Lutherischer Weltbund

LWF - Vollversammlung - Hongkong 1997 - Beschlüsse

Beschlüsse

Aus Zeitgründen verwies die Vollversammlung einige vorgeschlagene Beschlüsse zur endgültigen Beschlussfassung an den Rat. Auf seiner unmittelbar auf die Vollversammlung folgenden Tagung nahm der Rat diese vorgeschlagenen Beschlüsse an.

Der Text in eckigen Klammern ist eine abgekürzte Einführung zu dem jeweiligen vorgeschlagenen Beschluss und nicht unbedingt ein direktes Zitat aus dem Protokoll.

Inhaltverzeichnis

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR RECHTFERTIGUNGSLEHRE

Pfr. Christoph Stier antwortet Journalisten bei einer Pressekonferenz anschliessend an sein Referat über "Rechtfertigung aus Gnade allein"

Als Reaktion auf den Beschluss des LWB-Rates zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre auf seiner Tagung im Jahre 1996 beschliesst die Vollversammlung folgendes:

  • sie spricht ihren Dank aus für drei Jahrzehnte lutherisch/römisch-katholischen Dialog, der zu einer wachsenden Lehrkonvergenz und einer sich zunehmend vertiefenden geistlichen Gemeinschaft geführt hat;

  • sie bringt ihre Dankbarkeit für die Fertigstellung der Gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck;

  • sie nimmt mit Anerkennung den Beitrag der LWB-Mitgliedskirchen zur Erstellung des Schlusstextes der Gemeinsamen Erklärung zur Kenntnis;

  • sie ist dankbar für die positiven Beiträge von Vertretern der römisch-katholischen Kirche zur Diskussion in Hongkong über Rechtfertigung.

Die Vollversammlung möge beschliessen:

  • die an der Gemeinsamen Erklärung geleistete Arbeit mit Dank gegenüber Gott zu bekräftigen;

  • die Mitgliedskirchen des LWB dringend aufzufordern, die Gemeinsame Erklärung sorgfältig zu studieren und bis spätestens 1. Mai 1998 die vom Generalsekretär in seinem Brief vom 26. Februar 1997 gestellten Fragen zu beantworten;

  • den Rat zu bitten, die von den Mitgliedskirchen erhaltenen Stellungnahmen zu der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre sorgfältig zu prüfen und zu erörtern sowie zu bestimmen, ob unter den Mitgliedskirchen ein Konsens erklärt werden kann. Falls es nicht klar ist, ob ein "magnus consensus" erklärt werden kann, ist der Rat der Mitgliedskirchen einzuholen;

  • die Empfehlung des Rates vom Jahre 1996 zu bekräftigen, dass der erhoffte Abschluss des Prozesses der Gemeinsamen Erklärung angemessen mit den römisch-katholischen Partnern mit Freude und Dank gegenüber Gott gefeiert wird.

[Inhaltverzeichnis]

DIALOGE DES LUTHERISCHEN WELTBUNDES

Die Vollversammlung möge beschliessen:

  • die Berichte über die Dialoge des LWB und seiner Mitgliedskirchen mit der römisch-katholischen Kirche, mit den orthodoxen, methodistischen und reformiert/presbyterianischen Kirchen dankbar zur Kenntnis zu nehmen;

  • den Rat und die beteiligten Kirchen zu ersuchen, diese Dialoge fortzusetzen und die Rezeption ihrer Ergebnisse zu unterstützen, und

  • den Bericht über die Konsultation mit den Siebenten-Tags-Adventisten mit Anerkennung zur Kenntnis zu nehmen.

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ANGLIKANISCH-LUTHERISCHE BEZIEHUNGEN

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

Der Rat [nahm zur Kenntnis, dass zwischen anglikanischen und lutherischen Kirchen entscheidende offizielle Schritte unternommen und verschiedene Stadien der Rezeption erreicht worden sind, wurde über weitere, sich dem Abschluss nähernde Gespräche informiert und] hat BESCHLOSSEN:

  • das Engagement für das Ziel der vollen Kirchengemeinschaft mit Kirchen der Anglikanischen Gemeinschaft zu bekräftigen und zu erneuern und die LWB-Mitgliedskirchen dringend aufzufordern, die geeigneten Schritte zur Verwirklichung dieses Zieles zu unternehmen, und

  • die Weiterführung der Internationalen anglikanisch-lutherischen Kommission zu bestätigen und sie dringlich aufzufordern, die Kirchen anzuregen und zu unterstützen, Schritte zu unternehmen, die in geeigneter Weise zur Förderung voller Kirchengemeinschaft führen.

Ferner nahm der Rat dankbar die bereits zwischen Anglikanern und Lutheranern bestehenden Übereinkommen zur Kenntnis und ermutigte zu einer immer stärkeren Vertiefung der Beziehungen.

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DER LWB UND DIE ÖKUMENE

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

Der Rat hat BESCHLOSSEN:

  • zu bekräftigen, dass der LWB zur ökumenischen Bewegung gehört und lutherische Kirchen ihrer Definition nach sowohl konfessionell als auch ökumenisch sind;

  • auf die Entwicklung der Strukturen innerhalb der ökumenischen Bewegung hinzuarbeiten, die das oben Gesagte durch Einschluss der konfessionellen Familien bestätigen und für die römisch-katholische Kirche offen sind.

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MISSION UND EVANGELISATION

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

[Im Bewusstsein der vielfältigen neueren missionsorientierten Tätigkeiten des LWB und zur Stärkung des Schwerpunktes auf Evangelisation in der Mission] hat der Rat BESCHLOSSEN:

  • Mission und Evangelisation als zentrale Aufgabe des Weltbundes und der Mitgliedskirchen zu bekräftigen und zu gewährleisten, dass die zuständigen Abteilungen ihre Arbeit an diesem Schwerpunkt koordinieren;

  • zu gewährleisten, dass die Bemühungen der Mitgliedskirchen um ein glaubwürdiges und kulturell aufgeschlossenes Zeugnis für Christus in einer zunehmend pluralistischen und multireligiösen Welt vorrangig gefördert und gestärkt werden;

  • die Mitgliedskirchen zu einem erneuten Engagement für gemeinsames Zeugnis an jedem Ort und überall aufzurufen und darauf zu achten, dass die ökumenische Aufgabe der Verwirklichung der Einheit unter den Kirchen in Mission und Evangelisation zum Ausdruck kommen kann, und

  • zu gewährleisten, dass der Erfahrungsaustausch über Missionspraxis zwischen den Mitgliedskirchen ernst genommen wird.

[Inhaltverzeichnis]

DIE ORDINATION VON FRAUEN


Bischöfin April Ulring Larson, ELKA, Festgottesdienst zur Feier des 50. LWB-Jahrestages

Die Vollversammlung möge beschliessen, eingedenk der Beschlüsse der Achten LWB-Vollversammlung in Curitiba, Brasilien (1990), und der Tagung des LWB-Rates in Windhuk, Namibia (1995), folgendes zu beschliessen:

  • das Engagement für die Frauenordination als Ausdruck der Gemeinschaft aller in Christus Getauften bei der Bezeugung des Evangeliums zu bekräftigen;

  • die Überlegungen und Dialoge der Mitgliedskirchen in bezug auf das ordinierte Amt in einem Geist der Liebe und gegenseitigen Achtung zu unterstützen;

  • durch Studien, Beratung und Dialog praktische Schritte zu ergreifen, damit den Frauen in allen Mitgliedskirchen das ordinierte Amt offen steht;

  • die Folgerungen auszuarbeiten, die sich für das ordinierte Amt aus der Tatsache ergeben, dass der LWB eine Communio von Kirchen in voller Gemeinschaft ist, und

  • alle Mitgliedskirchen dazu aufzurufen, Frauen vermehrt Zugang zur theologischen Ausbildung zu ermöglichen und die Frauenordination zu unterstützen.

[Inhaltverzeichnis]

BEFÄHIGUNG VON FRAUEN ALS WEG ZUR VOLLEN AUFNAHME IN DIE GESELLSCHAFT

Die Vollversammlung möge beschliessen,

  • die Mitgliedskirchen und das LWB-Sekretariat aufzurufen:

  • wirtschaftliche Kenntnisse und Workshops zur Heranbildung von Führungskräften, Seminare und Konsultationen für Frauen zu fördern;

  • einen Teil des Gesamthaushalts für Programme und Projekte zu bestimmen, die Frauen befähigen;

  • Frauen Investitionsprogramme und Kleinkredite zugänglich zu machen;

  • dafür zu sorgen, dass die Programme des LWB-Büros für Frauen in Kirche und Gesellschaft (WICAS) angemessen finanziert werden;

  • die Ziele der 1998 zu Ende gehenden Ökumenischen Dekade - Solidarität der Kirchen mit den Frauen zu bekräftigen und weiterzuverfolgen;

  • ein Bewusstsein für Geschlechterfragen aufzubauen und zu gewährleisten, dass die Geschlechterfrage in allen neuen Projekten ernst genommen wird, indem dafür gesorgt wird, dass sie von einer paritätisch zusammengesetzten Gruppe geprüft und gebilligt werden, und

  • den Rat aufzurufen zu gewährleisten, dass nur diejenigen theologischen Ausbildungsstätten, die sowohl Frauen als auch Männern gleichen Zugang zu der theologischen Ausbildung gewähren, vom LWB finanziert werden.

[Inhaltverzeichnis]

FRAUEN IN KIRCHE UND GESELLSCHAFT

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

[In der Erkenntnis, dass die Situation von Frauen in der Gesellschaft und in den Kirchen noch verbessert werden muss, und aufgrund der Verpflichtung auf Seite 00 des Dokuments Bericht und Verpflichtungen der Neunten Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes, den Bericht Wir sind Zeuginnen der Internationalen Konsultation des LWB über Frauen zu diskutieren und die darin enthaltenen Programme zu verwirklichen,] hat der Rat BESCHLOSSEN:

  • den Mitgliedskirchen zu empfehlen, die Aktionsplattform der UNO-Weltfrauenkonferenz von 1995 zu erörtern und zu verwirklichen;

  • den Mitgliedskirchen zu empfehlen, den Bericht Wir sind Zeuginnen von der LWB-Konsultation über Frauen (1995) zu erörtern und zu verwirklichen, und

  • den Mitgliedskirchen zu empfehlen, die Durchführung der Ökumenischen Dekade - Solidarität der Kirchen mit den Frauen zu verstärken.

[Inhaltverzeichnis]

LUTHER-AKADEMIE DER EVANGELISCH-LUTHERISCHEN KIRCHE LETTLANDS

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

[Der Rat befasste sich mit einem Antrag, nach dem Unterstützung für die Luther-Akademie nur zu gewähren ist, wenn garantiert ist, dass sowohl Männer als auch Frauen gleichen Zugang zu allen Bildungsangeboten dieser Institution erhalten. Es wurde berichtet, dass das Projekt über die üblichen LWB-Projektprüfungsinstanzen gegangen, vom Projektausschuss zur Finanzierung nach den zu diesem Zeitpunkt gültigen Kriterien genehmigt worden sei und die Luther-Akademie sowohl Kandidaten als auch Kandidatinnen aufnehme. Angesichts dieser Sachlage und da man ungern einer Kirche als Druckmittel die Finanzierung vorenthält,] hat der Rat BESCHLOSSEN:

  • dass es nicht angemessen sei, die Diskussion über bereits zur Finanzierung bewilligte Projekte wiederaufzunehmen, wie das der Fall bei der Luther-Akademie der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands sei, und im Nachhinein neue Kriterien anzuwenden;

  • den Generalsekretär zu bitten, mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands in Dialog zu treten, um über die Auswirkungen der Vollversammlungsbeschlüsse über die Befähigung von Frauen als Weg zur vollen Aufnahme in die Gesellschaft auf die Unterstützung der Luther-Akademie in der Zukunft zu sprechen und diese zu beraten.

[Inhaltverzeichnis]

ANTIPERSONENMINEN

Im Wissen um das von Antipersonenminen verursachte menschliche Leiden, besonders für Zivilpersonen in einer Nachkriegssituation;

in der Überzeugung, dass die Auswirkungen von Antipersonenminen auf die Menschen ihren militärischen Nutzen weit übersteigen;

angesichts der Tatsache, dass Landminen Waffen sind, die unterschiedslos verstümmeln oder töten und somit internationales humanitäres Recht verletzen;

eingedenk früherer Beschlüsse auf vier Tagungen des LWB-Rates (Madras, 1992; Kristiansand, 1993; Windhuk, 1995; und Genf, 1996) über die Beseitigung von Landminen weltweit möge die Vollversammlung beschliessen:

  • ihr Engagement für ein weltweites umfassendes Verbot der Produktion, der Verwendung, des Verkaufs und der Lagerung von Antipersonenminen zu bestätigen und allen Mitgliedskirchen dringend nahezulegen, ihre Regierungen darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, dass dieses Ziel erreicht wird;

  • alle Mitgliedskirchen dringend zu bitten, ihre Regierungen aufzufordern, durch den "Prozess von Ottawa" eine internationale Norm für ein Verbot zu unterstützen und im Dezember dieses Jahres in Ottawa den internationalen Vertrag über das Verbot von Antipersonenminen zu unterzeichnen;

  • die Mitgliedskirchen zu ermutigen, ihre Bemühungen zur Förderung des Bewusstseins über Landminen und deren Verurteilung als unmenschliche Waffen zu verstärken und Hilfe bei der Beseitigung von Minen und Unterstützung von Opfern in von Minen verseuchten Ländern zu leisten, und

  • alle Mitgliedskirchen dringend aufzufordern, Initiativen zur Behandlung dieses Problems innerhalb des Systems der Vereinten Nationen zu unterstützen, einschliesslich des Einsatzes für weitere Ratifizierung des UNO-Übereinkommens über bestimmte konventionelle Waffen und das Zusatzprotokoll II durch Länder, die es noch nicht ratifiziert haben.

[Inhaltverzeichnis]

VERSTÄRKUNG DER OFFIZIELLEN ENTWICKLUNGSHILFE

Angesichts der Zunahme der Armut, der wachsenden Kluft zwischen reichen und armen Ländern, immer grösserer Umweltprobleme und fortgesetzter gewaltsamer Konflikte, besonders in armen Ländern;

eingedenk der Weltkonferenzen der Vereinten Nationen (Umwelt und Entwicklung, Rio de Janeiro, 1992; Menschenrechte, Wien, 1993; Bevölkerung und Entwicklung, Kairo; 1994; Soziale Entwicklung, Kopenhagen, 1995; Frauen, Peking, 1995; Ernährung, Rom 1996), auf denen die Nationen sich zu einer integrierten Agenda verpflichteten, mit deren Hilfe die Armut verringert, die Unteilbarkeit der Menschenrechte behandelt, für eine nachhaltige Entwicklung gearbeitet und Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden sollte;

in Anerkennung der Tatsache, dass die offizielle Entwicklungshilfe der reichen Länder das Niveau von vor 30 Jahren erreicht hat (0,27 Prozent des Bruttosozialprodukts);

unter Betonung dessen, dass die offizielle Entwicklungshilfe nicht nur als Zeichen grundlegender Gerechtigkeit und Solidarität mit armen Nationen, sondern als wesentlich für die Erreichung einer nachhaltigen und friedlichen Zukunft für die ganze Erde und alle Nationen gesehen werden sollte, möge die Vollversammlung beschliessen:

  • alle Mitgliedskirchen, besonders die in den reichen Ländern, dringend aufzufordern, bei ihren Regierungen gegen die Senkung des Niveaus der offiziellen Entwicklungshilfe Einspruch zu erheben und die Regierungen zu ermahnen, die offizielle Entwicklungshilfe, wie von den Vereinten Nationen empfohlen, auf mindestens 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes anzuheben, und

  • alle Mitgliedskirchen dringend aufzufordern, ihre eigenen praktischen und symbolischen Solidaritätsbekundungen mit den Armen und Marginalisierten in allen Teilen der Welt zu verstärken.

[Inhaltverzeichnis]

NACHLASS DER INTERNATIONALEN SCHULD

Mit dem Kommen des neuen Jahrtausends feiert der LWB die Befreiungsbotschaft des Erlassjahres und erhebt seine Stimme zugunsten einer Beendigung der internationalen Schuldenlast der Entwicklungsländer.

Eingedenk der Tatsache, dass die Sechste, Siebente und Achte Vollversammlung des LWB (Daressalam, 1977; Budapest, 1984; Curitiba, 1990) alle wichtige Erklärungen zur wirtschaftlichen Gerechtigkeit abgegeben haben;

Bischof Joseph Paul Bvumbwe, Evangelisch-Lutherische Kirche in Malawi bei einer Plenar-Diskussion

eingedenk der Tatsache, dass die Achte Vollversammlung des LWB (Curitiba, 1990) sich auch zur Auslandsschuldenkrise äusserte und empfahl, das Verständnis für die Notwendigkeit einer neuen Weltwirtschaftsordnung zu fördern und Lösungen für die Schuldenkrise zu finden, die für die unterprivilegierten Teile der Welt so verheerende Auswirkungen hat;

unter der Feststellung, dass die Zeit gekommen ist, von Vorschlägen zu Taten überzugehen;

im Bewusstsein, dass trotz einiger bedeutender Schritte zur Linderung der internationalen Schuldenlast die 41 Länder mit der grössten Schuldenlast jetzt eine Gesamtschuld von 215 Milliarden USD haben gegenüber 183 Milliarden USD im Jahre 1990 und 55 Milliarden im Jahre 1980;

unter Bestätigung der kirchlichen Initiative "Erlassjahr 2000-Kampagne" zum Nachlass der Auslandsschuld und der Befreiung der ärmsten Nationen von den aufgehäuften, nicht rückzahlbaren Schulden durch einen einmaligen Erlass unbezahlbarer Schulden der ärmsten Länder bis spätestens im Jahr 2000;

unter Betonung, dass der Nutzen des Schuldennachlasses der menschlichen Entwicklung und der Beseitigung der Armut zugute kommen sollte, einschliesslich Ausbildung, Gesundheit, Darlehen und Entwicklungsinitiativen für die am meisten unter der Armut Leidenden

möge die Vollversammlung beschliessen:

  • die Mitgliedskirchen dringend aufzufordern, sich der Initiative "Erlassjahr 2000-Kampagne" anzuschliessen, und

  • die Mitgliedskirchen dringend aufzufordern, auf ihre Regierungen und die internationalen Institutionen Druck auszuüben und allgemein alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um das Ziel zu erreichen, die Entwicklungsländer zur Feier des Erlassjahres von ihren Schulden zu befreien.

[Inhaltverzeichnis]

DIE ROLLE DER KIRCHE BEI DER FÜRSORGE VON MENSCHEN MIT HIV/AIDS

In der Erkenntnis, dass die HIV/AIDS-Pandemie sich verstärkt hat und sich weiterhin in der ganzen Welt ausbreitet, vor allem in den wirtschaftlich armen Ländern;

in der Erkenntnis, dass die am stärksten vom HIV-Virus betroffenen Menschen die ärmsten der Armen, Kinder, junge und produktive Personen, Frauen, Ungebildete und Marginalisierte sind;

in der Erkenntnis, dass das HIV/AIDS-Problem nicht aus medizinischer Sicht, sondern aus Sorge um die Menschenwürde und des Rechtes des einzelnen auf die höchstmögliche Lebensqualität angegangen werden sollte;

in der Überzeugung, dass HIV/AIDS eine Krankheit wie jede andere Krankheit ist, über die keine moralische Diagnose abgegeben werden sollte;

in der Erkenntnis, dass Menschen mit HIV/AIDS von Verwandten, Freunden und der Gesellschaft häufig vernachlässigt, verworfen und ausgestossen werden;

in Anerkennung des kirchlichen Verständnisses von Inklusivität

möge die Vollversammlung beschliessen:

  • alle vom Lutherischen Weltbund abgegebenen Erklärungen über seelsorgerliche Betreuung, Anwaltschaft und Linderung des Leidens von Menschen mit HIV/AIDS zu bekräftigen und

  • den Mitgliedskirchen nahezulegen, die Durchführung dieser und früherer Beschlüsse über HIV/AIDS umzusetzen.

[Inhaltverzeichnis]

DER KAMPF GEGEN DEN ANALPHABETISMUS

Im Wissen darum, dass einer der entscheidenden Faktoren für die Marginalisierung und Verarmung grosser Teile der Weltbevölkerung der fehlende Zugang zu angemessener Ausbildung ist,

möge die Vollversammlung beschliessen:

  • die Mitgliedskirchen zu ermutigen, aktiv am Kampf gegen den Analphabetismus mitzuwirken, und den LWB dringend aufzufordern, Projekte, deren Ziel die Verbesserung von Ausbildung und Training ist, als Priorität zu behandeln.

[Inhaltverzeichnis]

SPRACH- UND KOMMUNIKATIONSANLIEGEN

Auf der Jugendkonferenz vor der Vollversammlung in Bangkok (PAYC) wurden Sprachprobleme und ihre Behandlung als ganz zentrale Fragen erkannt, die eine fruchtbare Gemeinschaft und Zusammenarbeit ermöglichen, aber auch behindern können.

Die Vollversammlung möge beschliessen:

  • den Rat zu bitten, die Sprachprobleme aufzunehmen und Massnahmen zur Verbesserung der Kommunikation zu ergreifen, und

  • allen in der ökumenischen Bewegung Tätigen mehr Gelegenheiten zu geben, eine der vier ökumenischen Sprachen zu lernen.

[Inhaltverzeichnis]

AUSBILDUNG VON JUGENDLICHEN ZU FÜHRUNGSKRÄFTEN

Die Vollversammlung möge beschliessen:

  • den Rat dringend zu ersuchen, die Programme zur Ausbildung von jungen Menschen zu Führungskräften im regionalen und interkulturellen Umfeld fortzusetzen und auszuweiten, und

  • die Mitgliedskirchen dringend zu ersuchen, mehr Unterweisung in bezug auf die lutherischen Aspekte des christlichen Glauben anzubieten, damit junge Menschen in ihrem jeweiligen ökumenischen Umfeld besser zum Dialog mit anderen Glaubensrichtungen zugerüstet werden.

[Inhaltverzeichnis]

ZEITPUNKT DER JUGENDKONFERENZ VOR DER VOLLVERSAMMLUNG (PAYC)

Im Rahmen der Vorbereitung der Jugenddelegierten nicht nur auf die Vollversammlung, sondern auch die regionalen Konsultationen vor der Vollversammlung ersuchen wir den LWB, die Jugendkonferenz (PAYC) vor diesen abzuhalten. Auf diese Weise können die Delegierten Perspektiven über bestimmte Fragen vorbereiten, ihre regionalen und nationalen Gremien konsultieren und ein besseres Verständnis der Strukturen und Nominierungsverfahren gewinnen.

Die Vollversammlung möge beschliessen,

  • den LWB zu ersuchen, die Jugendkonferenz künftig vor den regionalen Konsultationen vor der Vollversammlung abzuhalten, und

  • den Rat zu ersuchen, die Mitgliedskirchen zu ermutigen, Personen zu ernennen, die qualifiziert sind, die Stimme der Jugend im Rat zu vertreten und sie bei der nächsten Jugendkonferenz vorzustellen.

[Inhaltverzeichnis]

SCHLUSSBOTSCHAFT DER JUGENDKONFERENZ VOR DER VOLLVERSAMMLUNG (PAYC)

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

[Der Rat befasste sich mit dem Antrag, die Schlussbotschaft der Jugendkonferenz vor der Vollversammlung (PAYC) in Bangkok (Thailand) kurz vor der Neunten Vollversammlung unter den Mitgliedskirchen des LWB zu verteilen. 

Liturgische Tänzerinnen aus Hongkong beim Eröffnungsgottesdienst der LWB-Vollversammlung

Da berichtet wurde, dass die Teilnehmenden an der PAYC keinen Konsens über den Inhalt der Botschaft erreicht hatten und deshalb ihr Status ungewiss sei, ] hat der Rat BESCHLOSSEN:

  • den LWB-Stab zu bitten, das Material der Jugendkonferenz vor der Vollversammlung einschliesslich der Gruppenberichte zu überprüfen und zu entscheiden, welches Material am besten an die LWB-Mitgliedskirchen weitergeleitet werden soll.

[Inhaltverzeichnis]

DALITS IN INDIEN

Wer sind die Dalits? Das Volk Israel war Dalits in Ägypten. Samariter waren Dalits zu biblischen Zeiten. Jesus ist ein Dalit, weil er für uns litt. Wir finden Dalits in der ganzen Welt, doch im Kontext Indiens ist es noch anders.

Dalit bedeutet arm, unterdrückt. Die indische Gesellschaft ist in verschiedene Rassen und Kasten aufgeteilt. Wer im Kastensystem oben ist, bezeichnet sich als Angehöriger einer höheren Kaste. Wer am unteren Ende ist, ist ausgestossen oder ein Dalit.

Die christlichen Dalits haben zwei Probleme. Erstens sind sie ausgestossen, weil sie nach hinduistischer Lehre in ihrem früheren Leben gesündigt haben und deshalb in eine Familie von Ausgestossenen hineingeboren werden müssen, um zu leiden. Schon ein Baby in der ausgestossenen Familie gilt als sündig und unrein. Zweitens leben die meisten christlichen Dalits unterhalb der Armutsgrenze. Wenn ein hinduistischer Dalit Buddhist oder Sikh wird, kommt er oder sie weiterhin in den Genuss aller Privilegien, die er oder sie zuvor von der Zentralregierung oder den Regierungen der Bundesstaaten hatte. Sobald ein hinduistischer Dalit zum Christentum konvertiert, werden alle Fördermittel, Arbeitsplatzchancen und kostenlose Zuteilung von Grundstücken eingestellt.

Wenn man diese Diskriminierung in Frage stellt, lautet die Erklärung, dass Buddhismus und Sikhismus indische Religionen seien, während das Christentum eine ausländische Religion sei. Ein weiterer Grund sei, dass indische Christen viel Hilfe von Christen in Europa und Amerika bekommen. Beide Gründe sind falsch. Das Christentum war schon im 1. Jahrhundert in Indien. Der Sikhismus entstand erst im 19. Jahrhundert. Die materielle Hilfe, die Christen von westlichen Ländern erhalten, geht nicht nur an arme Christen, sondern allgemein an alle Menschen.

Im Juni 1997 haben Nichtdalit-Hindus Häuser von Dalits niedergebrannt - vor allem von Christen -, und fast 100 Menschen wurden getötet. (In der letzten Zeit kam es zu vielen solchen Vorfällen.) Der Grund ist, dass Nichtdalits den Aufstieg von Dalits nicht ertragen können. Die christliche Kirche hat viel für den Aufstieg von armen Dalits beigetragen.

Auch jetzt noch hilft die Kirche den Dalits ungeachtet ihrer Religion, Kaste oder Gemeinschaft, wenn die Dalits in Schwierigkeiten sind.

Die Christen in Indien streben heute nach Gerechtigkeit für die christliche Kirche. Doch in einem Land, in dem 98 Prozent Nichtchristen sind, ist es schwierig, Gerechtigkeit für Dalits zu erreichen. Christlichen Dalits geschieht seit über 40 Jahren Unrecht, weil christlichen Dalits Hilfe verweigert wird.

Die Nichtdalits unterdrücken die nichtchristlichen Dalits und die christlichen Dalits gleichermassen. In den meisten Fällen sehen die hinduistischen Dalits die christlichen Dalits nicht als Mitleidende. Hinduistische Dalits sagen, dass die christlichen Dalits mit Hilfe von Christen im Westen aufsteigen und deshalb keine Hilfe von der Regierung benötigen.

Die christlichen Dalits sagen, dass sie keine Hilfe von der Regierung erhalten, weil sie Christen sind.

Die Vollversammlung möge beschliessen,

  • von den Mitgliedskirchen Gebete für die christlichen Dalits zu erbitten, damit die Regierung den christlichen Dalits Hilfe leistet;

  • alle unterdrückerischen Systeme und die damit verbundenen unmenschlichen Praktiken zu verurteilen;

  • sich zu verpflichten, allen Mitgliedskirchen und anderen in ihrem Kampf gegen die Unterdrückung von Dalits, besonders christlichen Dalits, Solidarität und Unterstützung entgegenzubringen.

Andernfalls würden die christlichen Dalits am unteren Ende der Kastenleiter bleiben und den Namen "ausgestossen" auf immer tragen.

[Inhaltverzeichnis]

EINSATZ FÜR FRIEDEN IN AFRIKA

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

[Der Rat tagte zwar in Asien, doch seine Gedanken und Gebete richteten sich auf die vielen Problemgebiete auf dem afrikanischen Kontinent. Mit Freude wurde die Erneuerung in Südafrika und anderswo zur Kenntnis genommen, und es wurde festgestellt, dass Afrika im Grunde ein Kontinent der Hoffnung sei. 

Regionale Bibelarbeit (Afrika) unter Beteiligung von Bischof Kleopas Dumeni (mit Kreuz)

Dennoch war der Rat nach wie vor darüber besorgt, dass in vielen Ländern Afrikas weder ein echter Friede noch echte Versöhnung herrschte.] Der Rat [rief alle Mitgliedskirchen dazu auf, in ihren Gebeten weiterhin der Menschen, der Kirchen, der Mitarbeiter/innen für humanitäre Hilfe und der Friedensförderer in Afrika zu gedenken und] hat BESCHLOSSEN:

  • in Solidarität seine Besorgtheit um die Bevölkerung Liberias, die sich auf die bevorstehenden Wahlen vorbereitet, und den Wunsch zum Ausdruck zu bringen, dass die Mitgliedskirchen sich auch weiterhin für einen dauerhaften Frieden und für wahre Versöhnung in diesem Land einsetzen und diese fördern, und die ehemaligen Kriegsherren aufzurufen, die Ergebnisse der Wahlen zu respektieren und das Wohl der Bevölkerung über ihre eigenen Ambitionen zu stellen;

  • den Putsch in Sierra Leone zu bedauern und zu einer Lösung der Situation durch Dialog sowie zur Wiederherstellung des demokratischen Systems aufzurufen;

  • die Mitgliedskirchen zu bitten, für die weiterhin andauernde menschliche Tragödie in der gesamten Region der Grossen Seen, in der Demokratischen Republik Kongo und im Sudan zu beten und darauf aufmerksam zu machen und vor allem die internationale Gemeinschaft, Regierungen, Kirchen, ökumenische Organisationen und die Bevölkerung der Grossen Seen selbst aufzurufen, die Grundursachen für das Morden und die Entbehrungen, einschliesslich des noch nachwirkenden Vermächtnisses des Kolonialismus, den unglaublichen Hass zwischen Menschen der Region und die versteckten Aktivitäten externer Kräfte zu erkennen und sich damit zu befassen; und

  • zuzugeben, dass es an koordinierter ökumenischer Reaktion im Zusammenhang mit diesen schwerwiegenden Problemen fehlt, und die Mitgliedskirchen aufzurufen, ihr Engagement, ihre Gebete, ihre Sorge und ihre aktive Unterstützung von Menschen und Kirchen in allen von Krieg, Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen heimgesuchten Gebieten Afrikas zu erneuern.

[Inhaltverzeichnis]

FEIER DER GEBURT CHRISTI IM JAHR 2000

Angesichts dessen, dass Christen das Jahr 2000 der Geburt Christi feiern,

möge die Vollversammlung beschliessen,

  • die Mitgliedskirchen aufzurufen, den von den Ortskirchen vorbereiteten Geburtstagsfeiern im Jahre 2000 in Jerusalem grosse Aufmerksamkeit zu schenken und aktiv daran mitzuwirken, um ihre Solidarität mit örtlichen Christen zum Ausdruck zu bringen. In Christus wurde der Friede geboren; durch seine Gegenwart sollte im Land der Auferstehung Frieden geschaffen werden.

[Inhaltverzeichnis]

EVALUIERUNG UND PRIORITÄTENSETZUNG

Die Jugendkonferenz vor der Vollversammlung (PAYC) brachte ihre Besorgnis über das Arbeitspensum des LWB-Sekretariats und darüber zum Ausdruck, dass bei Aufnahme neuer Projekte andere Projekte gekürzt werden müssen.

In vielen christlichen Kirchen und Organisationen sind die Angestellten mit der Vielzahl der Aufgaben überlastet. Damit wird nicht nur ein Stresspotential geschaffen, sondern es kann auch dazu führen, dass für diese Projekte und Aufgaben nicht genug menschliche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Es ist zwar leicht, neue und wichtige Arbeitsbereiche zu finden, aber sehr schwierig, Projekte zu kürzen oder zu beenden, die ebenfalls wichtig sein könnten.

Die Vollversammlung möge beschliessen:

  • den Rat zu bitten, die Arbeitsbelastung des LWB-Stabs sobald wie möglich zu überprüfen und zu evaluieren und die laufenden Projekte und Aufgaben kritisch zu prüfen. Diese Auswertung soll mit der Absicht vorgenommen werden, Projekte gemäss den Prioritäten und der Verfügbarkeit von Ressourcen zu kürzen oder zu beenden.

[Inhaltverzeichnis]

BISCHOF LAJOS ORDASS

(Zur Beschlussfassung an den Rat verwiesen)

Der Rat hat BESCHLOSSEN:

  • sich den Entscheidungen und Aktionen der Regierung und der Kirche Ungarns, die er begrüsst, anzuschliessen und den inzwischen verstorbenen Bischof Lajos Ordass von Anschuldigungen freizusprechen, die der Weltbund nie akzeptiert hatte.

[Inhaltverzeichnis]