, erklärten die Delegierten aus 15 Ländern.

Krieg könne nie als Instrument des Friedens betrachtet werden, betonten die TeilnehmerInnen aus Asien. Weiterhin bekräftigten sie ihre ablehnende Haltung „gegenüber Gewalt und gegenüber Ländern, die ihre Macht gegen kleine, machtlose und schwache Staaten auszuspielen versuchen“. Die KirchenvertreterInnen befürworteten den Dialog und verurteilten alle Formen von Terrorismus und Extremismus, der „einen Kampf der Kulturen“ provozieren wolle. Gewalt erzeuge nur wieder „Gegengewalt“, so die asiatischen Delegierten in ihrer Abschlusserklärung.

Die humanitären Folgen eines Krieges, wie Tod und Verstümmelung unschuldiger Menschen sowie Nahrungsmittelknappheit würden noch mehr Tote im Irak und anderen Teilen der Welt zur Folge haben. Die KirchenleiterInnen Asiens erklärten, Millionen von Menschen zu Flüchtlingen zu machen, stehe im direkten Widerspruch zur Tatsache, dass Gott sich im Antlitz aller Menschen manifestiere.

Die asiatische Konsultation in Vorbereitung auf die Zehnte LWB-Vollversammlung, die vom 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg stattfindet, kritisierte PolitikerInnen, die sich das Recht anmassten, festzulegen, wer weltweit für oder gegen sie sei und „somit eine bestimmte Weltordnung für sich in Anspruch nehmen, die lediglich durch sie selbst und ihre Verbündeten legitimiert ist“. Sie verurteilten die „Theorie des gerechten Krieges“ als Mittel, um Massenvernichtungswaffen zu zerstören sowie den internationalen Terrorismus zu beseitigen und betonten, dass eine solche Vorgehensweise dringend notwendige Ressourcen in Anspruch nehme, die insbesondere die armen Länder benötigten.

Die VertreterInnen der LWB-Mitgliedskirchen in Asien betonten weiterhin, dass der Nahostkonflikt der lutherischen Gemeinschaft in der Region ernsthafte Sorgen bereite. Sie nannten insbesondere das Töten Unschuldiger und die von den israelischen Streitkräften begangenen Grausamkeiten gegen die palästinensische Bevölkerung und riefen zu einer Umsetzung eines gerechten Friedens auf, wie ihn die UN-Resolutionen 242, 338 und 1397 vorsähen. Sie forderten ein Ende der israelischen Besetzung palästinensischer Gebiete, eine Lösung mit zwei Staaten, in denen Israelis und PalästinenserInnen friedlich „in Gerechtigkeit und Versöhnung“ Seite an Seite leben, einem Zusammenleben zweier Völker in Jerusalem, wo die drei monotheistischen Religionen Christentum, Islam und Judentum anerkannt und respektiert werden, eine gerechte Lösung der erbärmlichen Lage der Flüchtlinge sowie eine Lösung bezüglich der illegalen Siedlungen auf arabischem Gebiet.

Sie ermutigten die Evangelisch-Lutherische Kirchen in Jordanien (ELKJ), die Gemeinden in Israel, Jordanien und Palästina hat, mit anderen Kirchen, die auf der Suche nach Gerechtigkeit und Versöhnung sind, zusammenzuarbeiten. Als Vertreter der 3.000 Mitglieder zählenden ELKJ nahm Bischof Dr. Munib A. Younan an der Konsultation in Medan teil. Die ELKJ ist seit 1974 Mitgliedskirche des LWB.

Kirchen lehnen patriarchalische Strukturen ab und bekräftigen inklusive Gemeinschaft von Männern und Frauen
In ihrer Schlussbotschaft erklärten die Vollversammlungsdelegierten der asiatischer LWB-Mitgliedskirchen, dass sie den Aufschrei der Frauen in ihrer Region gehört hätten. Unter Hinweis auf die Berufung der Kirche, Gottes Gerechtigkeit „unablässig“ zu verkünden, bekräftigten sie ihre Ablehnung „jeglicher patriarchalischer Strukturen“ uns sprachen sich für „die inklusive Gemeinschaft von Männern und Frauen in Kirche und Gesellschaft“ aus. Die kirchlichen Strukturen, so betonten sie, sollten nicht nur gewährleisten, dass Frauen an Tagungen teilnehmen, sondern auch, dass sie bei Entscheidungsprozessen, Verwaltungs- und Leitungsaufgaben, gleichberechtigt mitwirken können.

Im Schlussbericht der regionalen Frauentagung, die im Vorfeld der asiatischen Vorbereitenden Konsultation zur Vollversammlung stattfand, forderten die ca. 30 Frauen- und Jugendvertreterinnen TheologInnen und PastorInnen der asiatischen Mitgliedskirchen auf, „dem Beispiel Jesu zu folgen und die Heilige Schrift nach hermeneutischen Kriterien zu verkünden und zu lehren, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und die Erfahrungen aller Gläubigen – Kinder, junger Menschen, Frauen und Männer – aufgreifen“.

Die Abschlusserklärung enthielt einen Aufruf an alle Kirchen, das Schweigen und die Tabus im Blick auf geschlechtliche Beziehungen und Sexualität, insbesondere in ihrer bewusstseinsbildenden Arbeit hinsichtlich der HIV/AIDS-Pandemie zu brechen. Die Kirchen sollten, so die TeilnehmerInnen der Vorbereitenden Konsultation in Asien, auch weiterhin für Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit eintreten und sich klar gegen Gewalt gegen Frauen in Kirche und Gesellschaft aussprechen. Die Frauen hatten in ihrem Bericht festgestellt, dass der natürliche Akt der Fürsorge durch Sextourismus, Frauen- und Kinderhandel und die Ausbeutung von Haushaltshilfen und Wanderarbeiterinnen in ihrer Region zunehmend zu einer Ware geworden sei. Sie forderten die Kirchen nachdrücklich auf, auf Gemeindeebene soziale Aktionsgruppen einzurichten, die sich mit diesen Anliegen und den damit einhergehenden Menschenrechtsproblemen auseinander setzen sollten.

Die asiatischen Frauen stellten weiterhin fest, dass die Umwelt durch Entwaldung, Umweltverschmutzung und die Vermarktung natürlicher Ressourcen wie Wasser als Waren ernsthaft bedroht sei. Sie riefen zu einer „Recycling-Kampagne“ auf, die die drei „Rs“ in den Mittelpunkt stellen müsse – reuse (Wiederverwendung), reduce (Reduzierung), recyle (Recycling). Sie regten auch eine Baumpflanz- und Aufklärungskampagne in allen Mitgliedskirchen an.

Forderung nach angemessener Vertretung junger Menschen und Offenheit für die Bedürfnisse der Jugend
Die Vorbereitende Konsultation zur Vollversammlung in Asien und die Konferenz der Asiatischen Kirchenleitungen (ACLC) verpflichteten sich erneut zur Gewährleistung einer angemessenen Vertretung junger Menschen „in unseren Kirchen“. In einer Botschaft forderten die auf der Konsultation vertretenen Jugenddelegierten den LWB nachdrücklich auf, sich dafür einzusetzen, dass mindestens und nicht maximal 20 Prozent aller Vollversammlungsdelegierten junge Menschen sind. Hierbei solle auf eine ausgewogene Vertretung beider Geschlechter geachtet werden, so die Jugenddelegierten. Sie stellten fest, dass von mehr als 100 TeilnehmerInnen an der Vorbereitenden Konsultation nur neun Delegierte unter 30 Jahren alt seien und dass es sich dabei ausschliesslich um Frauen handele.

Die Jugenddelegierten betonten, dass sie eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der lutherischen Kirchen in Asien spielen wollten. Sie forderten die asiatischen LWB-Mitgliedskirchen in ihrer Botschaft auf, offener für die Bedürfnisse junger Menschen nach lebendigeren Ausdrucksformen ihres Glaubens und gottesdienstlichen Lebens zu sein. „Traditionelle Lieder können weiterhin gesungen werden, aber wir schlagen vor, auch lebendigere Lob- und Kirchenlieder in die Gottesdienste einzubringen.“

Sie riefen ihre Kirchen auf, auf die jungen Erwachsenen zuzugehen – die mit unzähligen Problemen, wie Konkurrenz unter Gleichaltrigen, Drogen, vorehelichem Geschlechtsverkehr, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Identitätsproblemen, Kriegs-, Terrorismus- und Zukunftsangst konfrontiert seien. Die Kirchen, so die asiatischen Jugenddelegierten, sollten in ihren Predigten und Botschaften die wirklichen Probleme ansprechen und die Anliegen junger Menschen aufgreifen.

Die asiatische Vorbereitende Konsultation war die dritte von insgesamt fünf regionalen Tagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung, die sich aus der Perspektive der verschiedenen Regionen mit Thema und Inhalt der Vollversammlung beschäftigen. Die erste regionale Vorbereitungstagung fand vom 23. bis 26. Januar in Nordamerika (Denver, Colorado/USA) statt gefolgt von der europäischen Vorbereitenden Konsultation vom 23. bis 26. Februar in Wien (Österreich). Weitere Tagungen sind geplant in Afrika vom 23. bis 26. März (Nairobi, Kenia) sowie in Lateinamerika & Karibik vom 6. bis 9. April (San Salvador, El Salvador). Die Vorbereitende Konsultation der Frauen zur Vollversammlung fand vom 14. bis 19. November 2002 in Montreux (Schweiz) statt. Den Abschluss der vorbereitenden Konferenzen bildet im Juli 2003 eine globale Jugendkonferenz in der Nähe von Toronto (Kanada).

In Winnipeg werden zur Zehnten Vollversammlung etwa 1.000 TeilnehmerInnen erwartet, einschliesslich der 436 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB und tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen. (1.300 Wörter)

 

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