Lutherischer Weltbund

Anglikanisch - lutherisch

Die internationale Ebene

Die Internationale anglikanisch-lutherische Arbeitsgruppe im Jahr 2000 in Virginia (USA)

Der internationale bilaterale Dialog zwischen AnglikanerInnen und LutheranerInnen begann in der Zeit von 1970 bis 1972 mit Gesprächen, die zum so genannten "Pullach-Bericht" führten, in dem eine Reihe zentraler ökumenischer Fragen behandelt werden. Eine anglikanisch-lutherische Arbeitsgruppe kam daraufhin im Jahr 1975 zusammen. 

1981 lud der Anglikanische Konsultativrat (Anglican Consultative Council ACC) den LWB ein, erneut eine Gemeinsame Arbeitsgruppe zu bilden. Diese Einladung wurde vom LWB 1982 begrüsst und akzeptiert. Die Gemeinsame Arbeitsgruppe trat daraufhin 1983 zusammen und gab den so genannten "Cold Ash Report" heraus, der vor allem für seine Beschreibung des ökumenischen Ziels der vollen Kirchengemeinschaft bekannt geworden ist.

1986 kam erstmals der Internationale anglikanisch-lutherische Fortsetzungsausschuss (Anglican-Lutheran International Continuation Committee - ALICC) zusammen und bereitete eine gemeinsame Konsultation über das Bischofsamt vor. Die Konsultation fand 1987 statt, nach der der ALICC erneut tagte und den so genannten "Niagara-Bericht" über das Bischofsamt verfasste. Dieser Bericht war für die danach geschlossenen regionalen Übereinkommen zwischen LutheranerInnen und AnglikanerInnen von grosser Bedeutung. In der Folge wurde die Internationale anglikanisch-lutherische Kommission (Anglican-Lutheran International Commission - ALIC) eingesetzt, die ihre Arbeit 1995 mit dem Bericht "Der Diakonat als ökumenische Chance" (Hannover-Bericht) abschloss. Er liegt den Kirchen zur Zeit zum Studium vor.

Die Neunte Vollversammlung des LWB 1997 und die Lambeth-Konferenz 1998 bekräftigten nachdrücklich die Weiterentwicklung der anglikanisch-lutherischen Beziehungen und baten um Fortsetzung. Mit einem dreijährigen Mandat des Anglikanischen Konsultativrates und des LWB nahm eine Internationale anglikanisch-lutherische Arbeitsgruppe (Anglican-Lutheran International Working Group - ALIWG) ihre Arbeit auf. Sie soll weltweit die Beziehungen zwischen AnglikanerInnen und LutheranerInnen untersuchen und Empfehlungen für die Zukunft unterbreiten. Ihr konkretes Ziel bestand darin, die regionalen anglikanisch-lutherischen Übereinkommen daraufhin zu untersuchen, wie sie sich mit den Beziehungen zwischen den beiden weltweiten Kirchengemeinschaften vereinbaren lassen.  Der ALIWG-Bericht, einschliesslich der von der Arbeitsgruppe ausgesprochenen Empfehlungen, wurde im Frühjahr 2003 veröffentlicht und liegt gegenwärtig den Mitgliedskirchen zur Prüfung vor. 

Die regionale Ebene

Regionale Dialoge zwischen AnglikanerInnen und LutheranerInnen gibt es

  • in den USA seit 1969;

  • in Australien seit 1972;

  • europaweit von 1980 bis 1982;

  • in Kanada seit 1983;

  • zwischen Deutschland und England seit 1987;

  • in Nordeuropa seit 1989;

  • in Afrika seit 1992;

  • zwischen Frankreich und Grossbritannien seit 1994 und

  • in Brasilien wird der Dialog zur Zeit aufgenommen.

AnglikanerInnen und LutheranerInnen sind in Europa und Nordamerika mehrfach verbindliche Formen regionaler Kirchengemeinschaft eingegangen.

Die folgenden beiden Übereinkommen, in denen sich die Partner zu einem hohen Mass an Kirchengemeinschaft und enger Zusammenarbeit verpflichten, sind gemeinsam mit den reformierten Kirchen geschlossen worden:

  • die Meissener Erklärung von 1991 zwischen der Kirche von England und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die

  • die Gemeinsame Erklärung von Reuilly von 1999 zwischen den britischen und irischen anglikanischen Kirchen und den französischen lutherischen und reformierten Kirchen.

Die nachstehenden drei Übereinkommen wurden von anglikanischen und lutherischen Kirchen geschlossen. Sie stehen für eine Kirchengemeinschaft, die volle Sakramentsgemeinschaft und den Kanzeltausch umfasst:

  • Die Porvooer gemeinsame Feststellung von 1993 zwischen den nordischen und baltischen lutherischen Kirchen und den britischen und irischen anglikanischen Kirchen;

  • Called to Common Mission (Zu gemeinsamer Mission berufen) von 2000 zwischen der Episkopalkirche in den USA und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELKA);

  • Die Erklärung von Waterloo von 2000 zwischen der Anglikanischen Kirche in Kanada und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada (ELKIK).

Der Anglikanische Konsultativrat und der Lutherische Weltbund kommen in regelmässigen Abständen zu gemeinsamen Stabssitzungen zusammen.