Lutherischer Weltbund

Fünf Jahre Gemeinsame Erklärung - 2004

Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre: 
Ein Meilenstein auf dem ökumenischen Weg, 
aber nicht das Endziel

Kinder tanzen bei einem Festgottesdienst aus Anlass des fünften Jahrestages der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE) in der katholischen Christ-the-King-Kathedrale in Johannesburg (Südafrika). Die GE war am 31. Oktober 99 von VertreterInnen des LWB und der römisch-katholischen Kirche unterzeichnet worden und stellt eine der mutigsten ökumenischen Entwicklungen in der modernen Kirchengeschichte dar. © LWB/H. Frankenfeld

LutheranerInnen und KatholikInnen feiern fünften Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung in Südafrika

"Die Rechtfertigungslehre hat uns über fast 500 Jahre gespaltet und diese Spaltung hat den Menschen in Europa, Einzelnen wie ganzen Völkern, grosses Leid gebracht. Durch unsere missionarische Arbeit haben wir unsere Meinungsverschiedenheiten selbst in andere Kontinente exportiert", betonte Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, am Samstag, 30. Oktober, in seinem Hauptreferat anlässlich eines ökumenischen Seminars in Johannesburg (Südafrika), das im Rahmen der Feiern zum fünften Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE) stattfand. 

Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, betonte: "Wir haben eine wichtige Etappe auf unserem Weg erreicht, aber wir sind noch nicht am Ziel angelangt." © LWB/H. Frankenfeld

Angesichts dieser Spaltung, so betonten sowohl Kardinal Kasper als auch der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Dr. Ishmael Noko, sei die Unterzeichnung der GE durch den LWB und die römisch-katholische Kirche am 31. Oktober 1999 in Augsburg (Deutschland) eine der mutigsten ökumenischen Entwicklungen in der modernen Kirchengeschichte. LWB-Generalsekretär Noko war neben Kasper der zweite Hauptredner des ökumenischen Seminars in Johannesburg.

Die GE stellt den vorläufigen Höhepunkt eines Dialogprozesses dar, der Mitte der 1960er Jahre unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils begann. Mit Unterzeichnung der GE im Oktober 1999 erklärten die VertreterInnen des LWB sowie der römisch-katholischen Kirche, dass die im Zusammenhang mit der Rechtfertigung im 16. Jahrhundert ausgesprochenen gegenseitigen Lehrverurteilungen die lutherische und römisch-katholische Lehre, wie sie in der GE dargelegt werden, nicht treffen.

Kasper und Noko waren nach Südafrika gereist, um ihrer Freude über das Erreichen dieses Meilensteins in der ökumenischen Zusammenarbeit Ausdruck zu verleihen und über den künftigen Weg nachzudenken. Der LWB-Generalsekretär stellte fest, dass die GE bereits in aller Welt zu einer Entspannung der lutherisch-katholischen Beziehungen auf verschiedenen Ebenen geführt habe. Der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates betonte, dass LutheranerInnen und KatholikInnen endlich zu "einem gemeinsamen Verständnis von der Rechtfertigung" und zu einem "weisen Kompromiss" gelangt seien, der sich auf die wesentlichen Fragen des Glaubens, der Erlösung und der Gnade konzentriere. "Wir haben eine wichtige Etappe auf unserem Weg erreicht, aber wir sind noch nicht am Ziel angelangt", so Kasper.

LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko betonte in Johannesburg, dass die GE bereits in aller Welt zu einer Entspannung der lutherisch-katholischen Beziehungen auf verschiedenen Ebenen geführt habe. 
© LWB/H. Frankenfeld

Beide Hauptredner hoben die Notwendigkeit hervor, die Rechtfertigungslehre in die Sprache der heutigen Zeit zu übersetzen. "Die Lehre von der Rechtfertigung ist nicht sehr gut bekannt, nicht einmal unter aktiven Gemeindegliedern", stellte Noko in seiner Ansprache fest, "aber die Gabe der Gerechtigkeit aus Gnade, die Gott uns geschenkt hat, hat Konsequenzen. Sie fordert uns heraus, für soziale Gerechtigkeit einzutreten."

Noko räumte ein, dass in der GE noch nicht alle Konsequenzen aus den erreichten Übereinstimmungen gezogen worden seien. "Es braucht eine gewisse Zeit, bis die reifen Früchte dieses schönen Baumes geerntet werden können", stellte er fest. "Das Wichtigste ist, dass wir jetzt de facto gemeinsam Position zu bestimmten Fragen des Glaubens bezogen haben."

Gastgeber des ökumenischen Seminars waren die Südafrikanische Katholische Bischofskonferenz und die Lutherische Gemeinschaft im südlichen Afrika (Lutheran Communion in Southern Africa, LUCSA). Zu den TeilnehmerInnen gehörten Erzbischöfe und Bischöfe, LeiterInnen theologischer Seminare, Theologie-DozentInnen und -Studierende sowie PfarrerInnen aus Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe. Mehr...

Südafrikanischer Bischof Sibiya: Gemeinden müssen an der Diskussion zur Frage der Rechtfertigung beteiligt werden

LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko (li.), der südafrikanische Kardinal Wilfrid Napier (Mitte) und der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper (rechts), während des Festgottesdienstes in der katholischen Christ-the-King-Kathedrale in Johannesburg. © LWB/H. Frankenfeld

Der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika, Louis Sibiya, hat dazu aufgerufen, die Gemeinden an den laufenden Diskussionen zu Fragen der Rechtfertigung zu beteiligen. Angesichts der intensiven theologischen Auseinandersetzung mit der Frage der Rechtfertigung und der umfassenden Beteiligung von VertreterInnen anderer Religionen an den Diskussionen zu diesem Thema müsse Sorge getragen werden, dass die Gemeinden "nicht aussen vor bleiben", so Sibiya in seiner Predigt während des Gottesdienstes zur Feier des fünften Jahrestages der Unterzeichnung der GE am 30. Oktober in der Cathedral of Christ the King in Johannesburg (Südafrika).

"Die Gemeinsame Erklärung ist ganzheitlich und wurde zu dem Zweck ausgearbeitet, in unterschiedlichen Lebenssitutationen und -kontexten Anwendung zu finden; andernfalls ist sie für unsere Gemeindeglieder nur ein Dokument, das für Pfarrer und Pfarrerinnen sowie Bischöfe und Bischöfinnen gedacht ist", betonte Sibiya während der ökumenischen Feier.

Kardinal Wilfrid Napier, Präsident der Südafrikanischen Katholischen Bischofskonferenz (SACBC), leitete den Festgottesdienst, der mit einer feierlichen Prozession lutherischer und römisch-katholischer WürdenträgerInnen, einschliesslich Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen beider Kirchen, begann. Sie wurde von einer Gruppe junger, ganz in weiss gekleideter Tänzerinnen in die Kathedrale geleitet. Pfr. Dr. Ishmael Noko, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Walter Kardinal Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Kardinal Napier entzündeten gemeinsam die Altarkerzen. Zwei Chöre, der Chor der lutherischen Khutsong-Kirche aus Daveyton und der Chor der St. Angela-Kirche aus Dobsonville, begleiteten den Gottesdienst abwechselnd mit ihrem Gesang. Mehr...

Aus Anlass des fünften Jahrestages der Unterzeichnung der GE hat das LWB-Büro für Kommunikationsdienste eine Sonderausgabe der Lutherischen Welt-Information (LWI) veröffentlicht. Die 28-seitige vierfarbige Publikation beschäftigt sich mit den Fragen: Was hat sich in den letzten fünf Jahren geändert und welches sind die neuen Herausforderungen für die Zukunft? Hier finden Sie weitere Informationen zur LWI-Sonderausgabe. 

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