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LWB-Ratstagung in Wittenberg (Deutschland), 10. – 17. September 2002
PRESSEMITTEILUNG NR: 06
Martin Luther würde staunen, in welchen Ländern sein Name heute eine Bedeutung hat
Lutherstadt Wittenberg (Deutschland)/Genf, 10. September 2002 (LWI) - Als einen „engagierten Streiter für die weltweite Ökumene und für ein klares gemeinsames Bekenntnis“ begrüsste heute der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Landesbischof i. R. Dr. Christian Krause, den deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau als Gast auf der LWB-Ratstagung in der Lutherstadt Wittenberg. Ökumenizität und Globalität gehörten für die 133 Mitgliedskirchen des LWB zusammen, die sich nach Kräften dafür einsetzen würden, dass das gemeinsame lutherische Bekenntnis ein weltweites ist, betonte Krause in seiner Begrüssung. Kirchen könnten die Globalisierung mitgestalten, wenn sie weltweit agieren und sich für Gerechtigkeit überall auf der Welt einsetzen.
Bundespräsident Johannes Rau erklärte in seiner Ansprache, dass er sich freue, dass die Ratstagung wieder einmal in Deutschland stattfinde. Martin Luther würde staunen, so Rau, wenn er in die Runde blicken und sehen könnte, in welchen Ländern der Welt sein Name heute eine Bedeutung habe. Er erinnerte an die Anfänge des LWB als Organisation zur Flüchtlingshilfe, der mit seinem Lutherischen Weltdienst unter anderen deutsche Flüchtlinge in Amerika, Kanada und Australien unterstützt habe. Als internationale Hilfsorganisation mit über 5.000 MitarbeiterInnen arbeite der LWB im Aussendienst in der Flüchtlings- und Nothilfe. Als Solidargemeinschaft habe der Weltbund ausserdem „geholfen, dass Christen in Zentralosteuropa auch in Zeiten des Blockdenkens wissen und spüren konnten, dass sie Teil einer Weltgemeinschaft sind,“ würdigte der Bundespräsident die Arbeit der LutheranerInnen.
Das Thema der Zehnten LWB-Vollversammlung im kommenden Jahr im kanadischen Winnipeg: „Zur Heilung der Welt“ setze dieses Anliegen fort. Jedoch hätten sich die Akzente verschoben. „Die Wassermassen des letzten Monats haben uns gezeigt, was passiert, wenn die Welt nicht ‚heil‘ ist“, sagte Rau. Für die Betroffenen habe die Flut unendliches Leid gebracht. Doch er wisse auch, so der Bundespräsident, dass die Ratsmitglieder auch aus Ländern kämen, wo Flutkatastrophen wie im August entlang der Elbe häufig geschähen.
Verbindungen Wittenbergs in alle Welt bestanden bereits zu Luthers Zeit, betonte LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko. In seinem Dankwort an den Bundespräsidenten erinnerte Noko an Studenten aus Afrika, die bereits zur Reformationszeit in Wittenberg studierten. Reisten auch Luther und Melanchthon selber nicht unbedingt viel, so empfingen sie doch viele internationale Gäste. Wir LutheranerInnen verstehen uns als eine lebendige Bewegung innerhalb der Kirche, die weder in ein Museum mit Skulpturen noch in eine Institution zur Verbreitung von Erklärungen verwandelt werden dürfe, sagte Noko.
Mit der Ratstagung in Wittenberg würdige der LWB die Bedeutung der Lutherstadt, begrüsste der Kultusminister Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, die TagungsteilnehmerInnen. Unsere Welt braucht Heilung, sagte Olbertz mit Blick auf das Thema der Zehnten LWB-Vollversammlung. Im innerlich zerrissenen Deutschland sei diese Heilung in den zurückliegenden Wochen im gemeinsamen Kampf aller gegen das Hochwasser erfahrbar gewesen. Ein biblisches Zeichen, das wir verstehen und annehmen sollten, sagte der Kultusminister.
An der LWB-Ratstagung in Wittenberg nehmen 103 VertreterInnen der 133 LWB-Mitgliedskirchen aus 73 Ländern sowie rund 140 weitere TeilnehmerInnen teil, darunter MitarbeiterInnen des LWB, DolmetscherInnen, Stewards, PressevertreterInnen und Gäste. Der jährlich tagende LWB-Rat ist das höchste Leitungsgremium zwischen den in der Regel alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen des LWB. Der 49-köpfige Rat besteht aus dem Präsidenten, der Schatzmeisterin und 47 weiteren Ratsmitgliedern und wird von der Vollversammlung gewählt. Der Lutherische Weltbund umfasst zur Zeit insgesamt 133 Mitgliedskirchen in 73 Ländern und vertritt rund 61,7 Millionen der weltweit rund 65,4 Millionen LutheranerInnen. (559 Wörter)
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