Lutherischer Weltbund

Lutherische Welt-Information

18.11.2002
Frauen sind Partnerinnen Gottes beim Versuch, die Welt zu heilen
 

Vorbereitende Konsultation zur LWB-Vollversammlung thematisiert theologische und soziologische Aspekte von Heilung

Montreux (Schweiz)/Genf, 18. November 2002 (LWI)
– „Frauen sind Partnerinnen und keine Werkzeuge Gottes bei dem Versuch, der verletzten Welt Heilung zu bringen“, erklärte Musimbi Kanyoro, Generalsekretärin des Weltbundes der Christlichen Vereine Junger Frauen (CVJF), vor rund 60 Delegierten der Vorbereitenden Konsultation der Frauen zur Zehnten LWB-Vollversammlung vom 14. bis 17. November in Montreux (Schweiz).

Die Konsultation der Frauen wurde vom Frauenreferat des Lutherischen Weltbundes (LWB), Frauen in Kirche & Gesellschaft (FKG), organisiert und war die erste von insgesamt sieben Vorkonferenzen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung im Juli 2003 in Winnipeg (Kanada).

Kanyoro, ehemalige Frauenreferentin des LWB, forderte in ihrem Referat zum soziologischen Kontext des Vollversammlungsthemas: „Zur Heilung der Welt“ die Frauen auf, sich weder als Opfer noch als Werkzeuge der Kirche zu sehen. Sie seien aktive Handlungsträgerinnen, die sich selbst angesichts zahlreicher Kriege, zunehmender Armut und der alarmierenden Realität von HIV/AIDS für Veränderung einsetzten.

Pfarrerin Isabelle Graesslé, Moderatorin der Genfer Vereinigung der PfarrerInnen und DiakonInnen, referierte während der Konsultation zum theologischen Verständnis des Begriffs „Heilung“. Mit Blick auf die biblische Geschichte der Heilung von zehn Leprakranken (Lukas 17,11-19), betonte sie, alle zehn seien von Jesus geheilt worden, d.h. sie wurden physisch gesund und integrierten sich erneut in ihre sozialen und religiösen Gemeinschaften. Doch nur einer der zehn sei zurückgekehrt, um Gott zu loben und ihm „mit lauter Stimme“ zu danken. Dieser Mann hätte, so Graesslé, etwas erlebt, das weit über den normalen Heilungsprozess hinausgehe. Das Selbstvertrauen, einen ganz neuen Weg einzuschlagen, sei die Folge einer Art Auferstehung, die man in vielerlei Formen erfahren könne, wenn Heilung über die rein physische Heilung hinausgehe.

Diese Form des Heilungsprozesses sei während der internationalen Konsultationen der lutherischen Frauen bereits seit einigen Jahren statt, betonte Kanyoro in ihrem Vortrag. Die internationalen Begegnungen von Frauen hätten zahlreiche Selbstheilungsprozesse angestossen, indem Frauen die Gelegenheit geboten worden sei, persönliche und lokale Erfahrungen auszutauschen, soziale globale Netzwerke zu knüpfen und sich gesellschaftspolitisch zu informieren. Indem Frauen „ihre persönlichen und häuslichen Probleme auf die Ebene der öffentlichen Politik heben konnten“, seien sie stärker geworden, was teilweise zu ihrer Heilung beigetragen habe, erklärte Kanyoro.

Frauen, die sich als globale Partnerinnen begegnet seien, hätten erlebt, wie sich Machtlosigkeit in Macht zur Veränderung verwandelt habe und seien daher gut gerüstet, den Menschen zu helfen, die nach wie vor machtlos sind. Die Sprache christlich orientierter Frauen sollte dabei den spirituellen Aspekt der Heilung widerspiegeln. Während lutherische Frauen sich zutiefst der Sprache der Menschenrechte verbunden fühlten, sollten sie darauf achten, die Sprache auch durch die spirituelle Komponente der Heilung der Welt wie Versöhnung, Vergebung und Erneuerung zu bereichern.

Die heutige Welt sei von Kriegen, wachsender Armut, Hunger und HIV/AIDS in einer Weise geprägt, die auch ChristInnen an den Rand der Verzweiflung brächten, bekannte Kanyoro. „Ich habe heutzutage Schwierigkeiten, wenn ich mit Gott spreche“, erklärte sie. „Immer wieder höre ich das Echo der Worte Jesu am Kreuz: ‚Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘“ Doch auf der anderen Seite würde gerade diese zerstörte Welt, „mehr als wir zugeben möchten, neue Möglichkeiten eröffnen, Gott zu erkennen“. Ökumenische Fürbittgottesdienste und interreligiöse Konsultationen würden zunehmend stattfinden, um geistliche Antworten auf die scheinbar unlösbaren Probleme der Welt zu finden. Weiterhin würden die Kirchen beginnen, gemeinsam gegen die Ausbreitung von HIV/AIDS anzugehen und gemeinsam und einstimmig auf die Gefahr des Krieges gegen den Irak zu reagieren.

Kanyoro forderte die Frauen in leitenden Positionen der Frauenbewegung auf, „sicherzustellen, dass genügend junge Frauen ausgebildet werden, um in Zukunft Führungspositionen zu übernehmen und ihnen Raum zu geben, sich in der Frauenbewegung auf allen Ebenen einzubringen.“

Neben der Vorbereitenden Konsultation der Frauen zur Zehnten LWB-Vollversammlung finden fünf Regionale Konsultationen (in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika & Karibik sowie Nordamerika) sowie eine globale Konsultation der Jugend statt. Alle Konsultationen stehen wie auch die Vollversammlung unter dem Thema: „Zur Heilung der Welt“. Die Zehnte LWB-Vollversammlung findet vom 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg statt. (662 Wörter)


 

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