Rechtfertigung, endlich!
Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE) in Augsburg. Von links: Landesbischof Dr. Christian Krause und Kardinal Edward Idris Cassidy. |
LutheranerInnen und KatholikInnen haben in einem Streitpunkt, dessen Wurzeln bis zur Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert zurückreichen, ein historisches Übereinkommen erzielt.
Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre bestätigt, dass die damaligen Lehrverurteilungen die heutige Lehre der Partner, wie sie in diesem Dokument festgeschrieben ist, nicht treffen. Es ging damals um nichts weniger als das Heil. Werden wir allein durch Gottes im Glauben empfangene Gnade erlöst und nicht durch unsere eigenen Verdienste? Und welche geistliche Bedeutung haben dann unsere "guten Werke"?
Unterzeichnung der GE in Augsburg, von links: Dr. Ishmael Noko und Bischof Dr. Walter Kasper. |
Im Januar 1997 wurde dem Vatikan sowie allen Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) der endgültige Entwurf vorgelegt. Beide Seiten gaben ihre offiziellen Stellungnahmen im Juni 1998 ab. Nach Klärung weiterer Aspekte wurde im Juni 1999 der Abschluss des Übereinkommens angekündigt. Das Ergebnis bildeten eine Gemeinsame offizielle Festellung und ein Anhang zu dieser Feststellung.
Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre wurde am 31. Oktober 1999 unterzeichnet, dem traditionellen Reformationstag und Vorabend von Allerheiligen. Die feierliche Unterzeichnung der GE fand in der deutschen Stadt Augsburg statt, wo 1530 die Konfession gleichen Namens vorgelegt wurde. Sie stellte einen allerdings erfolglosen Versuch dar, dem Konflikt zwischen der lutherischen Reformation und der offiziellen Katholischen Kirche ein Ende zu setzen.
Gemeinsame lutherisch/ römisch-katholische Pressekonferenz, 11. Juni 1999, Genf (Schweiz). Von links: Dr. Ishmael Noko und Kardinal Edward Idris Cassidy |
Auf Seiten des Lutherischen Weltbundes nahmen acht Personen an der Unterzeichnung teil: Der Präsident, der Generalsekretär sowie die VizepräsidentInnen, also Frauen und Männer, Bischöfe, PfarrerInnen und LaInnen, die die verschiedenen Weltregionen vertreten.
Auf katholischer Seite wurde die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre durch den Präsidenten und den Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen unterzeichnet. Zum ersten Mal also erklärte der Vatikan, dass Lehrverurteilungen der römisch-katholischen Kirche Lehren einer protestantischen Gemeinschaft nicht mehr treffen.







