|
Pluralismus erschwert europäischer Jugend die Entwicklung einer christlichen Identität
Wien (Österreich)/Genf, 27. Februar 2003 (LWI) - Die Teilnehmerinnen des europäischen Frauentreffens in Vorbereitung auf die Zehnte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) haben den LWB dazu aufgerufen, sich den weltweiten Bemühungen anzuschliessen, die die lebensspendende Bedeutung des Wassers für die Welt unterstreichen wollen. Der LWB solle eine einfache und überzeugende Aktion zum Thema Wasser ins Leben rufen. Wasser sei eines der zentralen menschlichen Grundbedürfnisse und werde in naher Zukunft in zunehmendem Masse Ursache für Konflikte sein, so die rund 20 Teilnehmerinnen in ihrem Bericht. Das Treffen fand im Vorfeld der europäischen Konsultation zur Vorbereitung der Vollversammlung vom 23. bis 26. Februar in Wien (Österreich) statt.
Die Vertreterinnen europäischer LWB-Mitgliedskirchen kritisierten die Tendenz, dass wichtige Fragen an den Rand gedrängt und ignoriert würden, nur weil sie mit dem Etikett Frauenthemen versehen worden seien. In ihrem Bericht betonten sie, dass nach ihrer Auffassung die zu diskutierenden Themen nicht ausschliesslich Frauen beträfen, sondern allgemeine Themen seien, die von Frauen und Männern gemeinsam behandelt werden sollten.
Sie seien sich der Schuld bewusst, erklärten die Teilnehmerinnen, die die Mehrheit der EuropäerInnen mit ihrer „Habgier“ und ihrem „masslosen Konsum“ auf sich geladen hätten und wodurch andere Menschen und die Umwelt ausgebeutet würden. Hinterfragt wurde der Glauben, dass Wirtschaftswachstum und Profit die einzig möglichen Kriterien seien, die Entwicklung auf Kosten der Menschenrechte, der Gerechtigkeit und der Solidarität bestimmten. Die Kirche sollte unterstreichen, dass es Hunderte von Alternativen gebe und selbst eine Alternative anbieten, forderten die europäischen Frauen.
Mehrheit ist gefordert, Anteil an Ausbeutung von Mensch und Natur zu bekennen
Die europäischen Jugenddelegierten der LWB-Vollversammlung, die an der vorbereitenden Konsultation in Wien teilnahmen, erklärten in ihrem Bericht, dass nach wie vor manche Kirchen Schwierigkeiten hätten, jungen Menschen echte Mitsprache bei relevanten Fragen einzuräumen. Damit vertieften diese Kirchen die Kluft zwischen den Generationen.
Die Gesellschaften, in denen sie lebten, seien einem raschen Wandel unterworfen, Autorität und Normen würden kontinuierlich in Frage gestellt, so die Jugenddelegierten. Dies stelle eine der Herausforderungen dar, vor denen sie als junge ChristInnen in Europa gemeinsam stünden, zumal es schwierig sei, in einer pluralistischen Gesellschaft eine christliche Identität zu entwickeln. Auch das Aufeinanderprallen konservativer und liberaler Werte in Kirche und Gesellschaft im östlichen Teil Europas stelle ein Konfliktpotential dar. Im Westen Europas seien Jugendliche mit einer grossen Vielfältigkeit innerhalb der Kirchen konfrontiert, was dazu führe, dass sie zwischen den Fronten eines biblischen Fundamentalismus einerseits und eines totalen Relativismus andererseits stünden.
Mit Blick auf die „Last der Geschichte“ in den ehemals kommunistischen Ländern Europas betonten die europäischen Jugenddelegierten, dass immer noch Schranken in der Gesellschaft und innerhalb der Gemeinden bestünden, dies bedürfe der Heilung. Sie sorgten sich insbesondere um Mitglieder von Minderheitskirchen und Minderheitsgruppen, die unter gesellschaftlicher Ausgrenzung litten.
Die aus verschiedenen Teilen der LWB-Mitgliedskirchen laut gewordene Besorgnis im Blick auf Globalisierung, Konsumdenken und Umweltprobleme wurde von den Jugenddelegierten ausdrücklich geteilt. „Apathie und das Gefühl der Machtlosigkeit lähmen“, betonten sie in ihrem Bericht. Während einige Länder in erster Linie Opfer des Geschehens seien, sei die „Mehrheit von uns jedoch gefordert, den Anteil, den wir an der Ausbeutung von Mensch und Natur haben, zu bekennen“.
Die europäische Vorbereitende Konsultation zur Vollversammlung war die zweite von insgesamt fünf regionalen Tagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung, die sich aus der Perspektive der verschiedenen Regionen mit Thema und Inhalt der Vollversammlung beschäftigen. An der europäischen Konsultation nahmen rund 80 Personen teil, darunter über 60 Vollversammlungsdelegierte der europäischen LWB-Mitgliedskirchen.
Die Zehnte LWB-Vollversammlung zum Thema „Zur Heilung der Welt“ findet vom 21. bis 31. Juli 2003 in Winnipeg (Kanada) statt. Gastgeberin ist die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada (ELKIK). In Winnipeg werden etwa 1.000 TeilnehmerInnen erwartet, einschliesslich der 436 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB und tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen. (636 Wörter)
|