Lutherischer Weltbund

Abteilung für Weltdienst

Regionalprogramme der Abteilung für Weltdienst
Jerusalem

Auguste Victoria-Krankenhaus (AVK), Jerusalem. © LWB/AWD Jerusalem/M. Brown

Der LWB kann auf über 50 Jahre Dienst an palästinensischen Flüchtlingen in Ostjerusalem und im Westjordanland zurückblicken. Das AWD/LWB-Jerusalemprogramm leistet einen bedeutenden Beitrag zur christlichen Präsenz auf dem Ölberg – in Form von medizinischer Grundversorgung, Berufsbildungsangeboten, Stipendien und Begleitung von blinden Berufstätigen, dem Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung sowie dem Dialog mit und Dienst an den vielfältigen und konfliktbeladenen Bevölkerungsgruppen der Region.

Im Jahr 2004 dauerte der palästinensische Aufstand und die Gewalteskalation in Israel und Palästina bereits vier Jahre an. Der Bau der israelischen Trennmauer hat katastrophale Folgen für die palästinensische Bevölkerung und palästinensische Einrichtungen überall in Ostjerusalem und dem Westjordanland. Viele Wohngegenden liegen teils im Westjordanland, unter palästinensischer Oberhoheit, teils in Jerusalem, unter israelischer Kontrolle.

Diese Situation hat zur Folge, dass Familien getrennt werden, bäuerlichen Familien keinen Zugang mehr zu ihren Feldern haben, Geschäftsleute ihre Betriebe, Berufstätige ihre Arbeitsplätze und SchülerInnen und LehrerInnen ihre Schulen nicht mehr erreichen können und dass Kranke von der ärztlichen Behandlung abgeschnitten sind. Das Hauptbüro des LWB, das Auguste Victoria-Krankenhaus sowie das Berufsbildungszentrum werden in Zukunft zu den Gebieten gehören, die unter israelischer Kontrolle stehen, wodurch PalästinenserInnen aus dem Westjordanland der Zugang zu diesen Einrichtungen extrem erschwert, ja gar unmöglich gemacht wird, es sei denn, es können für SchülerInnen, PatientInnen, LehrerInnen, MitarbeiterInnen des Krankenhauses und andere Betroffene Sonderregelungen erwirkt werden.

Die von LWB/AWD erbrachten, zuverlässigen medizinischen Leistungen und Angebote der beruflichen Bildung werden notwendig gebraucht, gleichzeitig wird mit fachmedizinischen Leistungen, Notfallversorgung und der Schaffung von Arbeitsplätzen im Westjordanland den Grundbedürfnissen der Flüchtlinge sowie der armen Bevölkerung Rechnung getragen, die von Gewalt, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und Einkommensverlusten am schwersten betroffen sind. Viele PalästinenserInnen, die ärztliche Behandlung benötigen, zögern, sich um die erforderliche Hilfe zu bemühen, bis vielfach schliesslich Komplikationen eintreten und ernste Gesundheitsprobleme entstehen.

Auguste Victoria-Krankenhaus

Notfallbehandlung im AVK, das vom LWB verwaltet wird. © LWB/AWD/ACT Jerusalem/P. Jeffrey

Das Auguste Victoria-Krankenhaus des LWB (AVK-LWB) leistet medizinische Versorgung im Blick auf Krisensituationen, die aus dem israelisch-palästinensischen Konflikt erwachsen. In diesem Zusammenhang sind eine 24-Stunden-Ambulanz, ein Krankentransportdienst, mobiles medizinisches Personal, das in Krisensituationen in und um Jerusalem eingesetzt wird, sowie die vorbeugende Notfallbereitschaft des Krankenhauses zu nennen, die immer dann einsetzt, wenn Gewalttätigkeiten erwartet werden.

Das AVK leistet einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Versorgung von Flüchtlingen und anderen Bedürftigen, für die es sonst keine Anlaufstellen gibt. Zu den in ihrer Art für ganz Palästina einmaligen fachmedizinischen Angeboten gehören Dialyse für Kinder, Hals-/Nasen-/Ohrenchirurgie, sowie Magen- und Darm-Behandlungen. Das Krebsprogramm des Krankenhauses führt mehr und mehr Chemotherapien durch und die Einrichtung eines Linearbeschleunigers soll es dem Krankenhaus ermöglichen, als das bisher einzige in den palästinensischen Gebieten, Radiotherapie anzubieten.

Das AVK steht allen PatientInnen offen, unabhängig von deren Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Nationalität, ethnischer Herkunft oder politischer Überzeugung.

Krankenstationen

Mit Hilfe ländlicher Krankenstationen wird in fünf Dörfern in den am stärksten vernachlässigten Gebieten des Westjordanlandes medizinische Versorgung und Aufklärung über Gesundheitsfragen geleistet. Diese Arbeit ist integraler Bestandteil des Gesamtnetzwerks der medizinischen Grundversorgung. Viele PalästinenserInnen, die mit diesem Dienst erreicht werden, haben ansonsten keinen direkten Zugang zu medizinischer Versorgung bzw. zum AVK und den Angeboten, die ihnen vor der Einführung der massiven Mobilitätsbeschränkungen zugänglich gewesen wären. Mehrere dieser Dörfer werden durch die im Bau befindliche Trennmauer vom Westjordanland abgeschnitten sein. Um auch zukünftig die medizinische Grundversorgung zu gewährleisten, müssen die Leistungsangebote entsprechend angepasst werden.

Berufsbildungszentrum

Rawa Rabah (19) hat die ElektronikerInnenausbildung des Berufsbildungszentrums absolviert, das von ACT finanziert und vom LWB geführt wird. Sie hat eine Anstellung in einem Mobiltelefonladen in Ramallah gefunden. © LWB/AWD/ACT Jerusalem/P. Jeffrey

Um jungen Menschen Zukunftsperspektiven zu bieten und zum Aufbau der Zivilgesellschaft beizutragen, entwickelt sich das Berufsbildungszentrum weiter. Es berücksichtigt die Bedürfnisse der SchülerInnen/Auszubildenden im Blick auf deren soziales und emotionales Wohlergehen, Persönlichkeitsentfaltung, Bildung und Arbeitsmarkteignung, wobei gleichzeitig schwerpunktmässig die Bewältigung von Konflikten und die Entwicklung von Führungsqualitäten gefördert werden.

Die SchülerInnen/Auszubildenden sind mehrheitlich zwischen 16 und 18 Jahre alt und ihnen steht keine universitäre Ausbildung offen. Bei dieser Gruppe besteht ein besonders hohes Risiko der Verwicklung in Gewalttätigkeiten und Vergeltungsschläge im Verlauf des fortdauernden Konflikts. Das Berufsbildungszentrum verfügt über ein anspruchsvolles Angebot, das ihrer Energie und Kreativität positive Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet.

Aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit hat das Zentrum seine Wohnmöglichkeiten erweitert, so dass Lehrkräfte und SchülerInnen/Auszubildende untergebracht werden können, denen es sonst nicht möglich wäre, täglich die Schule zu erreichen.

Stipendienprogramm

Ziel dieses Programms ist die Unterstützung palästinensischer Studierender aus den besetzten palästinensischen Gebieten während ihres Erststudiums. Eine etwa gleich grosse Zahl christlicher und muslimischer Studierender sind auf ihrem Weg zu den örtlichen Universitäten täglich mit Ausgangssperren und Strassensperren durch das Militär konfrontiert.

Blindenwerkstätte

Diese teilautonome Werkstätte bot und bietet Blinden eine Erwerbsmöglichkeit. Das LWB/AWD-Programm trägt die Miete der Einrichtung, stellt Material zur Verfügung und finanziert die Krankenversicherung der MitarbeiterInnen. Die sich weiter verschlechternde wirtschaftliche Lage sowie die eingeschränkte Mobilität haben eine erhebliche Senkung der Löhne zur Folge gehabt.

Seitenanfang

Webseite des LWB/AWD-Jerusalemprogramms

Webseite des Auguste Victoria-Krankenhauses

Weitere Informationen erhalten sie bei:

AWD-Direktor Pfr. Eberhard Hitzler

Local representative

Pfr. Mark Brown, Regional Representative

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