Lutherischer Weltbund

Abteilung für Weltdienst

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Regionalprogramme der Abteilung für Weltdienst
Westafrika

Ehemalige Kindersoldatinnen, die am 20. April 2004 ihre Waffen abgaben, bei der Ankunft im Demobilisierungszentrum Buchanan.
© LWB/AWD-Liberia/C. Pitchford

Seit über einem Jahrzehnt wird Westafrika von Bürgerkriegen heimgesucht. Einige der am wenigsten entwickelten Länder der Welt sind seit Jahren mit Gewalt und Tod konfrontiert, die kein Ende zu nehmen scheinen. Sie erleiden die Vertreibung hunderttausender Menschen und die fast vollständige Zerstörung der materiellen und sozialen Infrastruktur. Dementsprechend wurden in den letzten Jahren die Schwerpunkte des AWD-Regionalprogramms auf Nothilfe, Wiederaufbau und die Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen gelegt. In diese Arbeit ist auch der Gemeinwesenaufbau integriert, der die Selbstbestimmung der Menschen und die Errichtung tragfähiger Dorfgemeinschaften ermöglichen soll.

Mit Beendigung der Feinseligkeiten in der Region können durch das LWB/AWD-Westafrikaprogramm die umfangreichen Erfahrungen des LWB im Bereich Friedens- und Versöhnungsarbeit sowie die internationalen und regionalen Beziehungen und die Präsenz an der Basis durch die LWB-Mitgliedskirchen effektiv genutzt werden. Bei der psychosozialen Betreuung und der Heilung von Traumata arbeitet der LWB eng mit verschiedenen PartnerInnen zusammen. Auf der Grundlage der Erfahrungen in dieser Zusammenarbeit haben die Schwedische Kirche und Norwegian Church Aid ein englischsprachiges Handbuch zur psychosozialen Betreuung in Not- und Katastrophensituationen erarbeitet.

In Westafrika wird durch verschiedene Aktionen, die im Anschluss an und in inhaltlichem Zusammenhang mit dem von LWB unterstützten Interreligiösen Friedensgipfel in Afrika (Johannesburg, Oktober 2002) stattfinden, bekräftigt, dass religiöse Vielfalt Chancen für eine Zusammenarbeit bei der Lösung von Konflikten und für gemeinsame Friedensarbeit bietet.

Das LWB/AWD-Westafrikaprogramm ist aktiv in:

Liberia

Eine Familie von Binnenvertriebenen auf dem Weg in Richtung Monrovia (Mai 2002).
© LWB/AWD-Liberia/C. Pitchford

Die nur langsam voranschreitende Entwaffnung und Wiedereingliederung der KämpferInnen des vor kurzem beendeten Bürgerkriegs schürt die Angst der etwa 350.000 Flüchtlinge und der 400.000 Binnenvertriebenen davor, in ihre Heimat zurückzukehren. Städte und Dörfer sind zerstört und staatliche Strukturen, die ein Minimum an sozialer Infrastruktur bieten, müssen erst wieder geschaffen werden. Mit dem Eintreffen von Friedenstruppen der Vereinten Nationen und der Einrichtung einer Übergangsregierung Ende 2003 wächst die Hoffnung, dass Gemeinwesen ohne Gefahr wieder aufgebaut werden können.

In der jüngsten Krise konzentrierte sich das LWB/AWD-Liberiaprogramm auf den Nothilfeansatz, erhielt aber auch die nötigen Kapazitäten aufrecht, um die Wiederaufbau- und Entwicklungsarbeit zügig wieder aufnehmen zu können. Während des Krieges suchten Zehntausende in der Hauptstadt Zuflucht, was eine humanitäre Krise erheblichen Ausmasses zur Folge hatte. Mit von ACT (Action by Churches Together - Kirchen helfen gemeinsam) und anderen Partnerorganisationen zur Verfügung gestellten Mitteln wurde der LWB aktiv und trug dazu bei, den Grundbedarf an Nahrungsmitteln, Unterkünften, Wasser und sanitären Anlagen zu sichern. ACT unterstützte auch Anwaltschaftsarbeit und Bewusstseinsbildung in den Bereichen Kinderschutz, sexuelle Gewalt und HIV/AIDS.

Die AWD hat umfassende Erfahrung in der Verwaltung von Flüchtlingslagern und dem späteren Wiederaufbau eines Landes. In Liberia leitet sie deshalb zwei Lager für Flüchtlinge und Binnenvertriebene sowie zwei der vier Demobilisierungslager, in denen ehemalige KämpferInnen ihre Waffen abgeben und erste Wiedereingliederungsmassnahmen durchgeführt werden.

Mit Unterstützung des LWB/AWD-Liberiaprogramms verwandeln George Togba und 30 seiner Landsleute grosse und kleine Patronenhülsen in Symbole des Friedens. © LWB/AWD-Liberia

Während die bisher dargestellten Aktivitäten auch weiterhin fortgesetzt werden, liegen die Schwerpunkte seit 2004 bei Traumaheilung und Versöhnung, um so einen dauerhaften Frieden zu schaffen. LWB/AWD gehörte zu den wenigen internationalen NGOs, die auch während der schwierigen Zeiten in den vergangenen Jahren in Liberia verblieben sind. Dies hat bei der einheimischen Bevölkerung erhebliches Vertrauen geschaffen und so die Erfolgschancen der Friedensarbeit, die Gemeinwesen und zivile Strukturen stärken soll, erhöht.

Nachdem im vorausgegangenen Jahr die geplanten Aktivitäten in allen Projekten durch den Krieg und die erheblichen Reisebeschränkungen behindert worden waren, wird ein Projekt der Lutherischen Kirche in Liberia (LKL), das die Gemeinwesen und die gesellschaftlichen Strukturen stärken soll, nun von verschiedenen Seiten gefördert. Das Projekt zur Förderung der Ernährungssicherheit für über 17.000 sierra-leonische Flüchtlinge in Liberia konnte 2003 nahezu ohne Unterbrechung durchgeführt werden.

Bei der Zusammenarbeit mit der LKL haben sich die Arbeitsschwerpunkte der AWD seit 2000 von Nothilfe, die während des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren erforderlich war, auf Entwicklungsprogramme verlagert. Um lokale Kapazitäten zu erweitern, unterstützte die AWD die LKL bei der Einrichtung einer kirchlichen NGO, dem Lutherischen Entwicklungsdienst.

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Sierra Leone

Flüchtlinge erlernen das Schneiderhandwerk. © LWB/AWD-Sierra Leone

Seit Ende des Bürgerkriegs 2002 bemüht sich Sierra Leone um einen stabilen Frieden und um den Wiederaufbau. Das Land ist auf dem letzten Platz des Human Development Index (HDI, Index der menschlichen Entwicklung) der Vereinten Nationen und dementsprechend mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert: Armut in weiten Teilen der Bevölkerung, ein instabiles Justizsystem, eine heruntergekommene Infrastruktur, das Fehlen einer ausreichenden sozialen Infrastruktur; die eigene Bevölkerung ist zu Zehntausenden in die Nachbarländer geflohen, während das Land 70.000 liberianische Flüchtlinge aufgenommen hat.

Die Arbeit von LWB/AWD geschieht grossteils in Zusammenarbeit mit anderen lokalen Partnern von ACT. Die Finanzierung erfolgt über Organisationen des Systems der Vereinten Nationen, wie die Weltbank und über ACT. Schwerpunktmässig werden der Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes und die Hilfeleistung für liberianische Flüchtlinge in Sierra Leone betrieben. Diese Arbeit setzt sich aus fünf Hauptkomponenten zusammen:

  • Wiederbelebung der Landwirtschaft zur Stärkung der Ernährungssicherheit,
  • Wiederaufbau der Infrastruktur, insbesondere Brunnen und Latrinen,
  • Verteilung von gespendeten Hilfsgütern an Flüchtlinge,
  • Verwaltung von Lagern liberianischer Flüchtlinge,
  • Transport von RückkehrerInnen, Flüchtlingen und Hilfsgütern.

Wiederaufbauprojekte in den Gemeinwesen fördern die Eigenständigkeit durch die Schaffung nachhaltiger Einkommensgrundlagen, der Entwicklung der materiellen Infrastruktur sowie der Schaffung eines Mindestmasses an sozialer Infrastruktur vor Ort.

Auf der Grundlage der Strategierichtlinien für das Länderprogramm werden im Auftrag von Organisationen der Vereinten Nationen und LWB-Partnerorganisationen die folgenden Projekte durchgeführt:

  • Hilfeleistungen in Form von medizinischer Grundversorgung und Bildungsangeboten für die hilfsbedürftigsten liberianischen Flüchtlinge,
  • Bereitstellung von Wasserversorgung und Sanitäranlagen,
  • HIV/AIDS-Bewusstseinsbildung und -Sensibilisierung.

Auf Bitten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sierra Leone (ELKSL) wurde das LWB/AWD-Liberiaprogramm im Jahr 2000 in Sierra Leone aktiv und unterstütze die Nothilfearbeit der ELKSL, die mit der vom Kirchenrat Sierra Leones geleisteten Nothilfe- und Wiederaufbauarbeit verbunden ist.

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Weitere Informationen erhalten sie bei:

Duane Poppe, Programmreferent

LWB-Vertreter vor Ort:

George Mkanza, Regionalvertreter