Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

02.12.2002
Frauen sind in der Kirche die "sanften Störenfriede"
 

Abschlussbotschaft der Vorbereitenden Konsultation der Frauen zur LWB-Vollversammlung

Montreux (Schweiz)/Genf, 2. Dezember 2002 (LWI)
– Manchmal stelle sich Heilung erst nach einem „massiven, aber mit Liebe und Fürsorge vorgenommenen Eingriff“ ein, so lautet das Fazit der rund 60 Delegierten der Vorbereitenden Konsultation der Frauen zur Zehnten Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 14. bis 17. November in Montreux (Schweiz). Die Frauen riefen die Mitgliedskirchen der lutherischen Gemeinschaft auf, die schmerzlichsten Wunden freimütig zu benennen, damit alle Kirchen in ihrem jeweiligen Kontext mit dem Heilungsprozess beginnen können, so die einstimmig verabschiedete Abschlussbotschaft, in der sich die Frauen als „behutsame Störenfriede, aber zugleich Partnerinnen Gottes“ bezeichnen.

Die Konsultation der Frauen, die vom LWB-Frauenreferat organisiert wurde, war die erste von insgesamt sieben Vorkonferenzen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung vom 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg. Neben der Vorbereitenden Konsultation der Frauen finden fünf regionale Konsultationen (in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika & Karibik sowie Nordamerika) und eine globale Konsultation der Jugend statt. Die Vollversammlung steht wie auch alle Vorkonferenzen unter dem Thema: „Zur Heilung der Welt“.

Eine der zentralen Fragen der Konsultation war, wie Heilung in der Kirche und durch sie in einer Gesellschaft bewirkt werden könne, „die zur Zeit so krank ist wie nie zuvor“. Die Gesellschaft leide an vielen offenen und verdeckten Wunden, die benannt werden müssten. Andernfalls sei Heilung nicht möglich, betonte Inge Lise Olsen aus Schweden. Als die schmerzlichsten Probleme unserer Zeit benannten die Delegierten Gewalt in allen ihren Formen, HIV/AIDS, das hierarchische System in vielen Kirchen, das Frauen die Ordination verweigere, die wachsende Armut und die Globalisierung der Wirtschaft.

Die fortschreitende Auflösung der Familie wurde in der Abschlussbotschaft als eine der Wunden benannt. Die Frauen riefen dazu auf, Programme zu entwickeln, um diesen Problemen zu begegnen. Die Kirchen sollten „auf die sich wandelnde Gestalt der Familie“ eingehen. Weiterhin drängten die Frauen auf eine kämpferische Haltung gegenüber HIV/AIDS, wie sie der LWB in ähnlicher Weise in seinem Engagement gegen Gewalt in dem Dokument „Kirchen sagen ‚Nein‘ zur Gewalt gegen Frauen“ eingenommen habe.

Die Delegierten appellierten an alle Mitgliedskirchen, „auf die Stimmen von Frauen zu hören, anstatt lediglich ihre Anwesenheit zur Kenntnis zu nehmen“ sowie ein Beispiel dafür zu geben, wie „Frauen (Laiinnen und Ordinierte) in alle kirchlichen Leitungsstrukturen angemessen eingebunden werden können.“

In ihrer Abschlussbotschaft forderten die Frauen die Intensivierung des Heilungsprozesses innerhalb des LWB und seiner Mitgliedskirchen durch eine weitere Verbesserung der Bildungsarbeit und damit der Befähigung von Frauen zu selbstbestimmtem Leben, vor allem in ärmeren Ländern. Die Teilnehmerinnen bekräftigten ihre Verpflichtung, sich in der Öffentlichkeit für eine grössere Achtung der Menschenrechte einzusetzen und für die Schaffung eines weltweiten Netzwerkes für Frauen über Kontinente und Kulturen hinweg einzutreten.

Zentrales Thema der Vertreterinnen aus Lateinamerika und der Karibik war die wirtschaftliche Globalisierung. Aurelia Schöller aus Argentinien wies darauf hin, dass es zur Befähigung von Menschen zu selbstbestimmtem Leben von grosser Bedeutung sei, sich mit den Ursachen und Konsequenzen der wirtschaftlichen Globalisierung auseinanderzusetzen. Sie forderte, alternative Formen schöpferischer Kräfte, beispielsweise kleine Familienunternehmen und Frauenprojekte, zu fördern.

Die zahlreichen Wunden der Welt dürften jedoch nicht zur Entmutigung führen, so die Frauen in ihrer Abschlussbotschaft. Im Gegenteil, sie sollten helfen, „auf der Suche nach Heilung die Chancen der Partnerschaft mit Gott wahrzunehmen.“ Die Frauen bekannten sich zu ihrer Art der behutsamen Problemlösung und erklärten, „wir träumen mit ‚sanften Augen‘ den Glanz der Verwandlung, den ‚verhärtete Augen‘ nicht erkennen können.“ Weiterhin forderten sie die Suche nach „neuen Formen einer heilenden Liturgie und liturgischen Sprache“ sowie die „Rückbesinnung auf das biblische Konzept des Schalom“. (588 Wörter)

 

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