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Gemeinsame Initiative von rund 230 Radiosendern in ganz Brasilien am Welt-AIDS-Tag
Rio de Janeiro (Brasilien)/Genf, 29. November 2002 (LWI) – Zu einer gemeinsamen Initiative gegen HIV/AIDS verbinden sich am Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember rund 230 Radiosender in ganz Brasilien. Aus einem gemeinsamen Pool übernehmen die privaten und öffentlichen Radiostationen sowie Internet- und Schulradios kostenfreie Beiträge, Interviews, Spots, Jingles und Musik, um über das Thema HIV/AIDS und sexuell übertragbare Krankheiten zu informieren. Das aus bereits vorliegenden Produktionen ausgewählte bzw. speziell von Organisationen und Institutionen zur Verfügung gestellte, insgesamt vierstündige Hörfunkmaterial soll am Welt-AIDS-Tag ausgestrahlt werden, steht den Radiosendern aber auch noch im Anschluss zur Verfügung.
Das Projekt unter dem Titel: „Mutirão Radiofônico“ wird von dem brasilianischen Internetradio „Radio Luteranos Brasil“ aus Rio de Janeiro (Brasilien) und der Initiative OBORÉ (Spezielle Projekte in Kommunikation und Kunst) koordiniert. Ziel sei, so Mitinitiator Maurício Grille, Direktor von Radio Luteranos Brasil und stellvertretender Vorsitzender der lutherischen Gemeinde von Rio de Janeiro, durch den Sender-Pool den HörerInnen gesicherte Informationen über HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten zu vermitteln.
Entgegen den Erwartungen vieler Institutionen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Ausbreitung der HIV/AIDS-Pandemie in Brasilien ausser Kontrolle geraten sei, konnte die Zunahme der HIV-Neuinfektionen und AIDS-Erkrankungen in dem lateinamerikanischen Land durch konkrete und wirkungsvolle politische Schritte zur Vorsorge und Medikamentenherstellung eingedämmt werden, so Grille. Er wies aber auch darauf hin, dass vor allem die sozial schwächeren Bevölkerungsschichten betroffen seien, die kaum oder keinen Zugang zu Bildung und Informationen hätten. AIDS habe sich zu einer Krankheit wirtschaftlich-sozialer Prägung entwickelt. Gerade den armen Bevölkerungsschichten sei der Zugang zu Informationen via Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften verschlossen, betonte er.
„Derzeit befällt die Krankheit hauptsächlich Frauen mit wenig Kaufkraft im Innern des Landes und in den Kleinstädten“, erklärte Guilherme Fredrich, Pfarrer der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) und Hauptkoordinator von Mutirão Radiofônico. Ende letzten Jahres waren nach Angaben des UN-Programms gegen AIDS (UNAIDS) von rund 610.000 HIV/AIDS-Betroffenen in Brasilien mehr als ein Drittel Frauen. Insgesamt leben nach jüngsten Veröffentlichungen von UNAIDS und WHO rund 1,5 Millionen Menschen in Lateinamerika mit HIV/AIDS, rund 30 Prozent sind Frauen. Weltweit ist die Zahl HIV/AIDS-Betroffener auf 42 Millionen angestiegen.
Gerade die ärmeren Bevölkerungsschichten sehen „im Radio und in ihrem Lieblingssprecher den grossen Verbündeten und Freund“, betonte Fredrich. Und gerade für diese Bevölkerungsschichten, die nicht nur von der Konsumgesellschaft, sondern auch von der Informationsgesellschaft ausgeschlossen sind, sei das Radio „wegen seiner geringen Kosten und wegen seiner direkten Ansprache“ noch immer ein treuer Begleiter. Nach einer Untersuchung des Brasilianischen Instituts für Geographie und Statistik haben rund 90 Prozent der brasilianischen Haushalte ein Radiogerät. Vor allem in ländlichen Gebieten ist das Radio das weitverbreitetste und wichtigste Kommunikationsmittel.
Das Projekt, das vom Lutherischen Weltbund (LWB), der EKLBB und LUC – Region Brasilien (Luteranos Unidos em Comunicação/LutheranerInnen vereint in Kommunikation) unterstützt wird, versteht sich auch als Teil der im Mai dieses Jahres in Nairobi (Kenia) eröffneten LWB-Kampagne gegen HIV/AIDS. Ziel ist, in den LWB-Mitgliedskirchen eine offene Diskussion über HIV/AIDS anzustossen und sie darin zu unterstützen, aktiv und mutig der Pandemie zu begegnen. Grundlage der LWB-Kampagne ist der im Januar 2002 erarbeitete LWB-Aktionsplan „Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen reagieren auf die HIV/AIDS-Pandemie“, der die Unterstützung und Bereitstellung von Ressourcen für eine wirksame Reaktion auf die HIV/AIDS-Pandemie fordert.
Der Umgang mit HIV/AIDS ist auch eines der zentralen Themen der Zehnten LWB-Vollversammlung vom 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg. Die Vollversammlung steht unter dem Thema „Zur Heilung der Welt“. Im Rahmen der zehn sogenannten Dorfgruppen sollen wichtige Bedeutungsebenen des Vollversammlungsthemas behandelt werden. Die Dorfgruppe „Der Heilungsdienst der Kirche“ wird unter anderem der Frage nachgehen: „Wie gehen wir als Kirchen mit den Anfragen um, die die HIV/AIDS-Pandemie im Bereich der Heilung, besonders im Blick auf von Armut geprägte Situationen, birgt?“
Das Logo des Projekts Mutirão Radiofônico, in dem die rote Schleife des Red Ribbon und der Erdball ein helles Herz auf einem dunklen kreisrunden Hintergrund bilden, wurde von Artur Nunes, Koordinator von LUC – Region Brasilien, entwickelt. Die Weltkugel zeigt den lateinamerikanischen Kontinent, den eine riesige rote Welle zu überfluten droht. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, betonte Nunes. Die rote Welle symbolisiere die HIV/AIDS-Pandemie, die den südamerikanischen Kontinent bedrohe. Sie „soll die dramatische Situation ausdrücken“, erklärte er. Brasilien, das auf dem Kontinent eine exponierte Stellung einnehme, wolle damit Präsenz und Handeln der Menschen und Organisationen verdeutlichen. Dies stelle die rote Schleife dar, die den Erdball mit einem Aktionsnetz sozialer und befreiender Hilfe zu umschlingen beginne, sowie das die Weltkugel umhüllende Herz - die in der lebendigen Wirklichkeit verwirklichte Nächstenliebe, so Nunes. (749 Wörter)
Das Material und alle Informationen zu „Mutirão Radiofônico“ stehen im Internet unter www.luteranosbrasil.com/mutirao zur Verfügung.
Informationen zum LWB-Aktionsplan „Anteilnahme, Umkehr, Zuwendung: Kirchen reagieren auf die HIV/AIDS-Pandemie". finden Sie unter: www.lutheranworld.org/Arbeitsfelder/LWB-HIV_AIDS.html
Dieser Beitrag gehört zu einer Feature-Serie der Lutherischen Welt-Information (LWI) zum Thema der Zehnten LWB-Vollversammlung 2003 „Zur Heilung der Welt“. Die Serie beleuchtet die Relevanz des Vollversammlungsthemas in den verschiedenen regionalen und lokalen Kontexten der weltweiten lutherischen Gemeinschaft und stellt Projekte der Versöhnung und Heilung vor angesichts weltweiter Bedrohung. Die Zehnte LWB-Vollversammlung findet vom 21. - 31. Juli 2003 in Winnipeg (Manitoba/Kanada) statt.
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