Lutherischer Weltbund

Missionstudien

Missionsstudien

In den letzten Jahrzehnten hat im Missionsverständnis und der Missionspraxis der Kirchen ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Mission wird heute als ganzheitlich, prophetisch, verwandelnd verstanden; sie umfasst das ganze Volk Gottes und ist auf die gesamte Schöpfung ausgerichtet. Angesichts der neuen Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert mit sich bringt, begleitet die LWB-Abteilung für Mission und Entwicklung (AME) die Mitgliedskirchen in ihren Bemühungen, an Gottes vielgestaltiger Mission in der Welt teilzunehmen.

Als Antwort auf die Selbstverpflichtung der Neunten LWB-Vollversammlung 1997 in Hongkong, „unsere missiologischen und missionarischen Anstrengungen zu verstärken", organisierte die AME 1998 eine Konsultation: Kirchen in Mission in Nairobi(Kenia). Etwa 80 VertreterInnen von LWB-Mitgliedskirchen, Missionswerken und anderen Partnerorganisationen kamen zusammen, um unter dem Thema „Auf dem Weg ins 3. Jahrtausend: Gottes Mission als gemeinsame Aufgabe" über Verständnis, Praxis und Anliegen der Mission zu diskutieren. Die „Ergebnisse und Empfehlungen" dieser Konsultation wurden 1999 vom LWB-Rat diskutiert und entgegengenommen und den Mitgliedskirchen zur Prüfung und Umsetzung zugesandt.

Unter den vielen wichtigen Anliegen, die in der Diskussion hervorgehoben wurden, muss das ganzheitliche Missionsverständnis besonders betont werden: „Mission umfasst Verkündigung, Dienst (diakonia) und Anwaltschaft für Gerechtigkeit" sowie „den Dialog mit Menschen verschiedener Glaubensrichtungen", Verwandlung und die Bewahrung der Schöpfung.

Ebenso bedeutungsvoll war der Konsens unter den TeilnehmerInnen, dass innerhalb der Gemeinschaft neue Formen von Partnerschaft in der Mission notwendig sind. Die Diskussion über diese Fragen wird gegenwärtig im Rahmen einer Reihe von regionalen Konsultationen in Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika fortgeführt.

Die Empfehlung der Konsultation zur Überarbeitung des gegenwärtigen LWB-Missionsdokuments („Gottes Mission als gemeinsame Aufgabe", 1988) wurde einem speziell dafür eingerichteten Ad-Hoc-Team übertragen. Im April 2001 fand in Berlin eine Konsultation von MissionsexpertInnen statt, die eine breitere Diskussion über missionstheologische Fragen ermöglichte und das Ad-hoc-Team mit unterschiedlichen Sichtweisen bekannt machte. Das überarbeitete Missionsdokument wird den lutherischen Kirchen als Werkzeug dienen, das sie in ihrem jeweiligen Kontext bei der Selbstanalyse und neuerlichen Bestätigung ihrer Mission begleitet. Es wird die wesentlichen Veränderungen in Verständnis und Praxis unserer Mission widerspiegeln und voraussichtlich im Jahr 2004 veröffentlicht werden.