31.01.2003
Norwegen: Lutherischer Theologe und Ökumeniker konvertiert zum Katholizismus
Tjørhom bleibt Professor an lutherischer Schule für Mission und Theologie
Stavanger (Norwegen)/Genf, 31. Januar (LWI) - Seit Wochen berichten die norwegischen Medien über den Hochschullehrer Dr. Ola Tjørhom, der am 25. Januar zum Katholizismus konvertierte. Der Professor an der norwegischen Schule für Mission und Theologie in Stavanger gehörte zu den bekanntesten VertreterInnen der Norwegischen Kirche und arbeitete regional wie international im Bereich der Ökumene. So war er intensiv an dem Prozess beteiligt, der 1993 zur Porvooer gemeinsamen Feststellung führte und lehrte am Institut für Ökumenische Forschung in Strassburg (Frankreich). Ebenso gehörte er zur Internationalen anglikanisch-lutherischen Arbeitsgruppe.
Die Entscheidung Tjørhoms, der römisch-katholischen Kirche beizutreten, hat sowohl in den norwegischen Medien, als auch in der ökumenischen Bewegung für Aufsehen gesorgt. Mehrfach hatte er im Vorfeld betont, dass er sich gegenüber der Ökumene nach wie vor verpflichtet fühle und zu seinen Beiträgen zur Ökumene stehe, die er als Lutheraner geleistet habe.
Der Kirchenübertritt Tjørhoms stellt jedoch seinen Status als Professor an der lutherischen Schule für Mission und Theologie in Frage. Eine kürzlich vom Vorstand der Schule für Mission und Theologie veröffentlichte Erklärung betont, Tjørhoms Konversion sei ein Präzedenzfall. Der Vorstand habe beschlossen, Tjørhom von den geltenden Grundprinzipien und Richtlinien der Schule zu befreien, damit er seinen Beruf als Professor an der Schule auch weiterhin ausüben könne. In Zukunft sei ihm jedoch untersagt, Dogmatik zu unterrichten. Während der neue Aufgabenbereich von Tjørhom noch unbestimmt sei, blieben Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Ökumene wichtige Bestandteile seiner Aufgaben.
Der Schulvorstand unterbreitete weiterhin den Vorschlag, die Schule solle als lutherische Ausbildungseinrichtung ein stärker ökumenisches Profil entwickeln.
Gegenüber der Lutherischen Welt-Information (LWI) betonte der Assistierende Generalsekretär für Ökumenische Angelegenheiten des Lutherischen Weltbunds (LWB), Pfr. Sven Oppegaard: "Ein ökumenisches Verständnis der einen universalen Kirche gehört zum breiten Rahmen unseres christlichen Selbstverständnisses." Daher würden Kirchenübertritte ökumenisch Gesinnter seltener. "Allerdings müssen in bestimmten Fällen individuelle Bedürfnisse respektiert werden", so Oppegaard. "Wenn wir als LutheranerInnen unsere Anerkennung des ekklesialen Charakters der Kirchen, mit denen wir in Gemeinschaft oder im Dialog mit Aussicht auf eine möglich Einheit sind, ernst nehmen, kann eine derartige Konversion nicht als ein Überlaufen zu einem Gegner betrachtet werden." Oppegaard wies darauf hin, dass bei Kirchenübertritten die römisch-katholische Kirche kein Abschwören von der Kirche verlange, aus der man austrete. Er äusserte die Hoffnung, dass der Kontakt und die Zusammenarbeit mit Tjørhom auch in Zukunft bestehen bleibe. (396 Wörter)
Sollten Sie diesen Artikel weiter bearbeiten oder einem bestimmten Format anpassen wollen, beachten Sie bitte folgende Hinweise zur Bearbeitung.





